Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,2): Einzelmythen: Hippolytos - Meleagros — Berlin, 1904

Seite: 316
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MELEAGER

zu 107. Die Ueberführung in die Uffizien muss nach 1782 erfolgt
sein, da Lanzi das Stück in seiner R. Galleria di Firenze 1782
noch nicht erwähnt. Bei dieser Gelegenheit scheint man es ergänzt
und mit der rothen Nummer 469 versehen zu haben.

Alte Zeichnung: Gori Cod. Marucellianus A 274 Fol. 4.

Abbildung: Gori Inscriptiones antiquae graecae et romanae
1743 III tav. 36. Fig. 248' (im Text).

Litteratur: Gori a.a.O. CXXIV; F. Lanza Dell' antico
Palazzo di Diocleziano in Spalato 1855 p-\~i\ Helbig a. a.Ö. 82(P);
Stephani a.a.O. S.96 Nr. 20; Matz a.a.O. 77 (P); C. L.Visconti
Bullettino della Commissione archeologica municipale di Roma I 1873
p. 182 ».5; DüTSCHKE Antike Bildwerke in Oberitalien III 1878
S. 55ff. Nr. 92; C. RlGONl Catalogo della R. Galleria degli Uffizi
in Firenze 1891 37 nr. 95.

Die frappante Uebereinstimmung der Vorderseite Fig. 248
mit 247 wird nur durch die modernen Ergänzungen etwas
verdunkelt, weshalb die ältere Abbildung Gori's hier im
Text wiederholt ist Fig. 248' und im Uebrigen nur die

248'

Abweichungen aufgezählt werden. Orcus trägt nicht, wie
vielleicht auf 247, den Bogen, sondern wie gewöhnlich
das geschulterte Beil, von dem ein Rest auf seiner Schul-
ter und zwei Ansätze unter dem oberen Rand, der eine
vom Stiel der andere von der einen Spitze, erhalten sind.
Doch fasst er es mit der rechten Hand, während er mit der
linken, von der auf unserer Abbildung nur die gebogenen
Finger erkennbar sind, sein Pantherfell zusammenhält, vgl.
237. Diana ist nach rechts bewegt, wie auf 242. 244.
Neben ihr ein laufender Hund. Hinter dem vorderen Dios-
curen wird noch ein jugendlicher Jäger mit langem Haar
sichtbar, der mit der Chlamys bekleidet ist und in der
Linken eine Lanze trägt, vgl. Fig. 248'. Atalante war,
wie die Stellung des erhaltenen rechten Oberarmes be-
weist, schiessend dargestellt, ist also richtig ergänzt, vgl.
227 b. 230. 231. 234. 235. Dagegen müsste der Kopf des
Jägers über der Höhle wohl unbärtig sein. Von dem Baum,
dessen Reste bei Gori ganz übersehen sind, ist auch der
obere Theil der Krone antik, wodurch er als eine Eiche
charakterisirt wird. Der ergänzte Kopf des stehenden Ver-
wundeten ist zu tief gesenkt. Der Puntello im Relief-
grund bezeichnet die Stelle, wo der Hinterkopf aufsass.

Auf der linken, nur ganz flach ausgearbeiteten Schmal-
seite Fig. 248 a die beiden am Grab ihres Bruders trauern-
den Meleagriden. Das Grabmal ist, wie am Deckel von

231, ein Ouaderbau mit Giebeldach, aber hier mit einer
Guirlande geschmückt und an der einen Seite mit einem
bankartigen Vorsprung versehen. Auf diesem sitzt die
eine Meleagride mit gelöstem Haar, in Chiton und über
den Kopf gezogenem Mantel, das tief gesenkte Haupt
auf die rechte Hand gestützt, während die linke im
Schosse ruht und eine Falte des Mantels fasst; vgl. 231
und 234b. Ihr gegenüber steht ihre Schwester, gleich-
falls mit gelöstem Haar; die rechte Hand legt sie an
die Wange, mit der linken stützt sie den rechten Ellen-
bogen. Bekleidet ist sie mit gegürtetem, ärmellosem
Chiton und einem um den Unterkörper geschlungenen
Mantel. Beide Mädchen tragen Schuhe. Die Klammer-
löcher sind ungewöhnlich tief angebracht; das eine unter
dem Gesimse des Grabmals, das andere zwischen der
rechten Hand der sitzenden und dem linken Ellenbogen
der stehenden Meleagride.

Auf der rechten Schmalseite Fig. 248b zwei Netz-
träger in gegürteter Exomis und Stiefeln, aber ohne
Stäbe oder Gabeln, beide den Kopf nach rechts zurück-
wendend. Der zweite führt mit der Rechten einen Hund
an der Leine. Der Kopf des ersten ist, was Eichler
übersehen hat, modern, aber, nach den Körperformen zu
urtheilen, gewiss richtig bärtig ergänzt. Vgl. 234 a. 235 a
(S. 305). 236 a. 246 a. In die linke Brust beider Figuren
ist je ein Klammerloch eingearbeitet.

Aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts.

249) F. Rom, Lateran. Fig. 24g. L. 1,57. H. 0,53.
Zeichnung von Eichler 1877.

„Spuren von Tünche an allen Kanten und moderne Löcher
in der Platte zeigen an, dass das Relief früher in eine Wand ein-
gelassen war." Benndorf und Schöne.

Abbildung: Garrucci Monumenti del Museo Lateranense 1861
tav. 34 nr. 2.

Litteratur: Garrucci a. a. O. p. 57; Helbig a. a. O. 81 (B);
Benndorf und Schöne Die antiken Bildwerke des lateranensischen
Museums 1867 S. 167 f. Nr. 250; Stephani a.a.O. S.96 Nr. 8;
Matz a. a. O. p. 77 (B).

Von der Platte Fig. 249 ist nur das linke Ende mit
Oeneus und dem Obertheil der zunächst auf ihn folgenden
Figuren weggebrochen. An der linken Ecke des erhaltenen
Theils erkennt man die fragmentirten Beine des Orcus;
auf dem linken eine Tatze des Pantherfells; ein kleiner
Ansatz am linken Knie rührt wohl von der Leine her, an
der er den neben ihm herspringenden Hund führte, vgl.
235. 239. 240. 243. 244. 246. Diana wie auf 242. 244.
248; neben ihr ein die linke Vordertatze erhebender und
die Ohren spitzender Hund, dann der eine Dioscur wie
auf 230. 234. 244. 246. Den zweiten erkennen Benndorf
und Schöne gewiss mit Recht in dem zwischen Orcus und
Atalante etwas im Hintergrund erscheinenden Jüngling, der
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