Braun, Joseph
Das christliche Altargerät in seinem Sein und in seiner Entwicklung
München, 1932
Seite: 438
(PDF, 203 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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438 VASA NOX SACRA. ERSTER ABSCHNITT. DIE StESSKANNCHBN

mit schraubenartig sich windenden Buckeln oder Kannelierungen zu beleben.
Die Kännchen zu Horb (Tafel 80) und Braunsberg, in der ehemaligen Sammlung
Passavanl (Tafel 80) sowie in der früheren von Bothschildschen Sammlung
bieten dafür gute Belege. Bei den Ampullen im Nationalmuseum zu Pest sind
die Buckel durch naturalistisch gestaltete Birnen ersetzt, die kranzförmig den
Fuß sowie die obere und untere Hälfte des Bauches derselben umgeben, eine
prunkvolle, aber profan anmutende Verzierung (Bild 4)-

II. SCHMÜCKMTITEL

Filigran begegnet uns am Hals einer der Ampullen im Schatz von S. Marco
zu Venedig (Tafel 85). Ebenso wird das opus fili als Schmuck einer Ampulla
genannt in der vorhin angeführten Angabe des Inventars des Apostolischen
Stuhles. Hier wie dort erscheinen ihm Steine und Perlen eingefügt. Von Steinen
als Schmuck der Ampullen hören wir auch im Inventar Clemens'V. von i3ii,
in dem Inventar Karls V. von Frankreich von 1379/80 (5) und im Inventar von
St-Denis von i5o5. (6) An der im Inventar Clemens' V. verzeichneten Ampulla
fanden sich auf dem Fuß 8 orientalische Saphire, i5 große Granate und
8 Türkise, auf dem Deckel je 6 Saphire, Türkise und Granate. Von zwei bu-
rectes, die im Inventar Karls V. aufgeführt werden, zeigte eine auf dem Deckel
8 Baiasse, 6 Saphire und 64 große Perlen, die andere 8 Saphire, 6 Baiasse und
64 Perlen.

Von getriebenem Bildwerk als Schmuck der Ampullen vernehmen wir auf-
fallenderweise nur sehr selten. Mit den getriebenen Bildern der Apostel Petrus
und Paulus waren am Bauch zwei phiolae verziert, die im Inventar des Münsters
zu York von ca. i5oo verzeichnet sind. (7) Deux burectes d'or garnies de pier-
rerie et sont les convescles en facon de mictnes et sont les dictes ystoriees ä
ymages enlevez, lesen wir im Inventar Karls V. von 1879/80. Von den noch vorhandenen
mittelalterlichen Ampullen hat keine getriebenen Figurenschmuck.
Die beiden gegossenen Klerikerfiguren, die als Griff zum Aufklappen auf dem
Deckel der Meßkännchen zu Horb angebracht sind, wollen ersichtlich nicht
als Bildwerk wirken.

Mehrfach hören wir von Ampullen, die mit Email verziert waren. So begegnen
uns in einem Inventar des Trierer Domes von ia38: Ampullae duae
operis de Limugis, das ist zwei mit Limoger Email geschmückte Ampullen, im
Inventar des Apostolischen Stuhles von 1295: Duae ampullae de argento de-
auratae ad 4 angelos cum esmaltis in medio, (8) in einem Inventar des Herzogs
Ludwig I. von Anjou von i36o: Deux burettes d'argent et esmaüliees et a cha-
cune six cost et en chacune coste a un apotre, ferner deux autres burettes
blanche a long col... et dessuz Ie couvercle a 2 esmaux. (9) Andere mit Email
verzierte Ampullen werden in den Inventaren Karls V., Karls VI., des Herzogs
Jean von Berry sowie im Inventar des Münsters von York erwähnt. Ein Beispiel
einer mit Email verzierten Ampulle aus Kupfer ist die im Cabinet des Medailles
der Pariser Nationalbibliothek erhaltene Limoger Ampulle. Bauch und Hals

(5) Labarte 53. (&) Omont 12. (7) Raise 216.
(8) Bibl. XLV (1884) 33. (9) Gay I, 239.


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