Biller, Thomas  ; Burger, Daniel   [Mitarb.]
Die Wülzburg: Architekturgeschichte einer Renaissancefestung — München [u.a.], 1996

Seite: 213
DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/biller1996a/0270
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Eine Bestandsau fnahme der fast vollendeten Festung

213

jr

iJ

186. Ein Plan der Wolzburg, der die nahezu vollendete Festung darstellt, also in die Zeit um 1605 gehört. Als unvollendet werden auf die-
ser Federzeichnung noch die Plattform des »Kalten Ecks« und die rechte Face der »Roßmühle« dargestellt; auf der letzteren sind Schanz-
körbe angedeutet. Auch die fünfflügelige Planung des Schlosses ist noch verzeichnet. Im Hof ist der Kirchturm des ehemaligen Klosters
eingetragen, auf dem Glacis vor dem »Kalten Eck« (»Ettingisch Bolwerck« = d) ein kompliziert geformter Mauerzug, der vielleicht als
Zwingerrest des Klosters zu verstehen ist. Der Querschnitt durch eine Bastion, Graben und Glacis rechts ist nicht ganz realistisch, da das
Glacis nirgends so steil ist.
(StAN, Ansb., OA-Akten, Nr. 2052)

worten, ohne sich allzu großer Ungenauigkeit schuldig zu
machen: sie sah im wesentlichen schon so aus, wie wir sie
noch heute vorfinden.

Zur Veranschaulichung dieses Endzustandes kann eine
sehr sorgfältige Federzeichnung der Gesamtanlage die-
nen, die zusammen mit dem Berwartschen Briefkonzept
von 1602/03 archiviert wurde176 (Abb. 186). Die Argumen-
te, daß es sich dennoch nicht um den Plan handeln kann,
den Berwart selbst erwähnt, waren schon aufgeführt wor-
den - insbesondere spricht Berwart von eingezeichneten
Schußlinien, die hier jedoch fehlen (vgl. 3.9.).

Der auf diesem Plan dargestellte Zustand zeigt viel-
mehr ohne Zweifel, daß wir eine Bestandsaufnahme zu
einem noch späteren Zeitpunkt vor uns haben, als nur
noch ganz wenige Teile des Baues einer Vollendung
bedurften. In der Aufsicht erscheinen alle Bastionen
grundsätzlich schon im heutigen Zustand, d.h. mit jenen
Erdbrustwehren, um die es schon in dem Berwartschen
Brief von 1602/03 ging, und die wahrscheinlich auf das

Eingreifen Albrechts von Haberlandt zurückzuführen
sind (vgl. 3.9. und 3.13.). Nur die »Hauptwache« und die
»Jungfrau« sehen hier noch grundsätzlich anders aus als
heute: die erstere besitzt auf dem Plan noch die ursprüng-
lichen Flankenhöfe, die letztere hat auf der rechten Flan-
ke überhaupt noch keinen Flankenhof. Beides kann von
anderer Seite bestätigt werden: die ursprünglichen Flan-
kenhöfe des »Kalten Ecks« bestanden noch »1649«, wie
Merian zeigt (Abb. 189), und der rechte Flankenhof der
»Jungfrau« entstand nach einer Inschrift an seiner Rück-
wand in der Tat erst »1677«.

Die Hinweise auf noch ausstehende Bauarbeiten sind
demgegenüber sehr gering; am auffälligsten sind die
unvollendeten Brustwehren zweier Bastionen. Auf der
rechten Face der »Roßmühle« fehlen die Brustwehren
sowohl auf dem unteren Streifen der Plattform, als auch

176 StAN Ansb., OA-Akten, 2052.
loading ...