Die Bewegung: Zeitung d. dt. Studenten — 11.1943

Seite: 120
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AUS UNSERER ARBEIT

Niederdeutscher Morgen

Im Juli hatte die Gaustudentenführung Süd-
Hannover-Braunschweig zu einer Morgenfeier,
für ihre Versehrten Kameraden eingeladen, die
unter Witwirkung von Vertretern niedersächsi-
scher Hoch- und Fachschulen im kleinen Saal
des alten Rathauses Hannover stattfand. Im
Mittelpunkt der Veranstaltung standen Aus-
führungen des Hamburger Dichters Rudolf
Kinau, der in freiem Vortrag aus seinem
Buche „Ein fröhlich Herz" erzählte.

Die Gemeinschaft der Menschen am Deich
gab seinen Worten den Rahmen, ihr Geist
unserem täglichen Leben das Vorbild. Aus all
ihrem Tun sprach der fröhliche Sinn, der sei-
nen schönsten Ausdruck darin findet, dem an-
deren zu helfen. Mit einem Gedenken an
seinen großen Bruder Gorch Fock schloß Ru-
dolf Kinau.

Die Morgenfeier war Auftakt zu einer Veran-
staltungsreihe der Gaustudentenführung für die
Versehrten Studenten ihres Gaues. Meier

Deutsch-japanischer Abend

Im Rahmen der politischen Erziehungsarbeit,
wie sie im Laufe der Semester in den Kamerad-
schaften des NSD.-Studentenbundes gepflegt
wird, sprach auf Einladung der Kameradschaft
„Carl Peters" (Wirtschaftshochschule Berlin)
der Leiter des Japan-Instituts Berlin und
ordentl. Professor an der Universität Marburg
Junyu Kitayama vor einem kleinen Kreis
geladener Gäste über das Thema „Der heutige
Stand der japanischen Kultur".

ftrof. Kitayama ließi mit wohlklingender Ak-
zentuierung der deutschen Sprache das leben-
dige Bild japanischer Geisteshaltung und japa-
nischen Wesens vor seinen Zuhörern erstehen,
das diesen nun* selten in solcher Eindringlich-
keit und Klarheit dargeboten werden dürfte.
In dem ersten Teil des Vortrages -wurde an
Hand statistischer ' Unterlagen der heutige
Stand des japanischen Bildungswesens in all
seinen Teilgebieten aufgezeigt, wobei beson-
ders die Zahlen über die Höhe der japanischen
Buchproduktion und die Rangfolge der gekauf-
ten Bücher überraschten. An der Spitze aller
literarischen Zweige steht die Produktion und
der Verkauf von Büchern über Erziehungsfra-
gen. Das Erziehungsproblem spielt im Leben
der Japaner eine sehr große Rolle, wie Pro-
fessor Kitayama im zweiten Teil seiner Aus-
führungen erklärte, denn die Hinführung des
Japaners zum ethisch und moralisch vollkom-
menen Menschen ist die wesentlichste Forde-
rung, die die japanische Tradition und Geistes-
anschauung den jeweils lebenden Generationen
aufträgt.

Die Worte Prof. Kitayamas hinterließen bei
allen Zuhörern einen nachhaltigen Eindruck,
wie dies in dem anschließenden zwanglosen
Beisammensein nochmals zum Ausdruck kam.
— Helhz-Peter Gosse

Kulturelle Betreuung der im Kriegs-
einsatz stehenden Studierenden

Das Kulturamt der Gaustudentenführung Kur-
h e s s e n veranstaltet in den Monaten August-
November mehrere Konzerte für die in Mär-
burg eingesetzten Studierenden. Die erste Ver-
anstaltung dieser Art findet Ende August statt.

