Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,3): Einzelmythen: Niobiden - Triptolemos ungedeutet — Berlin, 1919

Seite: 498
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PROTESILAUS

Oüxoöv, u) avsp, ab ml xouxo i'otoaL xal xbv cEpp.Y]v xeXeoaov, sTiei-
8av ev xu~ cpwxl ^6y] 6 1 Ipio-saiXaoG "fl, xaöix6[isvov xrj pdßStp vsa-
vtav £Üöü^ xaXov obrspYdaaa&ai aöx6v, oTo<; Tjv ex xoö raxaxoG, und
Pluton zu Hermes sagt: 'EttsI Oepoecpövij] oovöoxet, ävaya-fwv
xoüxov a5fh; TroiV(oov vup-cpi'ov und zu Protesilaus: ao os [lifxvYjao
[xtav Xaßcbv ^ptipav. Protesilaus wird von einem Amor, der
mit dem rechten Arm auf das Götterpaar zeigt, herange-
führt. Er scheint zögernden Schritts zu folgen. Ein seinen
Kopf, seinen Rücken und seine Arme bedeckendes Tuch,
das er mit der erhobenen Rechten und der gesenkten Lin-
ken anfaßt, bezeichnet ihn als Schatten, ohne ihn jedoch
so vollständig zu verhüllen, wie sein Kultbild auf der Vor-
derseite es ist. In der Rolle des Amor kann man eine
Anspielung darauf sehen, daß die den Tod überdauernde
Liebesleidenschaft der Gatten durch den Zorn der Aphrodite
erregt ist, Eustathios p. 325: ripwTsaiXao; xat p.sxd Odvaxov
spcuv x/j£ fovaix&c xaxd p.Yjviv 'AcppoBtxyj? TgxYjaaxo xoü; xdxcoösv
övxa; dwsXdeiv.

Die rechte Schmalseite Fig. 422 b stellt den Abschied
des Protesilaus von Laodamia nach der abgelaufenen
Frist dar. Er hat ihr eröffnet, daß er in Wahrheit tot sei,
und nur für diesen einen Tag durch die Gnade der Unter-
weltsgötter das Leben zurückerhalten habe. Die Ehegatten
stehen einander gegenüber, zwischen ihnen Amor, der das

42 2" b

rechte Ärmchen bedauernd erhebt. Laodamia hält in der
Rechten den gezückten Dolch, mit dem sie sich den Tod
geben will. Protesilaus hat die rechte nach unten ge-
kehrte Hand redend erhoben. Damit scheint die Auffor-
derung ausgedrückt zu sein ihm bald zu folgen, so daß die
Darstellung genau den Worten des Eustathios entspricht:

aixVjcravxos 8s.....p.Y] öoxepetv auxoü £(<pet Sis^p-^aaxo 4aoxifjv.

Hinter Protesilaus ist noch ein kleiner Rest einer Figur
sichtbar, die auch im Tophamianus Fig. 422 b' fehlt, also
schon damals durch Einmauerung verdeckt war. Mehr von
ihr ist bei Montfaucon (s. Textabbild. Fig. 422" b) zu er-
kennen: es ist Mercur mit dem von dem Zeichner ver-
kannten Caduceus in der Rechten, der nach rechts weg-
schreitend mit umgewandtem Kopf den Protesilaus auffor-
dert ihm zu folgen; ohne Zweifel war der linke Arm zeigend
nach rechts ausgestreckt.

Aus der Mitte des zweiten Jahrhunderts.

423) S. Rom, Vatikan, Galleria deicandelabri. Fig. 423.
Fig. 423a. Fig. 423b. L. 2,05. H. 0,67 T. 0,70. Zeich-
nung von Eichler 1876.

Nach Sante Bartoli [Antichi sepolcliri 1704 zu tav. 54^.), zu
dessen Zeit sich der Sarkophag im Pal. Barberini befand, in der
unterirdischen Kammer eines zwei Miglien vor Porta S. Giovanni an
der Via Asinaria (gemeint ist die Via Appia nuovä] gelegenen Grab-
baus (s. Nr. 1 auf beistehender Abbildung nach Bartoli a. a. O.
tav. 54) gefunden. Da aber der Sarkophag bereits im Cohurgensis

sl/za/a, e sparauo Js//a fiArica Se/to/o-a^ L-/rtfaA*cedmj£ pianta- iS/axza jvMerrzuiea ruäa at&Je utjSt
juj&ra A/ifjsie. 2-S/anza a'/itan terrerro *cßtr?ua& st 3cc?tvi.i /a aif/>osi40/ic <& Sud'Jrnawui c£jfrcfa',

GRABBAU AN VIA APPIA NUOVA.

gezeichnet ist, müßte, wenn dieser Fundbericht auf wirklicher Tradition
und nicht auf bloßer Legende beruht, dieser Grabbau spätestens um
die Mitte des Cinquecento aufgedeckt worden sein. Einen authenti-
schen Bericht über seine Ausgrabung habe ich bis jetzt nicht ausfindig
machen können. In den erschienenen Bänden von LANCIANIS Storia
degli scavi di Roma wird sie nicht erwähnt. In den Vatikan ist der
Sarkophag bei der Gründung des Museo Pio-Clementino gekommen.

Alte Zeichnungen: COBURGENSIS Fol. 83 (213) Fig. 423'. Da-
nach PlGHiANUS Fol. 246 Nr. 210. — dal Pozzo Franks Fol. 82 die
rechte Schmalseite. — TOPHAMIANUS Eton Bn 9 (Miscellanea) Fol. 59:
losgerissenes Blatt aus einem Skizzenbuch, auf der Vorderseite 1. oben
die Seitenzahl 24, auf der Rückseite 1. oben „Feroni". Wenn dies,
wie es scheint, der Künstlername ist, so kommen in Betracht Lionardo
Ferroni IL Bigino aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und
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