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Katharinenspital zu den Sondersiechen <Schwäbisch Gmünd>   [Hrsg.]; Stadtarchiv <Schwäbisch Gmünd>   [Hrsg.]; Deibele, Albert   [Bearb.]
Das Katharinenspital zu den Sondersiechen in Schwäbisch Gmünd: seine Geschichte, Verzeichnis der Urkunden, Akten und Bände mit Beilagen ; 1326 bis zur Gegenwart — Schwäbisch Gmünd, 1969

Seite: 1
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A. Das Spital der Sondersiechen zur heiligen Katharina
in Schwäbisch Gmünd

I. Einleitung
1. Aus der Geschichte der Aussätzigen
Der Aussatz, auch Lepra genannt, ist eine der schrecklichsten Geißeln der
Menschheit. Er tritt erst nach dem Kindesalter auf, wird durch einen stäb-
chenförmigen Bazillus erregt und dadurch ansteckend. Vor kurzem noch
galt er als unheilbar und führte nach einem 9 bis 18jährigen Siechtum zu
einem qualvollen Ende. Die Krankheit beginnt mit Müdigkeit in den Glied-
maßen, mit Fieber, Verdauungs- und Gefühlsstörungen, worauf allgemeine
Schwächezustände und Hautveränderungen eintreten. Bei der einen Form des
Aussatzes zeigen sich auf Stirn und im Gesicht Flecken, die bald den ganzen
Körper bedecken. Sie entwickeln sich langsam zu Knoten, die einen jauche-
artigen Inhalt entleeren. Bei der anderen Form treten am ganzen Körper
violette Flecken auf, die bald bräunlich bis schwarz und zuletzt weiß wer-
den. Mit der Zeit gehen sie in große berstende Geschwürflächen und Blasen
über. Auch der Verlust ganzer Glieder (Hände, Nase, Ohren) kommt vor.
Der Aussatz hat sein Hauptverbreitungsgebiet im Morgenland, vom Mit-
telmeer über Indien, China und Japan bis nach Indonesien. In Vorderindien
allein dürfte die Zahl der Aussätzigen bei drei Millionen liegen, und in
China befindet sich neben jeder größeren Stadt ein Aussätzigendorf. Schon
in der Bibel (Moses 3,13) wird ausführlich vom Aussatz berichtet. Wir er-
fahren dort, daß die Aussätzigen unter der Aufsicht der Priester standen
und außerhalb des Lagers wohnen mußten. Sie trugen zerrissene Kleider,
ließen das Haupthaar ohne Pflege wachsen, verhüllten den Bart und riefen
bei Annäherung von Fremden: „Unrein! Unrein!“ Zur Römerzeit wurde
der Aussatz nach Europa verschleppt und zur Zeit der Kreuzzüge zu einer
wahren Volksseuche. In der Behandlung der Kranken war man über die
Vorschriften des mosaischen Gesetzes noch nicht hinausgekommen. Sie be-
schränkte sich nach wie vor auf die Absonderung und Überwachung der Sie-
chen. Um 1250 dürfte die Zahl der Aussätzigenniederlassungen in Europa
20 000 überschritten haben.
Die Aussätzigenspitäler unterschieden sich in manchem von den übrigen
Spitälern. Während die letzteren überwiegend kirchliche Stiftungen waren
mit dem Zwecke, die caritativen Aufgaben der Pfarrseelsorge zu unterstüt-
zen, waren die Leprosenspitäler meistens Gründungen der bürgerlichen Ge-
meinden. Sie entsprangen der gebieterischen Notwendigkeit, die Aussätzigen
unter polizeiliche Aufsicht zu bekommen, um so die Ansteckung möglichst

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