Robert, Carl   [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard   [Hrsg.]; Robert, Carl   [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,3): Einzelmythen: Niobiden - Triptolemos ungedeutet — Berlin, 1919

Seite: 431
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TAFEL CXIII 345 —349

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Die Fragmente stammen vermutlich aus der Sammlung der Her-
zöge von Savoyen, über deren Geschichte Bd. II S. 201 zu 190 be-
richtet ist. Vgl. Docum. ined. per servire alla Storia dei Musei d' Italia
I XX«. und DüTSCHKE Ant. Bildw. in Oberitalien IV S. VII ff.

Literatur: (Pietro ignazio Barucchi) Museo della R. Univer-
sita di Torino a. 1816—1832 p. 436 nr. 69; DÜTSCHKE a. a. O. IV
1880 S. 91 Nr. 169. 170.

Das erste Fragment Fig. 346 enthält die Reste der
Mittelgruppe, den stürzenden Phaethon, den Sonnenwagen,
drei von den Rossen in verschiedenen Graden der Ver-
stümmelung, die gleichfalls stark verstümmelte Aurora (vgl.
343. 344), die hier merkwürdigerweise in der R. ein langes
Tuch hält, und den hier deutlich geflügelten Knaben, der an
dieser Stelle, unmittelbar über Phaethon nur Fulgur sein
kann, s. S. 427 f.

Das zweite Fragment Fig. 346 a zeigt, in weit größeren
Proportionen als Phaethon, einen auf einem Felsen sitzen-
den Berggott mit einem Ast in der L. Den kegelförmigen
Gegenstand vor seinem 1. Fuße, dessen Oberfläche mehr-

346 a'

fach durchbrochen gearbeitet ist, vermag ich nicht zu deu-
ten. Ein Gewächs scheint es auf keinen Fall zu sein; eher
könnte man an einen Vogel, also Cycnus denken; aber
auch einen Schwan vermag ich in den Gegenstand nicht
hineinzusehen. Wasser, das aus einer Höhle oder einem
Gefäß ausströmt, scheint es ebensowenig zu sein. Da der
Kopf des Berggottes nach links gewandt gewesen zu sein
scheint, gehört das Fragment rechts von Phaethon. Wenn
nun Barucchi a. a. O. schreibt: Caduta di Betonte, d1 altezza
oncie sette e mezza (= 0,43), eine Maßangabe, die die Größe
jeder der beiden Fragmente um ein Beträchtliches über-
steigt, so scheint er noch beide verbunden, also das Relief
in einem vollständigeren Erhaltungszustande gesehen zu
haben als gegenwärtig. Ein Sarkophag aber scheint dies
Relief schon wegen der für einen solchen ganz unerhörten
Technik nicht gewesen zu sein, sondern dekorativen Zwecken
gedient zu haben. Dennoch habe ich es wegen seiner Ähn-
lichkeit mit 345 nicht ausschließen wollen und die beiden

Fragmente, da bei der obligaten Verkleinerung auf unserer
Tafel die Details schwer zu erkennen sind, hier nochmals
nach den photographischen Aufnahmen abgebildet.]

347) F. Februar 1902 von mir in Rom bei einem klei-
nen Kunsthändler Via Tor di nona 12 gesehen. L. 0,35.
H. 0,45.

Erhalten ist nur der stürzende Phaethon und ein Rest
seines Wagens.

348) F. Rom, Pal. Simonetti, von mir dort 1902 ge-
sehen.

Linke Ecke mit dem Pädagogen. Die Komposition
muß also von der der anderen Exemplare wesentlich ver-
schieden gewesen sein.

349) F. Rom, Villa Wolkonsky. Fig. 349. Fig. 349 a.

L. 0,45. H. 1,08. T. 0,30. Rh. 0,05. Zeichnung von Eichler
1886.

Literatur: Matz und von Duhn Ant. Bildwerke in Rom 1882
II S. 328 Nr. 3086; Foerster Philologus Suppl.-Bd. IV 1884 S. 704.

Das Fragment ist die rechte Ecke eines ungewöhnlich
großen Sarkophags. Auf der Vorderseite Fig. 349 er-
kennt man ein Rad und den Rand des stürzenden Sonnen-
wagens sowie den Schweif eines der Pferde, das nach links
gewendet gewesen sein muß. Folglich waren die Rosse so
wie auf 3451 angeordnet. Darüber das linke Füßchen des
Fulgur. Die Dysis an der Ecke war fast genau wie auf
345 dargestellt; man beachte die Haltung der linken Hand
(deren Finger bis auf den Daumen abgebrochen sind), die
Biegung des r. Arms und die über die Ellenbogen herab-
fallenden Zipfel des bogenförmig gewölbten Mantels. Vor
ihr steht Hesperus mit erhobenem r. und gesenktem 1.
Arm; vermutlich hielt er in beiden Händen eine Fackel,
von der der Bruch an seiner linken Hüfte herrühren wird.
Den Gegenstand, der von seinem Nacken zum Gewand der
Dysis hinübergeht, vermag ich nicht zu erklären. Eben-
sowenig läßt sich aus der links von ihm befindlichen Bruch-
stelle erraten, welche Figur hier folgte.

Bei den ungewöhnlich großen Dimensionen, in denen
hier Dysis dargestellt ist, kann über ihr für die Szene von
Phaethons Bitte kaum Platz geblieben sein. Singulär ist
ferner, daß der Sonnenwagen, und somit die Darstellung
von Phaethons Sturz so weit nach rechts gerückt ist, daß
sie kaum die ganze Vorderseite gefüllt haben kann. Das
führt zu der Vermutung, daß die Bittszene links vorange-
gangen ist, in welchem Falle das Exemplar zur zweiten
Klasse gehören würde, während es durch die Figur der
Dysis mit der dritten verbunden ist.

Auf der rechten Schmalseite Fig. 349a sind die Hufe
der vier Sonnenrosse erhalten. Also war hier der aufstei-
gende Phoebus dargestellt.

Mitte des zweiten Jahrhunderts.

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