Braun, Joseph
Das christliche Altargerät in seinem Sein und in seiner Entwicklung
München, 1932
Seite: 425
(PDF, 203 MB)

Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Sammlung

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - nicht kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite Seitenansicht vergrößern   Aktuelle Seite drucken     Schrift verkleinern Schrift vergrößern Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden Linke Spalte breiter/einblenden Anzeige im DFG-Viewer
Persistente URL:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/braun1932/0447
DRITTES KAPITEL. MATERIAL. I. IN MITTELALTERLICHER ZEIT 425

mit Email verzierte Ampullen aus vergoldetem Kupfer, wie- sie gleich anderem
Meßgerät, Pyxiden, Leuchter, Rauchfässer, Schiffchen u. a. in Limoger Werkstätten
als Dutzendware für den Handel angefertigt wurden. Limoger Herkunft
waren auch wohl zwei ampullae cupreae, die in den Inventaren des Prager Domes
von i355 und 1387 erwähnt werden, dort mit dem Zusatz deauratae, hier
mit der Angabe de smelcz. (36) Phiolae de electro gehörten nach einem Inventar
der Chantries des Münsters zu York zu den Chantries des heiligen Gregors
und des heiligen Johannes von Beverley. Bei jenem gab es 4 phiolae de electro,
bei diesem zwei. Unter electrum aber ist hier wohl Bronze oder eine bronzeartige
Kupferlegierung zu verstehen. (37) Aus Messing bestanden die 3 pair
of cruette in dem Inventar von St. Stephan zu London von i5&2. (38) Gefäße
für den Wein und das Wasser aus Kupfer oder einer Kupfermischung waren
nicht empfehlenswert, auch wenn sie im Innern vergoldet oder verzinnt waren,
da selbst in diesem Falle eine Gefahr für Grünspanbildung nicht ausgeschlossen
war. Es kann darum nicht auffallen, daß solche uns in den Inventaren nur wie
ausnahmsweise begegnen.

5. Kristall, Halbedelsteine. Mehrfach werden in den mittelalterlichen Inventaren
aus Kristall oder Halbedelsteinen angefertigte Gefäße für den Wein und
das Wasser aufgeführt. So vermerkt ein Inventar des Speyerer Domes von ioäi
4 vasa cristallina, unter denen wir nach dem Zusammenhang wohl Gefäße eben
dieser Art zu verstehen haben. (39) In einem Verzeichnis der liturgischen Geräte
, mit denen die Äbtissin Hidda im n. Jahrhundert das Benediktinerinnenstift
Meschede bedachte, hören wir von drei ampullae, von denen eine aus Onyx,
zwei aus Kristall gemacht waren. (40) Die Vita des Grafen Burchard von Melun
("j* 1012) berichtet von einem kostbaren aus Beryll hergestellten Gefäß für das
dem W7ein im Kelch beizumischende Wasser, das der Graf dem Kloster St-Maur-
les-Fosses schenkte. (41) Suger, Abt von St-Denis, erzählt von vascula crystallina
, die er für den Alltagsgottesdienst in seiner Kapelle bestimmt hatte, die
er aber dann der von ihm neuerbauten Abteikirche überwies. (42) Im Inventar
der Kathedrale zu Salisbury werden unter den derselben vom Bischof geschenkten
gottesdienstlichen Geräten auch fiolae 2 cristallinae ornatae argento
a parte superiore genannt. (43) Das Inventar Clemens' V. von i3ii verzeichnet
außer duas parvas ampullas de cristallo auch noch zwei vasa de terra viridi
ullramarina für den Wein und das Wasser, ein reich mit Edelsteinen besetztes
und ein gleichartiges aber ohne Steinschmuck. (44) Reich an kristallenen Gefäßen
für den Wein und das Wasser bei der Messe ist das Inventar des Herzogs
Jean von Berry von i/|Oi/3; enthält es deren doch nicht weniger denn vier
Paare. Außerdem vermerkt es deux autres esguieres de pierre estrange. (45)
Im Inventar von St. Albans in England von etwa i4oo lesen wir: Ad magnum
altare duo fiolae de beryllo satis honestae; (46) im Inventar der Peterskirche

(36) Podlaha, App. XVI—XXXIV. (37) Rahe 285, 288. (38) Vgl. oben S. 421.
(39) SciiANNAT 9. (40) N.Archiv XI (1885) 409. (41) M. 143, 859.
(42) De rebus in administratione sua gestis c. 34 (M. 186, 1238). (43) Jones II, 127.
(44) Regest! Clement. V. app.I, 462. (45) Gbiefhe« II, 62, 67. (46) Riley II, 327.

Unter Beryll ist in den mittelalterlichen Inventaren meist nicht der heute Beryll genannte
Edelstein verstanden sondern eine Art Kristall.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite Seitenansicht vergrößern   Aktuelle Seite drucken     Schrift verkleinern Schrift vergrößern Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden Linke Spalte breiter/einblenden Anzeige im DFG-Viewer
Persistente URL:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/braun1932/0447