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Boehlau, Johannes  
Aus ionischen und italischen Nekropolen: Ausgrabungen und Untersuchungen zur Geschichte der nachmykenischen griechischen Kunst — Leipzig, 1898

Seite: 1
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BDWABD HABICH.

Für die Geschichte der griechischen Kunst vom Ende der mykenischen Periode
bis zum sechsten Jahrhundert v. Chr. hat uns das letzte Jahrzehnt in zahlreichen Vasen-
funden auf griechischem Boden wichtiges Material geschenkt. Dank dem planmäfsigen
Vorgehen der griechischen Ephorie der Altertümer sind besonders in Attika in den Fried-
höfen der Hauptstadt und der Komen viele Schätze gehoben worden, glückliche Ent-
deckungen in Boeotien, auf Aegina, bei Argos und Eretria kamen dazu, und so ist es
heute schon möglich, ein wenn nicht lückenloses so doch zusammenhängendes Bild von
der Entwicklung der attischen Keramik, Malerei und Ornamentik jener Jahrhunderte zu
entwerfen, und täglich wächst unsere Kenntnis von der Kunstübung in den Nachbarstaaten.

Aber der Schwerpunkt der Kunstgeschichte liegt für diese Zeit nicht in Attika,
nicht im griechischen Mutterlande. Vom Auftreten des Dipylonstils bis zum Beginne des
rotfigurigen Stils ist die Geschichte der attischen Malerei ein ständiges Aufnehmen und
Verarbeiten fremden Stoffes und fremder Formen. Gewifs ist die Quelle des stolzen
Stromes attischem Boden entsprungen, und nirgends in seinem Laufe verleugnet er den
attischen Ursprung, aber ebenso sicher ist, dafs zahlreiche mächtige Zuflüsse ihm neue
Nahrung zuführten. Deren Einmündungsstellen bezeichnen uns die Gruppen der früh-
attischen Vasen, der Netos- und Vurvavasen, der Francoisvase und der tyrrhenischen Am-
phoren, der signierten schwarzfigurigen Vasen des Exekias, Amasis und Nikosthenes. Ihre
Quellen kennen wir noch nicht, aber wir sehen, dafs sie vermittelt oder unvermittelt
alle von Osten herkommen, und ebendahin werden wir gewiesen, wo wir auch mit der
Untersuchung ansetzen, in Boeotien und Argos, in Korinth und Euboea.

Boehlau, Nekropolen. 1
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