Die Bewegung: Zeitung d. dt. Studenten — 11.1943

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Ausgabe Südwest

INIELPREIS 15 PFENNIG / MÜNCHEN, 3. APRIL 1943 / 11. JAHRGANG / FOLGE 7

Die politische Erziehung

Der „Jttngling"
von Meister Graevenitz

Von Prof. Dr. Otto Kletzl,
Direktor des Kunstwissenschaftlichen Instituts
der Reichsuniversität Posen

Mit diesem Werk, welches fortan, auf seine
Weise beredt, im Alltag und bei den Feiern der
Reichsuniversität Posen auf uns wirken wird,
empfingen wir das erste künstlerische Sinn-
bild unserer akademischen Gemeinschaft. Seit
jeher fühlte sich jede wahre Gemeinschaft ge-
drängt, sich selbst und anderen, der Mit- und
Nachwelt ihr Wesen so geläutert darzustellen.
So können wir auch aus dem Erbe an deutscher
Kunst, das wir verwalten dürfen, eine bedeu-
tende Reihe von Werken aufrufen, die als
solche Sinnbilder des Gemeinschaftsbewußt-
seins der Vorfahren aufgefaßt werden müssen;
die uns demnach den Wandel und das Wesen
dieses Bewußtseins mit genialischer Deutlich-
keit offenbaren. So wie der strenge Adel stau-
fischen Führertums im Reiter des Bamberger
Domes, die gotisch glühende Hingabe an die
Pflichten eines wehrhaften Daseins durch den
Georg des Meisters Notke in Lübeck und das
Erlebnis des mit leidenschaftlicher Unmittel-
barkeit sich verbündenden Lebens der Refor-
mationsepoche durch Albrecht Dürers große
Aposteltafel über den Abgrund der Zeiten hin-
weg lebendig auf unseren Lebenstag w:rken,
so wird auch die großartige Erneueruiig des
nationalen Gemeinschaftsbewußtseins unserer
Zeit einmal durch die künstlerische Über-
redungsgewalt jener Sinnbilder unmittelbar
weiterwirken, die wir solchem Bewußtsein zu
errichten imstande gewesen sind.

So unmittelbar aus dem neu vertieften und
ungemein lebendig gewordenen Bewußtsein
heraus geborene Werke wie der „J ü n g 1 i n g"
des Bildhauers Fritz von Graevenitz
werden sicher einmal diesen repräsentativen
Sinnbildern angereiht werden. Bedenken wir das
Phänomen ihrer Entstehung recht, so müssen
wir sogar zu der Uberzeugung gelangen, daß
diese Werke das Gemeinschaftsbewußtsein un-
serer Nation in all seinen Wandlungen recht
eigentlich mit bewirkt, ja mit geschaffen ha-
ben. Werke solcher Art sind demnach als Vor-
bildet zu erkennen, die, mit genialischer Über-
zeugungskraft wirkend, das neu entstehende
Bewußtsein von der unauflöslichen Gemein-
schaft der Nation.sammelten und auch klärten,
indem sie es in Formen von hoher Art gössen.
Als Wegbereiter der stets sich erneuernden
Wesenseinheit des Volkes, als sein Erzieher in
des Wortes schönster Bedeutung erscheinen
so die Schöpfer all dieser aus tiefem Verständ-
nis der eigenen Art und Sehnsucht, aus der
Ahnung von zukunftsträchtigen Möglichkeiten
derselben geborenen Werkt. Wir dürfen über-
zeugt sein, daß unsere Nachkommen einst den
„Jüngling" von Meister Graevenitz zu jenen
Bildwerken zählen werden, die das Bewußtsein
von nationalsozialistischer Volksgemeinschaft
mit heraufgeführt, ihm zu seiner unverlierbar
eigenen Prägung verholfen haben. Diese Vor-
bildbedeutung, diese Mitverantwortlichkeit an
solch neuem Bewußtsein eines unauflöslichen
Zusammengehörigkeitsgefühles wird der „Jüng-
ling" auch im Rahmen der jungen akademi-
schen Gemeinschaft bewahren, in die er nun
mit seinem Schwert hineinschreitet. Er wird
ihr, der eben erst und unter den Gesetzen einer
strengen Bewährungszeit sich Formenden, hel-
fen, sich selber zu finden, sich immer wieder
zu gemeinsamer Arbeit, an einem Zielbilde zu
vereinen, dessen Haltung aus wahrhaft voll-
kommenem Zusammenwirken von Leibes- und
Seelenkraft erwuchs.

