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Bohn, Richard  
Die Propylaeen der Akropolis zu Athen — Berlin u.a., 1882

Seite: 11
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ANHANG.

DIE ÄLTESTEN BERICHTE ÜBER DIE PROPYLÄEN.

i.

Kiriakus de Pizzicolle, nach seinem Geburtsort Cyriacus von Ancona
genannt, lebte von 1391 bis nach 1449; er war in Athen vom
7. bis 22. April 1436 bei seinem Gastfreund Ant. Balduino und dann
zum zweiten Mal im März 1447, wo er Herzog Nerio II. auf der Burg
besuchte1. Er sagt in seinem Briefe aus Chios vom 29. März 1447
(mitgeteilt bei G. Targioni Tozzetti »relazioni d'alcuni viaggi fatti in
diverse parti della Toscana« sec. edit. Bd. V, pag. 439 f., abgedruckt
bei C. Wachsmuth a. a. O. pag. 729):

»cum ad Nerium Acciaiolum Florentinum, et Athenarum
ea tempestate Principem, una cum suo Germano Nerio me con-
tulissem, Eum in Acropoli summa Civitatis Arce comperimus.
Sed quod magis adnotare placuit, cum Ejusdem praecellentis
Aulae Nobilissimum Opus diligentius adspexissem, vidimus ejus-
dem mirificam Porticum quatuor expolitis de Marmore columnis,
decemque desuper ex ordine Marmoreis Trabibus constare2. Sed
postquam ad ipsam et praecipuam venimus Aulam3, sex ingentes
bino ordine Columnas, trium pedum diametri latitudine'1, Mar-
morea Laquearia, vigintiquatuorque terno ordine Trabes polito
utique de marmore sustentabant; quaelibet vero Trabes p. 24
longitudo, latitudo vero 3 fuisse videntur5. Et ipsae utique
Nobiles de Marmore parietes, aequa magnitudine expoliti lapidis
constant, ad quas per unicam ingentem et mirificam portam patet
ingressus« °.
Leider ist die Skizze der Propyläen, welche Kiriakus seiner Be-
schreibung beigefügt hatte, und die für uns von grösstem Wert sein
könnte, wie die meisten anderen verloren gegangen'.

II. WIENER ANONYMOS,

genannt nach dem Aufbewahrungsort der Handschrift in der K. Bibliothek
zu Wien. Der Aufsatz ist geschrieben nach 1458, weil der florentinischen
Herzöge als etwas Vergangenen gedacht wird, aber wol noch vor 1460,
weil der Parthenon noch nicht in eine Moschee verwandelt war8. Mit-
geteilt ist die Handschrift als Facsimile bei de Laborde (Athenes aux

1 Vgl. C. Wachsmuth a. a. O. pag. 59,

2 Unter dieser Portikus mit vier Säulen und zehn Marmorbalken darüber kann nicht,
wie Wachsmuth annimmt, der Niketempel verstanden sein, denn darauf passt die Be-
schreibung durchaus nicht, sondern die Osthalle der Propyläen. Kiriakus folgt bei seiner
Beschreibung nicht etwa einem bestimmten Gange, sondern, nachdem er sich den Palast
angesehen, hebt er das Bemerkenswerteste hervor. Die beiden Ecksäulen waren mit
den korrespondierenden Anten vermauert, so dass sie ihm als solche nicht auffallen, und
er nur die mittelsten vier sieht. Die Anzahl der tragenden Stroterenbalken stimmt auch,
wenn wir die beiden Ortbalken hinzurechnen. Von dort aus tritt er durch die Mitteltür
in das westliche Vestibül.

3 Das ist natürlich die grosse Westhalle.

"■ Die sechs ionischen Säulen daselbst mit ungefähr richtiger Angabe ihres
Durchmessers.

5 Dieses sind die Stroterenbalken, durch die beiden Architrave über den ionischen
Säulen je in drei Teile zerlegt, er gibt deren 24, also 3 X 8 an, während nur 7 frei liegen.
Hier liegt also entweder ein Versehen vor, oder er hat, was wahrscheinlicher, auch hier
wieder den westlichen Ortbalken über dem Hexastyl mitgerechnet.

6 Hier kann es fraglich erscheinen, ob unter diesem Eingang die grosse Mitteltür
in der Fünftorwand gemeint ist, oder das mittelste offen gebliebene (?) Interkolumnium
des westlichen Hexastyls.

7 Vgl. C. Wachsmuth a. a. O. pag. 9, Anmkg. 5.

s Vgl. C. Wachsmuth pag 60 f., woselbst nur die Jahreszahlen nicht ganz
richtig sind.

15, 16 et 17 siecles I. addition ä la page 16, note 1), abgedruckt und
revidiert bei C. Wachsmuth a. a. O. pag. 731 ff.

Tä ■ö-sarpa xai 6i8aay.aXeia twv 'A#7]vwv.

