Robert, Carl [Hrsg.]; Matz, Friedrich [Hrsg.]; Andreae, Bernard [Hrsg.]; Robert, Carl [Hrsg.]
Die antiken Sarkophagreliefs (3,3): Einzelmythen: Niobiden - Triptolemos ungedeutet — Berlin, 1919

Seite: 537
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TAFEL CXLIII 441 '—443

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di Roma II p. 3 ss. (Achill und Memnon); Fea Indicazione antiquaria etc.
1803 nr. 210; Urlichs Beschr. der Stadt Rom III 2, 1838, S. 469 f.;
Overbeck Bildw. zum thebischen und troischen Heldenkreis 185 7 S. 5 2 8;
Ampere Hist. de Rome III p, 443 «• 4; Morcelli-Fea-Visconti La
villa Albani ora Tortonia descritta 1869 p. 41 nr. 223; robert Ar-
chäologische Zeitung XLI 1883 S. 191 (Eteocles u. Polynices).

In der Mitte des Deckels Fig. 441 sprengen auf Zwei-
gespannen zwei gepanzerte Krieger aufeinander los, der
links in Vorder-, der rechts in Rückenansicht; beide tragen
Schilde, der rechts mit einem Gorgoneion; in seiner Rechten
ist auch noch der Speer erhalten; auch der links wird ohne
Zweifel einen solchen gehalten haben. Die Nabe beider
Wagen ist mit einem Löwenkopf verziert. In der Mitte
zwischen diesen beiden Kriegern steigt Tellus aus dem
Boden auf. Sie trägt einen gegürteten, ärmellosen Peplos
und einen bogenförmig über dem Haupte gewölbten Mantel.
Die Unterarme sind richtig erhoben ergänzt. Links von
dieser Mittelgruppe ein auf den Rücken gestürzter Krieger
in Panzer und Mantel; in der jetzt ergänzten Rechten wird
er ohne Zweifel eine Waffe gehalten haben. Über ihn hin-
weg sprengt ein gepanzerter Reiter dem Wagenkämpfer
nach; sein Panzer ist mit einem Gorgoneion geschmückt.
Dann weiter links ein ruhig dastehender gepanzerter Krie-
ger mit einem Mantel über dem linken Arm; der ganze
Oberkörper mit dem oberen Teil des linken Armes ist er-
gänzt. Rechts von der Mittelgruppe ein ruhig dastehender
Krieger, der mit der Rechten ein Pferd am Zügel führt und
in der Linken eine Lanze hält. Er trägt gleichfalls einen
mit dem Gorgoneion geschmückten Panzer und über dem
linken Arm einen Mantel. Hinter ihm auf einem sich bäu-
menden Roß ein Krieger in Helm, Panzer und Schild; die
undeutliche Masse hinter seiner rechten Schulter könnte
der zurückgewandte Kopf seines scheuenden Pferdes sein.
Weiter rechts ein auf den Rücken gestürzter Krieger mit
Panzer und Schild. Der rechte Unterarm ist ergänzt, aber
die Hand mit dem kurzen Schwert antik. Über seinem
Schild ist das rechte Vorderbein und auf seiner Brust der
linke Huf eines nach links galoppierenden Pferdes erhalten.
Alles übrige ist ergänzt, auch die Figur an der rechten
Ecke. Es war also hier eine ähnliche Gruppe angebracht,
wie auf der linken Seite unmittelbar hinter dem Wagen-
kämpfer.

Das Aufsteigen der entsetzten Tellus läßt darauf schlie-
ßen, daß es sich um einen besonders aufregenden und un-
gewöhnlichen Zweikampf handelt. Diesem Gesichtspunkte
werden weder die Deutungen auf Achilles und Memnon
oder auf Hector und Patroclus noch die von mir früher
vorgeschlagene auf das thebanische Brüderpaar gerecht, zu-
mal keiner dieser Zweikämpfe vom Wagen aus stattfindet.
In dieser Beziehung würde die Darstellung auf den Zwei-
kampf zwischen Ares und Diomedes im E der Ilias V. 835 ff.
passen, und die Ungeheuerlichkeit, daß dabei ein Sterb-

licher den Kriegsgott besiegt, wäre wohlgeeignet, die Erd-
o-öttin aus ihrer Ruhe aufzuschrecken. Aber wenn man
auch das Fehlen der Athene auf dem Wagen des Diome-
des aus Gründen der Symmetrie entschuldigen wollte, so
blieben doch bei dieser Deutung der Altar mit der Krieger-
leiche davor, der sich auf der Replik 442 findet, unerklärt.

442 D.F. Berlin, Museum. Fig. 442. L. 0,95.
H. 0,30. Rh. 0,04. Zeichnung von Eichler 1877.

Im Jahre 1864 in Neapel erworben.

Abbildung: Beschreibung der antiken Skulpturen der Königl.
Museen zu Berlin 1891 S. 347.

Literatur: Helbig Bidlettino delC Instituto 1864 p. 253, 2;
K. Bötticher Nachtrag zum Verzeichnis der Bildhauerwerke 1867 S. 5
Nr. 870; Robert Archäologische Zeitung XLI 1883 S. 191; Beschrei-
bung der antiken Skulpturen S. 346 f. Nr. 867.

Das Fragment Fig. 442 stammt von einer Replik von
441. Von der Mittelgruppe ist der nach rechts fahrende
Wagenkämpfer fast vollständig erhalten. Er trägt Helm
mit Busch und Backenklappen, Panzer und Stiefel; mit dem
linken Arm hebt er den Schild; von dem Speer, den er in
der Rechten hielt, ist auf der Brust ein Ansatz zu bemer-
ken. Von der Figur seines Gegners ist nur das Vorderteil
des Zweigespanns erhalten. Zwischen dem Gespann die
aufsteigende Tellus wie auf 441, jedoch lebhafter bewegt,
und mit nach links gewandtem Kopf. Rechts von ihr ein
auf dem Rücken liegender Toter, dessen linke Hand auf
der Brust ruht, während das rechte von einem Mantel be-
deckte Bein hochgezogen ist. Links die mit Gewand be-
deckten Beine eines gleichfalls auf dem Rücken liegenden
Toten, dessen Oberkörper hinter Tellus verschwindet. Hin-
ter dem Wagenkämpfer links ein nach links fortgaloppieren-
der jugendlicher Reiter, in Helm und flatternder Chlamys
und mit einem Speer in der Linken. Sein Pferd wandte
den Kopf nach rechts zurück, und er faßt es, um seinen Hals
herum, beim Zügel. Dann ein Trompeter in geschürzter
Tunica, Mantel und Stiefeln; in der weit vorgestreckten Lin-
ken hält er die Trompete; die Rechte ruht am Hinterkopf.
Weiter links ein Eichbaum, davor ein brennender Altar und
vor diesem eine Felserhöhung, auf der mit weit zurück-
gesunkenem Kopfe ein jugendlicher Toter in Panzer und
Mantel liegt.

443) D.F. Rom, Lateran, an der Südwand des sie-
benten Zimmers. Fig. 443. L. 0,68. H. 0,30. Rh. 0,04.
Zeichnung von Eichler 1886.

Provenienz unbekannt.

Literatur: Benndorf und Schöne Die antiken Bildwerke des
Lateranensischen Museums 1867 S. 139 Nr. 220.

Das Fragment Fig. 443 ist das linke Ende eines Sar-
kophagdeckels. Links sitzt auf einem Steinsitz, vielleicht
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