Bruno Brehm vor Prager Studenten

Uberall um uns ist Geschichte lebendig, sie
steht nicht nur in toten Buchstaben auf den
Seiten schwerer Bücher, nein, sie blickt uns
immer da an, wo wir wachen Auges hin-
schauen. Vor allem aber sind es die Bauwerke,
die als die sichtbarsten Zeugen einer reichen
Vergangenheit unsere Gegenwart teilen. Das
Wissen darum sollen wir auch immer in uns
tragen und unseren Blick für jene lebendige
Geschichte schärfen, damit wir ihre kräftige
Sprache in un«ere Zeit übersetzen können,
wo sie uns eine starke Hilfe für Haltung und
Klarheit sein wird, die im Leben der Völker
und' auch des einzelnen zwingende Notwendig-
keiten sind.

Dieser Gedanke klang auch in den Worten
Bruno Brehms, die er im Rahmen einer
• Feierstunde des NSDStB. im Festsaal des Deut-
schen Hauses sprach, wo sich neben führenden
Vertretern von Partei, Staat und Wehrmacht
und den Professoren der Deutschen Karls-
Universität und der Deutschen Technischen
Hochschule Prag viele Prager Studenten einge-
funden hatten, um den Dichter zu hören, mit
dem gerade sie so vieles verbindet.

Nach einer musikalischen Einleitung und
einer kurzen Begrüßung durch Gaustudenten-
führer Kiesel, -sprach Brehm von dem
Reichsstil deutscher Kunst und dem Stil deut-
schen Herrentums. Ausgehend von einer Volks-
deutschen Stadt, in deren Mauern deutlich
und sichtbar die große Heimat lebte, verwies
er auf die Zeit, in der die romanischen Dome
und Pfalzen bis weit hinunter in das südliche
Italien deutschen Reichsstil verkörperten und
auf- jene, in der Ludwig XfV., von vielen Gro-
ßen bewundert, «ein Sonnenkönigtum lebte,
während auf dem deutschen Kaiserthron
Leopold I. mit «einem großen Feldherrn, dem
PrinzAi Eugen, mit weniger äußerem Glanz
unvergängliche deutsche Geschichte schufen.
Die Elemente des französischen und italieni-
schen Barock aber hat der Grazer Fischer von
Erlach zu einem deutschen Reichsstil zusam-
mengefaßt.

Der Dichter sprach auch davon, daß Stile
niemals erfunden werden können, "sondern
stets wachsen müssen, und daß 6ie immer dem
etwas zu sa,gen haben, der selbst zu ihnen ge-
hört, dem ihr Ausdruck im Blut liegt. Das
Deutsehe, die Heimat aber wird man überall
da spüren, wo jener Atem lebt, der auch um
die großen deutschen Dome, Burgen und

Seite 8 / Die Bewegung / Ende August 1943

Schlösser ist, der uns den Reichsstil verkündet,
auch außerhalb der Grenzen des Reiches. Un-
sere Vergangenheit und unsere Geschichte
sind groß und verpflichten. Bruno Brehm schloß
mit den Worten: „Wir verschleudern ein gro-
ßes Erbe, wenn wir nicht alles, was wir wissen
und haben, dem werdenden Reiche zur Ver-
fügung stellen." Annemarie Grumbl

