Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,3): Einzelmythen: Niobiden - Triptolemos ungedeutet — Berlin, 1919

Seite: 462
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PROSERPINA

S. 143 ff Nr. 5; Overbeck a. a. O. S. 608 Nr. 3. S. 609; Matz und
VON DUHN Antike Bildwerke in Rom II 1881 S. 317 f. Nr. 3063;
R. Hirsch De atiimarum apud antiquos imaginibus. Diss. Jen. 1889
/. 46.

An jeder Ecke der Vorderseite Fig. 363 eine unge-
flügelte Höre mit Blumen in dem hochgezogenen Gewände.
Die erste Szene mit der suchenden Ceres und der voraus-
fliegenden Caligo wie auf 362, nur sind die beiden Figu-
ren weiter auseinander gerückt. Vor den Schlangen liegt
ein auf den Kopf gestürzter Blumenkorb; dahinter wird ein
Baumstamm sichtbar. In der zweiten Szene Pluto mit der

Einen bestimmten Fluß und bestimmte Quellen, etwa sici-
lische, in den Figuren erkennen zu wollen, würde ebenso
unmethodisch sein, wie die Deutung auf die Gewässer der
Unterwelt absurd ist.

Zwischen den Köpfen der Nymphen ein Klammerloch.

Auf der rechten Schmalseite Fig. 363 b die Zurück-
forderung der Proserpina. Pluto und Proserpina sitzen
zusammen auf einem reich geschmückten Thron, neben dem
der Cerberus am Boden hockt. Proserpina zieht ihren
Mantel, den sie wie einen Schleier über ihr Haupt gelegt
hat, mit der Rechten so dicht vor das Gesicht, daß nur die

geraubten Proserpina in den Armen, wie auf 359—362. Nage und dag eine A sichtbar bleiben; in der Linken

Er wendet sein Gesicht mit grimmigem Ausdruck ganz der
Minerva zu. Die Rosse stürmen eilig über den Boden da-
hin; das Versinken ist nicht angegeben. Mercur mit Kopf-
flügeln wie auf 362 führt das hinterste Roß am Zügel. Über
dem Gespanne schwebt Amor mit brennender Fackel, wie
auf 359 und 361. Vor den Pferden liegt Tellus am Boden;
sie ist mit Chiton und Mantel bekleidet, hält in der Lin-
ken ein Füllhorn und hebt erschreckt die Rechte empor.
Unter den Hinterbeinen der Pferde liegt ein zweiter auf
den Kopf gestürzter Blumenkorb. Minerva, die Okeanide
und Venus wie auf 359. 361. 362. Minerva berührt hier
mit der Rechten den Oberarm des Pluto. Hinter diesen
drei Göttinnen ist, recht unpassend da der Vorgang im
Freien spielt, ein Vorhang ausgespannt. Zwischen Minerva
und der Okeanide steht ein Rundaltar.

Auf der linken Schmalseite Fig. 363a sitzt ein bär-
tiger Flußgott, mit einer Binde im Haar und einem Mantel
um die Hüften auf einem Felsen. Die rechte Hand legt
er auf eine Urne, aus der spärliches Wasser herausfließt;
die linke streckt er mit gekrümmtem Zeigefinger vor, ein
Gestus, der seine Ratlosigkeit auszudrücken scheint. Das
Gesicht wendet er mit traurigem Ausdruck nach links. Eine
hinter ihm stehende Nymphe, die mit Kopftuch und einem
von der rechten Schulter abgleitenden Chiton bekleidet ist,
legt die rechte Hand gleichfalls auf eine Urne, aus der
noch weniger Wasser herausträufelt. Eine zweite Nymphe,
gleichfalls mit Haube, einem von der rechten Schulter ab-
gleitenden Chiton und einem Mantel bekleidet, hält wie
prüfend ihre Linke in das Naß. Beide Nymphen blicken
nach links, indem sie sich mit ihren freien Armen umfassen.
Die durch den Groll der Ceres über die Erde verhängte
Dürre ist durch diese Gruppe eines Flußgottes und zweier
Quellnymphen zum Ausdruck gebracht, die über das Ver-
siegen ihres Wassers trauern. Vgl. Euripides Helen.
1335

TrvjYd; x djMcaöst opoajpa;
Xsuxäw exj3dXXsiv uöotwv
irevdei TOXiob? dXdaicu.

hält sie eine Rolle, die wohl den Ehe vertrag vorstellen soll.
Pluto streckt die rechte Hand im Gespräch mit Mercur
vor, der mit dem Caduceus in der Rechten vor ihm steht
und den linken Arm vorstreckt, als wenn er eben den
Befehl des Iupiter ausgerichtet hätte. Die Darstellung ent-
spricht den Versen des Homerischen Hymnos 346 fr.:

d^yoü 0' (otdjxsvo; icp'po&pr] xpotiu; Ap"](ei<pövT»]£*
''Ai8y] xuavo^afra, xa-a^öi[Jisvoioiv dvdaawv,
Zeu; p.£ irar/jp •jjvwrev d^au^v Ilspse'fövetav
i'ia^a^zh Eps3sua'fi u.sxd acpsac xxX.'

Am Kopfe der Proserpina ein Klammerloch.
Mitte des zweiten Jahrhunderts.

364) F. Boston, Museum of fine arts. Fig. 364.
Fig. 364 a. L. 0,045. H. 0,056. T. 0,04. Zeichnung von
Dewerzeny nach Photographie 1910.

1903 in Rom bei dem Kunsthändler Imberti; später für Boston
erworben.

Das Fragment ist das linke Ende der Vorderseite Fig. 364
nebst der Hälfte der anstoßenden Schmalseite Fig. 364 a.
An der Ecke eine ungeflügelte Höre mit Blumen in dem
hochgezogenen Gewände. Erhalten ist Ceres auf ihrem
Wagen, wie auf 359. 361—363, davor der rechte Fuß der
Caligo.

Auf der linken Schmalseite ein Rest derselben Gruppe
wie auf 363 a. Die eine fast ganz zerstörte Nymphe legte
hier beide Hände auf die Urne; die zweite, von der mehr
erhalten ist, berührt die Urne oberhalb der Mündung mit
ihrer Linken.

Aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts.

366) S.S. Mantua, Museo. Fig. 365. L. 0,87. H.0,70.
Rh. 0,03. Zeichnung von Eichler 1880. Stark überarbeitet.

Abbildungen: Labus Museo della R. Accademia di Mantova
III 1830 tav. 3. Danach Ant. Mainardi Descrizione di un basso-
rilievo del Museo della R. Accademia di Mantova 1832; müller und
Wieseler Denkmäler der alten Kunst II Taf. LXVIII 857; Overbeck
a. a. O. Atlas XVII 12.
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