1 Herab aus dem Geisterreiche der Kunst tritt
so diese adelige Gestalt mit leichtem und doch
sicherem Schritt in den Lebenstag einer jun-
gen, akademischen Gemeinschaft. Klare, ver-
antwortungsbewußte Entscheidungen hier von
jedem einzelnen verlangend, mit\ wägend, mit
prüfend vorgestreckter und geöffneter Hand;
stets bereit zugleich, sie zu erzwingen mit dem
scharfen und sauberen Schwerte seines Spann-
kräftigen, kämpferischen Willens. Solche Ent-
scheidung fordert uns eine Gestalt ab, die zu-
gleich im Begriffe ist, aus dem Zeitalter des
Jünglings in ' das des jungen Mannes einzu-
gehen. Deren Körper also, noch von dem Glanz
in Reinheit reif gewordener Jugend umstrahlt,
doch auch schon die Würde und Sicherheit des
Mannes offenbart. Mit nach innen gewandtem
Blick, der die über schwer schattenden Augen-
lidern dachartig steil vorgewölbte Stirn sehr

Der „Jüngling" von Fritz von Graevenitz

Diese Plastik, die auf der „Reichsausstellung junger Kunst" in Salzburg im Sommer 1942
größte Aufmerksamkeit gefunden hatte, ist inzwischen von der Reichsuniversitüt
Posen erworben worden und im Haupthaus der Universität zur Auistellung gelangt.

hervortreten läßt, auch die Vergeistigung des
Ausdrucks besonders begründend, stellt uns
diese in schlanken, fast zarten Gelenken sich
bewegende Gestalt einen rechten Geistkämpfer
vor; einen Kämpfer demnach, der das Gesetz
seines Handelns allein von seinem hochge-
muten Herzen und der gedankenstarken Kraft
seiner Seele empfängt. So erwachsene Tatbe-
reitschaft ist unbeirr- und unabdingbar. Sie
vermag denn auch das Ideal des aktiven und
des kontemplativen Lebens so überzeugend zu
vereinigen, daß Deutschlands junge Künstler
diesem Jüngling im Sommer 1942 die Ehren-
wache für die in diesem Kriege gefallenen Ka-
meraden vor ihrer großen Salzburger Ausstel-
lung anvertrauten. Damit hat die junge Kunst

unseres Reiches auch ein Bekenntnis zu dem
Meister abgelegt, dem wir dieses Bildwerk ver-
danken. Ein Bekenntnis zu dem Schwaben
Fritz von Graevenitz, in dessen Werk beste
Uberlieferungen der alten und reichen Kunst-
begabung seines Stammes wieder lebendig ge-
worden sind; ein Bekenntnis nun auch, von
uns, der Reichsuniversität des neuen deut-
schen Ostens zu einer künstlerischen Gesin-
nung, die stammliche Sonderart mit großdeut-
scher Verantwortlichkeit darum so bedeutend
zu vereinigen verstand, weil sie über Heimat-
und Stammesbindungen zu den allumfassenden,
den mütterlichen Formkräften der in wehr-
haft jugendlicher Spannkraft neu erstehenden
Nation zurückfand.

Deutsch-italienische
Arbeitstagung der RSF. in Salzburg

In diesen Tagen fand in Salzburg eine
deutsch-italienische Arbeits-
tagung der Reichsstudentenfürn
rung statt. Die Tagung war eine Arbeits-
tagung in Fortsetzung der bisher schon stattge-
fundenen deutsch-italienischen Arbeitsbespre-
chungen, über die wii an dieser Stelle laufend
berichtet haben. Die letzte dieser Arbeitstagun-
gen fand im Herbst des vergangenen Jahres iri
Venedig statt.

Das Thema der Salzburger Arbeitstagung war
einer der wichtigsten und zentralen Fragen der
studentischen Arbeit gewidmet. Die Tagung
stand nämlich unter dem Thema: „Die poli-
tische Erziehun g."