Musik im Sommersemester 1943

Das Kulturamt der Gaustudentenführung Kur-
hessen in Marburg/Lahn veranstaltete im
Sommersemester 1943 ■ vier Musikäbende für
die Studierenden der Philipps-Universität. Im
Mai gab der Dortmunder Dichterkomponist
Dr. B. Z e 11 e r einen Ausschnitt aus seinem
Schaffen. Als Solistin wirkte Lili Erlenwein
mit, die sich in überzeugender Gestaltungsart
der Lieder des Meisters annahm. Zu Ehren
"Edvard Griegs fand im Juni eine dem Kom-
ponisten gewidmete Feierstunde •statt, zu der
das Lenzewski-Quartett Frankfurt verpflichtet
werden konnte. Zur Aufführung gelangten an
diesem Abend, betitelt „Nordische Kammer-
musik", das Streichquartett d-moll von Jean
Sibeliüs, die Violinsonate G-dur op. 13
und das Streichquartett g-moll op. 27 von
iTGTieg. Solist des Abends war Gustav Len-
zewski, Violine,' am Flügel begleitet von
M. D. Wagner. Im Juli startete die Gau-
studentenführung Kurhessen mit einer neuen
Veranstaltungsreihe, betitelt „Beschwingte Mu-
sik", die in jedem Semester einmal zu Wort
kommen soll. Die Vortragsfolge begann mit
R e g e r s Streichtrio a-moll op., 7? b. Höhe-
punkt des Abends wurde das Klavierquintett
A-dur op. 81 von D v o r a k. Nach Hugo
Wolfs „Italienischer Serenade" beschloß Mo-
zarts Streichquartett D-dur K.-V. 499 die musi-
kalischen Kostbarkeiten. In Verbindung mit
dem musikwissenschaftlichen Seminar gelängte
als Semesterschlußveranstaltung A-cappella-
Musik der Spätgotik und Renaissance zur Auf-
führung. J o s q u i n s Motette '„Veni Sancte
Spiritus" bildete zweifellos den Höhepunkt.
Zwei Madrigale von Monteverdi, deutsche Lied-
sätze von Hasler, Lechner, Isaak und Langenau
und drei Madrigale von Orlando di Lasso gaben
Zeugnis von der Arbeit des Collegium Musicum
Vocale. Richerd Schaal

Gründung der Deutsch-Ausländischen
Akademiker-Vereinigung zu Jena

Anfang Juli fand in dem festlich geschmück-
ten Saal des Studentenhauses in Jena die Grün-
dung der Deutsch-Ausländischen Akaderrpker-
Vereinigung statt. Die Teilnehmer rekrutierten
sich zum größten Teii aus interessierten Studen-
tinnen und Studenten, sämtlichen in Jena Stu-
dierenden des Auslandes, dem Eucken-Haus
. nahestehenden Persönlichkeiten und den Pro-
fessoren der Universität.

Nach der Totenehrung begrüßte der Leiter
des Außenamtes der Studentenführung der Uni-
versität Jena cand. med. Lothar Pickenhain
mit herzlichen Worten die Anwesenden und
machte sodann in kurzen Worten mit den Zie-
len und Aufgaben der Vereinigung bekannt.
Hiernach sei geplant, die kulturellen und
freundschaftlichen Be-
ziehungen, die uns mit
den meisten Regierun-
gen der europäischen
Länder verbinden, nun
auch im einzelnen zu
vertiefen. Gerade die
Studentenschaft hätte
das feste unbeirrbare
Bestreben, mit der Tu-
gend der anderen Na-
tionen in Freundschaft
und Kulturaustausch
zu leben. Die Studen-
ten sollen sich unter-
einander näher ken-
nenlernen, persönliche
Beziehungen anknüpv
fen, und wir wollen
den Ausländern noch
mehr Gelegenheit ge-
ben, die deutsche Kul-
tur, das Wesen und
die Tiefe deutschen
Geistes und der Musik
sowie die Schönheiten
unseres herrlichen
Vaterlandes kennenzu-
lernen. Nach Ver-
lesung der Satzungen
der neuen Vereini-
gung, die allgemeinen
Anklang fanden, wurde
Staatsrat Professor Dr.
Karl A s t e 1 zum Eh-
renpräsidenten der
Vereinigung ernannt,
der in kurzen Worten
betonte, daß er die
Gründung dieser Ver-
einigung sehr begrüßt
habe: versicherte, sie.
in jeder Beziehung
fördern und unterstüt-
zen zu wollen und wo
er auch immer stehe,
' tatkräftig mitarbeiten
werde.

