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Chronik der Stadt Heidelberg — 8.1900 (1901)

Seite: 106
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durch alle Ansprachen an dem mit Blumen überdeckten Sarge ging
ein Gedanke: wir haben allzusrüh einen außerordentlichen Mann
verloren, den wir nie vergesien weideiu

Auch der Tod Karl Leimbachs riß eine empfindliche Lücke
und brachte einen nnersetzlichc» VerluN; auch er hatte sich in den
Dienst der Allgenieinheit gestellt und in den Jahren, in welchen an-
dere von der Lebensarbeit ansznrnhen neigen, seine Kräite dcr Pflege
öffentlicher Jnteressen gewidmet. Wenn auch kein geborener Heidel-
berger, war er doch mit der Stadt, in wclcher ieine Lebcnswirksam-
keit lag, aus das engste verwachsen. Jn den sechziger Jahren hatte
er sich hier niedergelaffen und hatte die alte Hofapotheke am Markt
erworben, die er zu hohcr Blütc erhob und späler an das Ende der
wenlichen Hauptßraße verlegte; ncben der schweren Berussarbeit sond
er aber noch Zeil, umsassende naturhislorischc Stndien zu pflegen nnd
sich mit allen Naturvcrhältnissen dcr Nmgegend HeidelbergS bcwnders
vertraut zu machc». Als er 1887 seine Apotheke in andere Hände
legte, fiellte er seine reiche Krast und Ersahrung in de» Tienst der
Stadt, die ihm eine zweite Heimat gcworden war. Nachdem er ichon
längere Zeit dem Bürgerausschuß angehört hatte, wurdc er 1838
zum Stadtrat gewählt nnd war nun trotz seiner schon schwankenden
Gesundheit niit aufopscrnder Nnermüdlichkeit in dem neuen Amte
thätig, das er bereitmillig nbernommen halte. Wenn auch vielsach Ber-
treter des Bürgermeisiers, so war doch seine Hanptarbeit auf die
Hebung der hygienischen Vcrhältniffe Heidelbergs gerichtet: cr nahin
sich der Srdnung des Friedhofwescns an, wobei er sich als eifrigcr
Förderer der Feuerbeslaltung zeigte, für dic er das Krematoriuin
errichten half; ganz besonders aber war er darani' bedacht, sür die
änneren Klassen beffere Wohnungsverhältnisse hcrbciznsühren und
zunächsl als die nötige Grnndlage dazu eine genane Aufnahme aller
Wohnungen vorzunehmen, eine Arbeit von der größten sozialen Be-
deutung, die nur seiner sorgfältigen und genauen Arbeitsweise ge-
lingen konntc. Früher hatle er auch längere Zeit an der Leitung der
altkatholischen Kirchengemeinde teilgcnomiaeii, deren Wohl ihm sehr am
Herzen lag; seit l893 war er neben Oberbürgermeister Wilckens
Vertreter Hcidelbergs in der zwcitcn Kammer und entfaltete auch
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