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Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,3.1916

Seite: 14
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licher Erziehung auf diesem Punkt bringt das wohl so mit sich. Wenn
wir mit der ganzen Lazarettarbeit nur etwas Ordnung, Sparsamkeit und
Sorgfalt in die Leute bringen, so haben wir schon eine Tat getan. Sie
sind imstande, ^4 Pfund Wolle für Fransen zu verschneiden ohne Be-
denken, ob der Rest dann noch für einen Schal reicht- wie ich sie auch
funkelnagelneue Wollstrümpfe habe zum Stiefelwichsen brauchen sehen.
Sie nehmen ein Lichenbrett seelenruhig zum Feuern und würden eine
Ecke aus einer Wolldecke schneiden, wenn sie einen Flicken brauchen. Welche
Not müssen ihre Frauen haben, wenn sie Kinder und Wohnung in leid-
lichem Stand halten wollen! Einer vernünftigen Frau, die darauf im
Lazarett achtet, wird sich das Herz umdrehen, aber sie kann großen Einfluß
ausüben, wenn sie die rechte Art hat. In der ganzen Arbeit kommt
es aus die Art an. Ls gibt Damen, die verhindern jeden schlechten
Handgrisf, jede Geschmacklosigkeit vor Lem Lntstehen,- andre stehen macht-
los und sassungslos vor den Entgleisungen. Das sind natürlich die eigent-
lich nicht zum Lehren geborenen, die weder ihre Arbeit noch ihre Schüler
wie ein wohlbekanntes Instrument beherrschen. Soll aus der Lazarett-
arbeit wirklich eine Wohltat werden, so muß das Verhältnis natürlich
vertrauens- und doch respektvoll sein; und die Lehrerin muß immer die
Führung haben. Falsche Krankenpflege, wo der Pslegling allen Willen
hat — falscher Unterricht, wo der Schüler alles tun kann, was er will.
Festes Herannehmen zu ernsthafter Arbeit ist unter allen Amständen das
richtige. Warum soll jemand, der eine Beinwunde hat, nicht mit Kopf
und Händen sorgsam und durchdacht arbeiten? Anderseits den ermutigen
und mit aller Nachsicht behandeln, dessen Körperbeschasfenheit ihm hin-
derlich ist. Margot Grupe

Was hier abgedruckt steht, ist ein Stück aus Margot Grupes neuer
Dürerbundslugschrift „Kultur in Kriegslazaretten". Das Heft umfaßt
Seiten Text und 2 Seiten Abbildungen und kostet HO Psg. (für Dürer-
bundmitglieder 25 Pfg.). Die Versasserin hat als Hilssschwester zum Roten
Kreuz den Wert der Beschäftigung in den Lazaretten, aber auch die Gefahr
der falschen Beschästigung kennen gelernt. Mögen die praktischen Er-
fahrungen, die sie in dieser Schrist aufgezeichnet hat, in den Lazaretten
sleißig genützt werden!

M

DeuLsche Kolonisation in Bosnien

0 immer heute im weiten deutschen Land Bosnien und der Name
,seiner Hauptstadt Sarajewo genannt werden, da verbindet sich mit
diesen Namen die Erinnerung an den Fürstenmord, dessen Schau-
platz dieses Balkaneckchen war, und man denkt mit Schmerz und Bitterkeit
daran, daß Bosnien das Quelland dieses Blutstromes ist, der einem jeden
von uns Liebes und Liebstes auf ewig entrissen hat. Seither ist die Er-
innerung an jenes Anglücksland mit einem schmerzlichen Anbehagen ver-
bunden, und es muß einer sehr gute Gründe haben, wenn er trotzdem
daran erinnert.*

Ich wage das heute zu tun, nicht nur, weil es uns der treue „Schulter
an Schulterkamps" zur Pflicht macht, uns und unsere Länder immer besser

* Von denr Verfasser, dern evangelischen Pfarrer W. I. Oehler, Banjaluka,
Bosnien, werden seit vier Iahren Arbeitsberichte herausgegeben, die er jedenr,
der sich für die bosnische Arbeit interessiert, aus Verlangen gerne zusendet.
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