Nach den Wirten
des Ehrenpräsidenten

begann der Teil des Abends, den die von den
Berliner Hochschulen zu der .Feier nach Jena
gekommenen ungarischen Kameraden mit ihren
Darbietungen verschönten. Der Führer der in
Jena studierenden Ungarn, Nikolaus v. T a -
m ä s, begrüßte die Anwesenden. An Stelle des
verhinderten Dirigenten Dr. Stefan Aratö las
Herr v. Barabäs dessen Vortrag über die Ge-
schichte der ungarischen Musik vor. Er ließ es
dabei nicht bei den gesprochenen Wort bewen-

den, sondern dirigierte zwischendurch den klei-
nen Chor, der sehr geschickt mit kleinen Wei-
sen — Chorwerken und Volksliedern aus dem
16. bis 20. Jahrhundert — die Tonarten und die
Eigenheiten dieser Musik nahezubringen ver-
suchte. Großen Anklang fanden die von Niko-
laus v. N o v ä k vorgetragenen, sehr gut ins
Deutsche übersetzten ungarischen Gedichte.
Bewundernswert war, wie feinfühlig, sprachlich '
völlig einwandfrei und in zu Herzen gehender
Vortragsweise der Sprecher mit diesen Kostbar-
keiten der Dichtkunst vertraut machte. Ker-
nige und flotte Soldatenweisen, von dem Chor
mit Temperament gesungen, beschlossen die
mit großem Anklang und Verständnis aufge-
nommenen Darbietungen der ungarischen Ka-
meraden.

Bei dem sich anschließenden geselligen Bei-
sammensein hatte jeder der Anwesenden Ge-
legenheit, sich nun im einzelnen mit den Aus-
ländern über die gegenseitig interessierenden
Fragen zu unterhalten. An den eifrigen Ge-
sprächen und Debatten konnte man erkennen,
daß die Gründung der Deutsch-Ausländischen
Akademiker-Vereinigung zu Jena dem Wunsche
vieler deutscher und ausländischer Studenten
entsprach und entgegen kam, Der Abend war
ein voller Erfolg. Peter Große

Der moderne Krieg
als Lehrmeister der Hygiene

über dieses Thema sprach in der öffentlichen
Vortragsreihe „Das 19. Jahrhundert und wir"
im Juli der Direktor des Hygienischen In-
stitutes der Universität Marburg; Prof. Dr. P f a n-
nenstiel. Im Rahmen seiner Ausführungen
legte der Redner, ausgehend von der Aufgabe
der Gesundheitswissenschaft, nämlich der Ge-
sunderhaltung von Wehrmacht und Volk, Bei-
spiele aus dem modernen Krieg vor. Der Seu-
chenbekämpfung gilt die ganz besondere Auf-
merksamkeit der Hygiene. Diejenigen Seuchen,
die uns auch heute noch am meisten zu schaf-
fen machen, sind Fleckfieber und Ruhr. Bis
Kriegsausbruch ^war mit einem Auftreten grö-
ßerer Epidemien nicht zu rechnen. Eine Be-'
rührung mit dem Krankheitsstoff . fand aber
sofort - statt, als unsere Heere in feindlichem
Gebiet den Boden einer nicht vorbereiteten Ge-
sundheitspflege betraten und damit in Berüh-
rung mit den Krankheitserregern kamen. Der
Gefahr einer Einschleppung in das Reichs-
gebiet und der damit verbundenen Verseu-
chung großer Volkskreise wird heute durch
die Impfung entgegengetreten. Die Bedeutung
der Impfung gegen den Wundstarr-
krampf läßt sich ermessen, wenn man be-

