Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Seite: 315
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TAFEL LXXXIII—LXXXIV DIE CALYDONISCHE JAGD 244—248

Münzbildern des Alexander Severus und seiner nächsten
Nachfolger, namentlich der Gordiane.

Das Thor an der linken Ecke der Vorderseite Fig. 246
ist am Pfeiler mit einer Weinranke, am Bogen mit dem
nach oben gerichteten Kopf eines wahrscheinlich ver-
endend zu denkenden Ebers geschmückt, vgl. 228. Oeneus
wie auf 242, aber mit ähnlicher Handbewegung wie
auf 231. Im Hintergrund links, noch zum Theil inner-
halb des Thorbogens, ein mit dem Chiton bekleideter
nach rechts gewandter Mann, der wohl als Netzträger
gemeint ist (vgl. 226), rechts Venus wie auf 239, nur
nach der anderen Seite gewandt, wieder mit Melonenfrisur
und mit völlig entblösstem Oberkörper. Sie scheint, ver-
muthlich über die Erscheinung des Orcus erschreckt,
nach links entfliehen zu wollen. Dieser ist wie auf 243.
244 dargestellt, Diana wie auf 236 und 243, jedoch mit
erstaunt erhobener Rechten; im Haar trägt sie ein Dia-
dem; die Enden ihres Bogens laufen in Schwanenköpfe
aus. Zwischen ihren Füssen ein Baumstumpf. Die Dios-
curen, die im übrigen wie auf 244 (vgl. 242) dargestellt
sind, haben auf ihren Mützen Sterne, vgl. 23g. Das Pferd

Tafel I

247) S. Palermo, Kathedrale, in der Krypta.
Fig. 247. L. 2,04. H. rechts 0,50, links 0,48; T. 0,51. Das
Relief ist durch Hammerschläge schwer beschädigt, offen-
bar weil man an der heidnischen Darstellung Anstoss
nahm. Zeichnung von Eichler 1876.

Der Sarkophag steht schon seit Jahrhunderten in der Krypta. Der
im Mittelalter aufgesetzte Deckel ist zerstört, so dass sich die darin
beigesetzte Persönlichkeit, jedesfalls einer der Palermitaner Erzbischöfe,
nicht feststellen lässt. Der gegenwärtig auf dem Sarkophag sitzende
Deckel ist nicht zugehörig, sondern stammt von dem Grabmal des
1588 verstorbenen Erzbischofs CESARE marullo, das sich früher in
der Capella S. Crocifisso befand (Roccho PlRRO Sicilia sacra I 1723
p. 206s.), aber bei der Restauration des Domes in den Jahren 1780—
1801 zerstört wurde. Aufgesetzt hat man diesen Deckel im Jahre
1843, als man die Jahrhunderte lang vernachlässigte Krypta gründlich
restaurirte.

Abbildungen: Giov. Compagni L'antico ipogeo del Duomo di
Palermo 1840 (mir nicht zugänglich). — A. Casano Del Sotterraneo
della Chiesa cattedrale di Palermo 1849 tav.B nr. 1.

Litteratur: amato De Principe TemploPanormita.no 1728 p.\o.
p. 17; Compagni a. a. O. p. 28«.; Casano a. a. O. p. 4. p. iow.;
benndorf und schöne Die antiken Bildwerke des lateranensischen
Museums 1867 S. 407.

Auf der Vorderseite. Fig. 247 Oeneus ohne jeden
Begleiter mit derselben Handbewegung wie auf 246,
Orcus scheint hier in seiner rechten Hand den Bogen
getragen zu haben, Diana wie auf 236 und 243.

des zweiten Dioscuren ist nach links gewandt. Meleager5
Atalante, der Eber mit den beiden Hunden wie auf
242 — 244, nur ist der kleine Hund mit dem Wild noch
nicht aneinander gerathen. Links und rechts von dem
Eber je ein Feigenbaum. Der Jäger rechts von der Höhle
ist aus einem Speerwerfer in einen Steinschleuderer ver-
wandelt; vgl. 228. Ancaeus fehlt wie auf 234. 237. 239.
240; an seiner Stelle liegt am Boden ein wohl verwundet
zu denkender Jagdhund, der den Kopf und die rechte
Vordertatze erhebt. Der stehende Verwundete ist ganz
nackt, trägt aber ein Wehrgehäng mit Schwert.

Auf der linken Schmalseite Fig. 246a zwei jugendliche
Netzträger in geschürzter Tunica, der vordere mit der
Gabel zum Aufstellen des Netzes in der Rechten. Zwischen
beiden ein laufender Hund mit erhobenem Kopf. Vgl. 234 a.
235 a (S. 305). 236 a. Auf der rechten Schmalseite Fig. 246 b
ein Jagddiener, der einen nach links laufenden Hund mit
Mühe an der Leine zurückhält; vgl. 216a. 223b und den
Adonis-Sarkophag 21b. Hinter ihm ein Baum.

Aus der Mitte des dritten Jahrhunderts.

.XXXIV.

Die Dioscuren sind hier beide nach links bewegt,
blicken aber nach rechts auf Meleager zurück. Mit
der Rechten fassen sie den Zügel ihres Pferdes, in
der gesenkten Linken halten sie eine Lanze. Bekleidet
sind sie, wie üblich, mit Pileus und Chlamys. Meleager,
der Eber und der grössere Hund wie gewöhnlich; auch
der kleinere Hund war, wie die grosse Lücke erkennen
lässt, einst vorhanden, ist aber völlig zerstört. Atalante
wendet den Kopf nach Meleager zurück (vgl. 258) und
greift, wie Diana, mit der Rechten in den Köcher. Der
Jäger über der Höhle ist jugendlich, trägt Chlamys und
runden Hut und hält in der Rechten einen Speer, mit dem
er auf den Eber stösst. Ancaeus ist, wie auf 225 und
233, mehr nach links gerückt; über ihm ein Baum,
vgl. 233. 235. Der Speerwerfer wie auf 230. 231. 233.
236. 242. Der stehende Verwundete wie auf 225. 226.
230—237. 242. 243. 246. Unten ist in der ganzen Länge
der Platte Felsterrain angedeutet. Auf den Schmalseiten
ist nichts mehr zu erkennen.

Wohl noch aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts.

248) S. Florenz, Uffizien (Inv. Nr. 3633). Fig. 248.
Fig. 248a. Fig. 248b. L. 2,14. H. 0,58. T. 0,60. Rh. 0,07.
Zeichnung von Eichler 1882.

Zu Gori's Zeit in der königlichen Villa ad Pratolinum, deren
Anlage in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts fällt, s. oben S. 130 f.

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