Reichsstudentenführer, Gauleiter und Reichs-
statthalter Dr. Gustav Adolf Scheel begrüßte
selbst die zehnköpfige italienische Abordnung
des faschistischen Studententums, die von Dn
Enzo P e z z a t o geführt wurde. In seiner Be-
grüßungs- und Eröffnungsansprache wies der
Reichsstudentenführer darauf hin, daß wir uns
in diesem Kriege alle zu bewähren haben. Die
beiden befreundeten Völker hatten eine unge-
heuere Revolution durchzumachen. Alle Werte
und alle Einrichtungen müßten in dieser Revo-
lution erneut ihre Bewährungsprobe bestehen.

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S^uru _,.t I L....U. i:s sei selbstvfcrstanai.tif; -- ;;örrri
hieran die Jugend einen ganz besonderen An-
teil haben muß. Der Jugend voran aber müsse
eine studentische Jugend marschieren. Es sei
heute nicht mehr möglich, daß irgendeine Ar-
beit in akademischer Zurückgezogenheit begon-
nen werde, es sei vielmehr nötig, daß die Ju-
gend in vorderster Front steht. Der Reichs-
studentenführer gab dann seiner Freude darüber
Ausdruck, daß die Arbeit des italienischen Stu-
dententums und der Reichsstudentenführung in
besonderem Maße diesem Ziele dient. Der Ar-
beitstagung gab er seine besonderen Wünsche
mit auf den Weg. Kurz antwortete auf diese
Begrüßungsansprache der Führer der italieni-^
sehen studentischen Abordnung, Dr. Enzo Pez-
zato. Dr. Pezzato überbrachte die Grüße des
italienischen Studentenführers Antonio d' E s t e.
Er betonte, daß die faschistischen Studenten mit
demselben heißen Willem zur Arbeit jetzt nach
Deutschland gekommen seien, mit dem sie ge-
kämpft hatten: für die Zukunft ihres Volkes
und für die Zukunft des neuen Europas.

Der Typ des politischen Führers

Das erste grundsätzliche Referat der Arbeits-
tagung hielt dann ^-Brigadeführer Dr. Stell-
recht über das Thema „Der Typ de« politi-
schen Führers". Wir werden dieses Referat in
der „Bewegung" veröffentlichen.

Das Gegenreferat hierzu hielt Dr. Renato
F e r r a f i n o. Er wies besonders darauf hin,
daß nach faschistischer Auffassung der politi-
sche Führer ein Apostel des Glaubens an sein
■ Volk und seinen Führer sein muß. Deshalb un-
terscheide sich der politische Führer besonders
vom Bürokraten. Auch auf dieses Referat wer-
den wir noch eingehend zu sprechen kommen.

Parteigenosse Dr. W a i d e 1 i c h vom Lange-
marck-Studium der Reichsstudentenführung
snrach dann über das Problem der Auslese.
Dieses ausgezeichnete und grundsätzliche Re-
ferat, das sich mit den wichtigsten Fragen un-
serer Arbeit, befaßt, wird ebenfa/!s in der „Be-
wegung" vollständig veröffentlicht werden.

über das gleiche Thema sprach als Faschist
und Italiener Dr. Enzo Pezzato. Er stellte
fest, daß Schule und Leben dazu bestimmt sind,
die Beweise der natürlichen Fähigkeiten zu lie-
fern und die Grundlagen der besonders verlang-
ten Kenntnisse zu geben.

Gaustudentenführer Dr. Julius Doerfler,
München, sprach dann über die Technik der
Ausbildung des politischen Führernachwuchses
in konkreten Einzelbeispielen. Dasselbe italie»
nische Referat hielt Dr. Sergio Ferranini.

Zum Abschluß der Arbeitstagung wurde das
Thema der „Führerauslese" im Gegensatz zur
kapitalistisch-bolschewistischen Elitebildung be-
handelt. Auf diese beiden wichtigen Schluß-
referate werden wir ebenfalls noch zurück- -
kommen.

Die Schlußworte der Arbeitstagung, die
gleichzeitig eine fruchtbare Aussprache brachte,
sprach wieder Reichsstudentenführer Dr.
Scheel.
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