denkt, daß wir bereits heute über Stoffe ver-
fügen, die dsn Soldaten wahrscheinlich
lebenslänglich gegen den Wundstarr-
krampf unempfänglich machen, wenn sie recht-
zeitig von ihm aufgenommen werden. Dieser
Krieg hat in der Darstellung von Impfstoffen
gegen Fleckfieber und gegen Ruhr wiederum
große Fortschritte gebracht. Prof. ,Pfannenstiel
ging nach Darstellung der Bekämpfungsmittel
von Tropenkrankheiten besonders ausführlich
auf - die Ernährungshygiene ein. Dieser für
unsere Wehrmacht so bedeutende Faktor hat
weiterhin Verbesserungen erfahren, die es ge-
statten, alle Nahrungsmittel ins Feindesland
zur Versorgung der dort stehenden Truppen
mitzunehmen. Die Konservierung der Lebens-
mittel ist Grundbedingung für ein solches
Unternehmen. Besonders brennend ist die
Frage der Trinkwasserversorgung der Truppen,
die heute durch die Erfindung des Heerestrink-
wassergerätes gelöst sein dürfte. Nach Betrach-
tung vieler Sonderaufgaben der Hygiene, die
u. a. eine neue Wissenschaft die Luftfahrt-
medizin entstehen ließen, ging der Vortra-
gende auf die Erkenntnis ein, die der moderne
Krieg nicht nur für unsere Wehrmacht, son-
dern auch iür unser ganzes Volk brachte. Die
gesundheitliche aber auch rassisch-erbbiolo-
gische Musterung ist 'im Laufe des Krieges aus-
gedehnt worden auf alle tüchtigen und begab-
ten Jugendlichen. Der Krieg zwingt uns dazu,
neben den militärischen Musterungen die
ganze deutsche Jugend' derartigen Eignungs-
prüfungen zu unterwerfen. Der moderne Krieg
bringt uns nicht zuletzt auch zum Bewußtsein,
wie entscheidend wichtig alle gesundheitlichen
Maßnahmen zur Wehrertüchtigung
Sind. Prof. Dr. Pfannenstiel führte zum Schluß
wörtlich aus: „Wenn wir unser deutsches Volk
gesund erhalten wollen, so dürfen wir nrns
■ ni c h t auf das Heilen der zahlreichen Wun-
den beschränken, die der Krieg uns schlägt
und noch schlagen wird, sondern müssen v e r-
hüten, was uns körperlich und seelisch krank
machen könnte und damit unserer Arbeit am
Wiederaufbau Deutschlands hinderlich wäre."

Jena gedachte Huttens

Aus Anlaß der 420. Wiederkehr de« Todes-
tages Ulrichs von Hutten (29. August 1523),
de« Ritters1, Dichters und Kämpfers für die Re-
formation, veranstalteten die Studentenfüh-
rung der Friedrich-Schiller-Universität Jena
und die Deutsche Heimatschule Jena im Kunst-
geschichtlichen Institut der Universität- eine
•würdige Feierstunde, in deren Mittelpunkt die
Dichtung „Huttens letzte Tage" von Conrad
Ferdinand Meyer stand., Das ergreifende Ge-
dicht, das Huttens mutigen Kampf und tra-
gisches Ende schildert, wurde von dem Stu-
denten Lutz Besch mit künstlerischem Aus-
druck gesprochen. Am Flügel saß der Student
Willi S p i e 1 m a n n, der die Lesung ■ durch
Bachsche Musik sinnvoll umrahmte. P. T.

Meisterschulen für das gestaltende Handwerk

Die treffend« neue Bezeichnung

Bereits vor Kriegsbeginn hatte die Sparte
Bilden und Bauen im Reichsberufswettkampf
der deutschen Studenten den offiziellen Namen
der damaligen „Meisterschulen des deutschen
Handwerks" für den studentischen Gebrauch
ersetzt durch die eindeutig-klare Bezeichnung

AHNENSCHREIN
Gemeinschaftsarbeit aui

MIT DOKUMENTENTRUHE UND SIPPENLEUCHTERN,
der Meislerschule für das gestaltende Handwerk, Hamburg.

