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Die Bewegung: Zeitung d. dt. Studenten — 11.1943

Seite: 55
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Ausgabe Südwest

1M£

EINZELPREIS 11 PFENNIG / MÜNCHEN, SO.H»R! 1943 / 11. JAHRGANG / FOLGE«

Das Studium im totalen Krieg

Spanienreise
des Reichsstudentenführers

Reichsstudentenführer Gauleiter und Reichs-
statthalter Dr. Gustav Adolf Scheel führte,
wie auch bereits die deutsche Tagespresse be-
richtete, in dieser Zeit an der Spitze einer Ab-
ordnung der Reichsstudentenführung eine Reise
nach Spanien durch. In den Reihen der Abord-
nung der Reichsstudentenführung befanden sich
u. a. zwei studentische Ritterkreuzträger, die
auch unseren Lesern gut bekannt sind:
Oberleutnant R i n g 1 e r und Oberleutnant
Schmidt. Außerdem nahmen an der Reise
teil der bevollmächtigte Vertreter des Reichs-
studentenführers im Kriege, Reichsamtsleiter
Dr. Ulrich G m e 1 i n, der kommissarische Außen-
amtsleiter der Reichsstudentenführung, Dr.
Braune, und der gf. Leiter des Amtes Poli-
tische Erziehung, Dr. B ä ß 1 e r-

Die Reise dieser studentischen Abordnung
hat ihre Bedeutung weit über den Rahmen der
studentischen Arbeit hinaus. Bildet sie doch
einen sichtbaren Beweis vor der Weltöffent-
lichkeit dafür, daß Deutschland und Spanien in
der Gesamtheit ihrer Jugend, ihrer studenti-
schen Jugend, aber auch der ganzen Bevölke-
rung im Kampf gegen den Bolschewismus zu-
sammenstehen und nach diesen gemeinsamen
Kampfidealen ihre Gesamthaltung ausrichten.
Diese Bedeutung der Reise wurde dadurch un-
terstrichen, daß ReicLsstudentenfühior Di.
Scheel in Spanien Unterredungen mit dem spa-
nischen Außenminister General Graf Jor-
dans, dem spanischen Parteiminister A r -
lese, dem spanischen Jugendführer und der
spanischen Frauenfühierin hatte. Diese Unter-
redungen brachten eine Vertiefung der deutsch-
spanischen Freundschaft insgesamt.

Darüber hinaus zeigte aber auch die begei-
sterte und herzliche Anteilnahme der Bevöl-
kerung an dem Besuch der deutschen Ab-
ordnung, daß der Geist der deutsch-spanischen
Freundschaft tief in der gesamten spanischen
Bevölkerung wurzelt. Reichsstudentenführer Dr.
Scheel besichtigte und besuchte in Spanien
zahlreiche Einrichtungen von Partei und Staat,
vor allem auf dem Gebiete des Erziehungs-
wesens. So besuchte er u. a. die Universitäten
in Madrid, Barcelona und Sevilla, wo er An-
sprachen an die spanischen Professoren und
Studenten hielt, auf die ihm die Rektoren der
einzelnen Universitäten und Studentenvertreter
jn herzlichen Worten dankten und antworteten.

Reichsstudentenführer Dr. Scheel sprach
Während seines Aufenthaltes in Spanien außer-
dem über alle spanischen Sender zum spani-
schen Volk und betonte die Gemeinsamkeit
■und die Freundschaft, die Deutschland und
Spanien, vor allem die Studenten beider Na-
tionen miteinander verbindet.

Die deutsche Abordnung besuchte dann u. a.
'das spanische Kulturinstitut in Madrid, das dem
Reichsstudentenführer zugleich in seiner Eigen-
schaft als Präsident des Deutsch-Akademischen
Austauschdienstes einen Empfang gab. Neben
dem deutschen Botschafter von Moltke
waren zahlreiche Vertreter der spanischen und
der deutschen Wissenschaft anwesend.