... 10. ei? 70ÖV rfyv ÄxpÖTüoXtv ■ijfj.öiv slasp-^oiasvojv e&pEaxo(iev sva \v.v.pbv 8i3a-
oxaXstov, OTTep urc^p/e Ttöv |j.ouaiy.wv, Sitep rit)ö-ayöpa<; 6 £ä|Uo; auvsar/jaaro l. xatdvavtl
3s toözou sait TcaX&xiov (liyiaTOV *al uiroy.äTtoä-sv zoüzoo (ean icaX&tiov (lifiatoy vjjX
ÜTuoxö'.Tiüfl'sv toütou) laraviot ftXeCoTOi (xiovee ? ?) Xeoxt&v 8s [j.ap[j,apo>v tcXoötei o&v r(|
opoyfl xai toi? tsE'/soi 2. Ttpi? 8s tq ßöpsiov xXetTO? iyz^pye %ä.izo, yaf'fckapla. s.v. [tapu.Apoo

7-ai ÄtÖVMV KEJC0t7)[tiV7J XsDXÖV 3. Y.Cf.ZV, VÖTOV Ss mbzYfi &ft5)p}£EV 7) 0Z0O. SV STOlXlXlJ] &pO,l6lTKl

^spiy.s)jpDatt)[jiv'/j yöpo&ev v.cci s^wS-sv xal Xtfrotg zi\)loi<; xeKoap/rnUyi]' Sla raötTjv y.ai Stotxoi
yiXdao^oi IXdfovto oi sv TaütTf] ]iad"(p&,o&&vzes 4- avtixpü? 8s raänjc to täjy 'ETciÄOopeEuy
•}jx|j.aCe SiSaoxaXeiov ß.

III. BRIEF DES JESUITEN JACQUES PAUL BABIN
AN DEN ABBE PECOIL IN LYON.

[Gedruckt in relation de l'etat present de la ville d'Athenes etc.
A Lyon chez Louis Pascal MDCLXXIV. Mitgeteilt bei de Laborde
I, pag. 182 ff. und bei Wachsmuth a. a. O. pag. 745.]

Der Brief ist datiert aus Smyrna vom 8. Oktober 1672 und sehr
ausführlich. Nur die Propyläen kommen kurz fort, doch tritt hier zum
ersten Mal die Bezeichnung als Arsenal des Lykurgos auf und wird des
hohen Turmes Erwähnung getan.

... 10) Apres avoir parle du port dAthenes, des bätimens,
des fontaines, des eglises et des mosquees de cette ville, nous
considererons ses autres antiquites sans sortir si tot de la citadelle,
qui n'est pas maintenant en etat de soütenir un long siege,
quoyque son assiete soit fort avantageuse.

On y void un ancien Palais fort magnifique tout de marbre,
que quelques-uns disent avoir ete lArsenal, avec une tour quarree
extremement haute, et fort belle. Sur la porte de la citadelle
au dedans paroit encore une aigle Romaine gravee sur le marbre.
Hiermit sind die Bemerkungen zu vergleichen, welche zu den ver-
schiedenen Kopieen der Stadtansicht aus der Vogelperspektive gegeben
sind. Diese war von den seit 1658 in Athen angesiedelten Kapuzinern
angefertigt worden [bei de Laborde I, pag. 78]:

»Un avantportail et les ruines de ses vestibuls, oü sont bastis

1 Dieses kann nur der Niketempel sein mit Rücksicht darauf, dass es den Pro-
pyläen gegenüber liegt.

2 Die Mittelhalle der Propyläen, die also mit ihren Säulen und der Marmor-
decke noch stand.

3 Der Nordflügel, in dem die Kanzlei der Herzöge eingerichtet war.

4 Hierüber sind verschiedene Meinungen laut geworden, Ross sieht hierin das
Erechtheion, Wachsmuth die Osthalle der Propyläen; diese Deutungen wurden durch
die Annahme hervorgerufen, dass damals auf dem Südfiügel bereits der Turm stand.
Wir haben aber oben gesehen, dass dieses nicht der Fall war; offenbar ist also mit
ttatä vdiov hier dieser Teil gemeint. Er erwähnt also erst den Mittelteil, dann die beiden
Seitenflügel. Eigentümlich bleibt die besondere Erwähnung des farbigen Schmuckes.
Sind darunter die ja hier noch bis zum Turmbau unverletzten Gebälk- und namentlich
Geisonstücke mit ihrer blau und rot gefärbten Hängeplatte verstanden, oder auch die
späteren Bemalungen des Marmors im Innern, deren Spuren wir noch heut erkennen?
Auffallend ist allerdings die Wendung „Xi&oi? ti|Uoi? xexoap.7jfj.ev/]", wobei man geneigt ist,
an den eingelegten farbigen Schmuck bei den skulpierten Teilen des Erechtheion zu denken.

5 Hierunter kann das nahe Heiligtum der Artemis Brauronia (oder Athena Ergane?)
verstanden sein. Dass er das Erechtheion durchaus gesehen haben muss, erscheint mir
nicht notwendig; dasselbe war in die herzoglichen Palastbauten hineingezogen und prä-
sentierte sich damals von den Propyläen her vielleicht gar nicht, vielleicht nur unbedeutend.
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