„Meisterschulen des gestaltenden Handwerks".
Das Wesen der Bildungsanstalten, in denen auf
handwerklichem Gebiet künstlerische Leistun-
gen angestrebt werden, war so besser cha-
rakterisiert. Diese Schuleh bilden ja nicht etwa
Schornsteinfeger, Bäckermeister, Klempner-
meister oder Metzgermeister au«, sondern be-
fassen sich m^t der Entfaltung und Steigerung
der schöpferischen Kräfte derjenigen hand-
werklichen Arbeitsgebiete, die ausgesprochen

gestalterische Aufgaben zu erfüllen haben,
Meist handelt es sich dabei um den Nachwuchs
solcher Berufe, die zu Blütezeiten der Baukunst
in enger Werkgemeinschaft mit dem planen-
den Baumeister selbst ihre schönste Entfal-
tung gefunden hatten.

Buch- oder Gebrauchsgraphik und noch einige
'andere handwerkliche Berufszweige, die we-
niger an die Baugestaltung gebunden sind, ge-
hören dennoch zur gleichen Handwerksgruppe,
soweit in ihrem Bereich aus derselben Gesin-
nung ebenso werkgerecht und allein aus dem
Werkstoff heraus wahrhaft gestaltet wird, um
Arbeitsergebnisse von bleibendem Werte zu
zeitigen. Auch ihr Platz ist deshalb in den
Schulen des gestaltenden Handwerks, die im
Gegensatz zu den früheren „Kunstgewerbe-
schulen" nicht mehr ein auf dem Papier er-
dachtes, erkünsteltes „Kunstgewerbe", sondern
das echte meisterliche Werkstück zum Ziele
haben.

Das stolze Bekenntnis zur gediegenen hand-
werklichen Grundlage ist eine entscheidende
Errungenschaft der nationalsozialistischen bild-
nerischen Jugend. Sie verwahrt sich deshalb
verantwortungsbewußt gegen jeden geschäfts-
tüchtigen Wiederbelebungsversuch des abge-
wirtschafteten liberalen Kunstgewerbes unter
der Tarnbezeichnung „angewandte Kunst".
Die Jugend weiß, daß es kein Zufall war, wenn
sich gerade in der kunstgewerblichen Produk-
tion der Jude tonangebend breit gemacht
hatte. Um so mehr wird es von ihr und nicht
zuletzt von den im Felde stehenden Kame-
raden, die sich nach der Rückkehr .von den
Fronten dem handwerklich bildnerischen" Stu-
dium widmen wollen, begrüßt, daß nunmehr
das Reichsministerium für Wissenschaft, Er-
ziehung und Volksbildung den einschlägigen
Bildungsstätten die programmatische Bezeich-
nung. ,.Meisterschulen für das ge-
staltende Handwerk" zuerkannt hat.
Nicht anders stehen die jungen Architekten
und 'künftigen Baumeister, die dringend der
Mitarbeit des selbständig und selbstverantwort-
lich gestaltenden Handwerks bedürfen, um
ganzheitliche Werke schaffen zu können, zur
neuen Namensgebung für die grundlegenden
Bildungsstätten.

Was im Reichsberufswettkampf der deut-
schen Studenten angeregt worden war, bei der
Eröffnung der „Reichsausstellung junger Kunst"
der Reichsstudentenführung im Sommer 1942
offiziell wiederholt wurde und mit der Errich-
tung der Reichsfachgruppe „Bilden und Bauen"
für den studentischen Sektor durch Anordnung
des Reichsetudentenführers die amtliche An-
erkennung fand, ist nunmehr, zum Wohle des
. gestaltenden Handwerksschaffens für die ein-
schlägige ScKulgattung allgemein gültig ge-
worden. Neben den „Hochschulen für die bil-
denden Künste" werden künftig die für.alles
bildnerische Schaffen wesentlichen „Meister-
schulen für das gestaltende Handwerk" ihre

Entfaltung finden.

(

B.
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