Zum Abschluß der bedeutsamen Reise fand
zwischen dem spanischen Studentenführer
Nationalrat Guitarte und dem Reichsstudenten'
führer Dr. Scheel eine eingehende Arbeitsbe-
sprechung statt. Sie war getragen vom Geiste
der seit langem bestehenden Freundschaft
zwischen den Studenten beider Nationen. Für
alle Gebiete des studentischen und kulturellen
Lebens wurden weitgehende Abmachungen ge-
troffen, die die seit langem bestehende kame-
radschaftliche Zusammenarbeit erweitern und
vertiefen. So wurde u. a. ein großzügiger
Presseaustausch zwischen dem deutschen und
spanischen Studententum vereinoart. Außerdem
sollen in Zukunft in regelmäßigen Abständen ge-
meinsame deutsch-spanische, studentische Ar-
beitsbesprechungen über politische und stu-
dentische Fragen abwechselnd in Deutschland
und in Spanien stattfinden. Ferner wurde ein
großzügiger kultureller Austausch auf allen
Gebieten der wissenschaftlichen und kulturel-
len Arbeit verabredet. Auch die Frage eines
verstärkten Stipendienaustausches wird in An-
griff genommen werden.

Die spanische Tagespresse, voran die große
Madrider Presse, wie etwa „Arriva" und „ABC"
brachten seitenlange Berichte auf den Titels
blättern über den Besuch Dr. Scheels. Auch in
diesen Berichten kam die Freundschaft Spa-
niens zum nationalsozialistischen Deutschland
beredt zum Ausdruck.

Reichsstudentenführer Gauleiter und Reichsstatthalter Dr. G. A. Scheel und sein be-
vollmächtigter Vertreter im Kriege, Reichsamtsleiter Dr. Ulrich Gmelin, besichtigten
mit einer Abordnung der Reichsstudentenführung studentische Einrichtungen in Spanien.
Auf ihrer Reise begleitete sie der spanische Studentenführer Nationalrat Dr. Jose Miguel
Guitarte (auf unserem Bild in der Mitte), der als Angehöriger der „Blauen Divison"
auch in Deutschland nicht mehr unbekannt ist. '

Au&tui

des Rä&s$tudetdek0tm$

Deutsche Studenten und Studentinnen! -x '

In entscheidender Stunde unseres Volkes hat die Führung des Reiches be-
stimmt, daß auch im totalen Krieg das Studium an den deutschen Hochschulen
weitergeführt wird. Durch diese Maßnahme wird der Nachwuchs für kriegs-
und volkswichtige Aufgaben bereitgestellt. Die Entscheidung beweist das große
Vertrauen der Führung unseres Reiches in das deutsche Studententum. Ich weiß,
daß Deutschlands Studenten und Studentinnen sich dieses großen Vertrauens
würdig erweisen werden.

Führung und Volk, unsere Soldaten, nicht zuletzt unsere Frontstudenten, er-
warten jedoch von uns besondere zusätzliche Leistungen. Ich habe daher als
Reichsstudentenführer in Eurem Namen die Verantwortung übernommen, daß
Deutschlands Studenten und Studentinnen neben dem Studium im Semester und
in den Ferien alle ihre Kraft dem totalen Krieg zur Verfügung stellen.

Hochschule und Studententum haben gemeinsam den Auftrag erhalten, dafür
Sorge zu tragen, daß künftig nur diejenigen studieren, die ihrer Berufsausbildung
mit Ernst und Hingabe nachgehen und in Haltung und Leistung Vorbild sind.
Die ungeheuren Leistungen der deutschen Wehrmacht, die soldatische Tradition
des Studententums und das Ansehen der Hochschule verlangen einen strengen
Maßstab. »

Studenten und Studentinnen!
Wir werden das große Vertrauen rechtfertigen. Wir werden den jetzigen und
späteren Generationen ein Beispiel von Fleiß, Hingabe und Begeisterung für die
nationalsozialistische Bewegung und das Großdeutsche Reich geben.

Der Führer wird sich in den
seines Volkes auf uns Studenten
verlassen können.

Heil unserem Führer!

Schicksalsstunden
und Studentinnen

Ralchntuaenfenführer
Gaulalter und Reichstatthalter

Möglichkeiten des Krieges

Von Robert Krötz

Es ist eine alte'Beobachtung, daß der Krieg
wie ein Fieber dqn Organismus der Völker be-
fällt, die natürlichen Reaktionen des mensch-
lichen Lebens beschleunigt und den Fortschritt
des zivilisatorischen Geistes, zusammenge-
drängt in den schmalen Sektor der technischen
und wirtschaftlichen Notwendigkeiten zu einem
Wettlauf der Kräfte übersteigert. Jede neue
Waffe erzwingt von der Gegenseite die über-
legene Abwehr. Fehlende Rohstoffe verlangen
drängend die Kompensation aus dem Ersatz.
Vom Stickstoff aus der Luft bis zu den Gum-
mireifen und Treibölen aus Kohle reicht die
breite Skala der Erfindungen, die im Schatten
des Krieges schneller herangereift sind als die
stillen Leistungen des friedlichen Lebens. Mit
den Grenzpfählen der Staatsräume fallen im
Kriege die meisten Hemmnisse jener verbind-
lichen Ordnungen, die der friedlichen Vitali-
tät den Weg vorschreiben. Im Kriege ist das
gut, was weiter hilft, stärker macht und den
Vorsprung sichert im Wettstreit der ungebun-
denen Energien.

