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Boehlau, Johannes  
Aus ionischen und italischen Nekropolen: Ausgrabungen und Untersuchungen zur Geschichte der nachmykenischen griechischen Kunst — Leipzig, 1898

Seite: 125
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Dritter Abschnitt.
Schwarzfignrige und unbemalte Vasen ans der samischen Nekropole.

1. Kyrenäisches.

Es war wohl das überraschendste Resultat der Ausgrabung in der samischen
Nekropole, dafs kyrenäische Scherben zum Vorschein kamen, nach den naukratitischen
Funden die ersten auf griechischem Boden, und im Verhältnis zu den spärlichen Resten
schwarzfiguriger Vasen in erheblicher Anzahl. Sie wurden an drei Stellen gefunden. Der
Aryballos T. IV. 4 lag in einem Grabe (Grab 40 S. 44), eine Scherbe im Schutte, das
Übrige lieferte die grofse Opferschicht am Grabbau (S. 48), verbogen, zerbrochen, ver-
brannt, dafs grade noch die Form einiger Gefäfse und die notdürftigen Umrisse ihrer
Verzierungen sich erkennen liefsen, und auch diese erst nach langem Beobachten. Es
wird dadurch notwendig, die Zuteilung der einzelnen Stücke an die kyrenäische Klasse
eingehender zu begründen; gleichzeitig erfordern die Darstellungen auf den Resten der
beiden Schalen ihre Erklärung.

1) T. X. 7 Kelch mit niedrigem, breit ausladenden Fufse 15 cm hoch. Der mit
Punkten durchsetzte Strahlenkranz der Lippe (vgl. Arch. Zeit. 1881 t. 10. 1, 11.1. 2 und
eine Schale des Kasseler Museums), der Blattkranz am Halse (Arch. Zeit. 1881 t. 10. 2
und die Nymphenschale T. XI), sprechen für die Zuteilung an eine kyrenäische Fabrik.
Auch die Verzierung mit Systemen in Stärke und Farbe verschiedener paralleler Linien
ist gut kyrenäisch. Die Aufsenwand des Gefäfses trägt keinen Überzug, sondern ist rot-
thonig, während Lippe und Unterseite weifs gedeckt sind. Innen ist der Becher schwarz
gefirnifst. Den Wechsel in der Färbung der Aufsenseite kennen wir bereits von der Würz-
burger Schale. Rotthonig ist von den mir bekannten Vasen noch das Innenbild der Poly-
phemschale, Monumenti I t. 7. Die Form finden wir in unserer Nekropole in ionischer
Technik wieder, T. VI. 1 (vgl. Kap. 4). Sie ist aus der Korbform des Kalathos entstanden,
der auf einen Untersatz gesetzt ist. Mit und ohne ihn kommt sie in der altapulischen
Keramik vor (Berlin 280—282, 3785 ohne Fufs, 279 mit Fufs). Auf Vasenbildern sehen
wir ähnliche Kelche gelegentlich in den Händen von Frauen, so der Grabesspenden bringenden
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