Auch die Geschichtsbilder und das Schema
des kleinen, des bürgerlichen Lebens wandeln
sich unter den dröhnenden Schlägen der
Schlachten. Aus Notlösungen können über
Nacht kühne Konzepte werden, an die in ruhi-
gen Zeiten nicht zu denken war. .

Verflogener Spuk

Oder ist das neue Europa nicht ein Kind
dieses Krieges, eine Möglichkeit, die in dem
1 gefährlichen Klima einer tödlichen Bedrohung
des gesamten Abendlandes herangereift ist?
Auf einmal ist der ganze kleinräumige, sicher-
heitshysterische Spuk der alten Versailler
Pläneschmiede verflogen. Wer spricht heute,
angesichts der bolschewistischen Gefahr, noch
von der kleinen Entente, von Tardieus Donau-
Europa, vom zwischeneuropäischen Korridor
und ähnlichen Konstruktionen, die nicht mo-
derner waren als der Geist Richelieus, der sie
im Grunde diktierte.

Wenn man heute von einem größeren Eu-
ropa spricht, das zwischen Kardien und dem
Kaukasus auf dem Ambos des Krieges gehärtet
wird, dann sollte man, wenn man nicht mit
einem Schlagwort sich begnügen mag, jene
revolutionäre Kraft verspüren, die im Begriff
ist, das Gesicht der alten Welt neu zu prägen.
Und man müßte sich, jeder einzelne für sich,
als Hefekörnchen dieses Prozesses empfinden,
der endlich, nach einem zweitausendjährigen
Anlauf, in den großzügigen Maßstäben des
20. Jahrhunderts die Lösung der europäischen
Frage einleitet. Wir wissen genau, daß es
schwer sein wird, die vom Rost des Chauvinis-
mus zerfressenen Scharniere des völkischen
Selbstbewußtseins wieder beweglich zu machen.
Man wird lernen müssen, anders zu denken, um
zu begreifen, daß die europäische Einheit nicht
zugleich das Grab der Völkerindividualitäten
ist. Kein Volk, dem seine geschichtliche Sen-
dung zugleich einen europäischen Auftrag ins
Programm geschrieben hat, wird von einer
volkspersöhlichen Mitarbeit ausgeschlossen
sein. Es wird Skandinavier geben und Flamen
und Wallonen, Franzosen, Italiener und Deut-
sche. Aber sie alle werden lernen müssen, Eu-
ropäer zu sein. Viele von ihnen sind es bis
heute nicht. Die einen gehen im englischen Ge-
schirr. Andere ummauern sich mit der fiktiven
Unantastbarkeit ihres Neutralitätsgefühls. Viele
Großmächte denken sich eine mögliche Lösung
ausschließlich mit einem, also ihrem nationalen
Vorzeichen versehen. Nach den Kriegen fürch-
tete man die Revolutionen und restaurierte —
jeweils auf Kosten der Unterlegenen. Lachende
Dritte blieben die Gegner draußen, die sich im
Laufe der Jahrhunderte daran gewöhnt hatten,
Europa wie Indien oder China zu behandeln.

Man kann sagen, daß der Krieg im großen
die Voraussetzungen für die europäische Syn- >
these geschaffen hat. Zusammenwachsen muß
der Kontinent aber in den Herzen der einzelnen
Menschen. Hier liegt die Aufgabe. Sie ist,
was uns Deutsche betrifft, all den anderen Ob-
liegenheiten eng verwandt, die uns der Krieg
überall dort aufzwingt, wo er sich in die pri-
vate Sphäre drängt. Müssen wir nicht, wenn
wir nachts in den Luftschutzkeller gehen, wenn
wir dienstverpflichtet werden, wenn wir das
geliebte Normalmaß zugunsten der totalen
Kraftanstrengung über Bord werfen, vieles von
dem vergessen, was uns die Jahrhunderte an-
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