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Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,3.1916

Seite: 21
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Menschen nach den mit mathematischer Sicherheit zn gewärtigenden mili-
tärischen Siegen Frankreichs nicht volle Selbständigkeit verschassen, der
kennt Sie nicht. Darum stimme ich aus vollem Herzen ein in Ihren
französischen Ruf: Kein Landerwerb, aber Befreiung der annektierten Na-
tionen!"

Den deutschen Parteigenossen Herves, der so geschrieben haben soll —
oder sagen wir ausrichtiger: könnte, erinnere ich noch an ein paar „Kleinig-
keiten" zur Begründung seiner Ansichten:

s. an das sranzösische Gesetz aus dem Iahre II der Republik, das der
Regierung diktatorische Gewalt gegenüber den fremdsprachigen Bevölke-
rungselementen hinsichtlich des Gebrauchs ihrer Muttersprachen einräumt,

2. an die Verhinderung der Ausnahme des Provenzalischen unter die
Schristsprachen, in scharfem Gegensatz zu Spanien, wo das Katalanische in
weitem Umfange als Schristsprache unbehindert zugelassen ist,

3. an das Verbot der italienischen Zeitung „II Pensiero^ in Nizza, die
es auf drei Nummern brachte, obgleich sie keineswegs irredentistisch war,

an die vollständige Ausschließung der nichtsranzösischen Volkssprachen
aus Schule, Verwaltung und Iustiz, die tausend Folgen hat.

Abrigens sehlt es anscheinend in Frankreich schon nicht mehr an Leuten,
die dem Nationalitätsprinzip offen den Abschied geben möchten, nachdem
der Mohr seine Arbeit der Völkerverhetzung getan hat. So schreibt die
„Libre Parole" vom 2. s6: „Man muß dem Gerede über ein Prinzip
ein Ende machen, das die wichtigsten nationalen Interessen
Frankreichs schädigen würd e." ssmsj Eugen Würzburger

Vom Heute fürs Morgen

Das erste Zurücknehmen

^n der Unterhaussitzung vom
07. März sprach Churchill nach
Daily Chronicle „mit großer Ehr-
erbietung von der deutschen Flotte".
Deutschland werde sie nicht tatenlos
im Kieler Hasen liegen lassen. Da
rief ihm ein Konservativer zu: „Wer
hat denn gesagt, daß man sie aus-
graben solle?" Churchill errötete
bei dieser Lrinnerung an den Rat-
tenvergleich seiner Liverpooler Rede,
dann erklärte er: jene Bemerkung
hätte er nicht machen sollen, er be-
daure sie aufrichtig. Nnd das Haus
bezeugte ihm dafür Beifall.

Zu den Aberraschungen dieses
Krieges gehört auch die: daß nicht
einmal die Staatsmänner die
frühere Gepflogenheit wahrten, zum
Schutz ihrer eigenen Würde sich nicht
der Angriffe, aber der Beschimp -

fungen zu enthalten. Führende
Minister und Heerführer, ja Staats-
oberhäupter haben uns beschimpst.
Churchill ist der Erste, der sich dessen
geschämt und der sich selbst verbessert
hat. Wirkt das nicht, wie wenn
durch einen Saal voller Schwüle und
Dunst der erste Hauch frischer Luft
weht? kmss A

Schweiger und Schwätzer

Aus Brasilien schreibt man uns:
^cv^enn man fern „den" Ereignis-
^ sen ist und doch spüren mutz,
wie alles Geschehen vergeht und
alles Gesteigerte klein wird vor
Taten, dann kommt um so deut-
licher das heraus, was aufdring-
lich und unnütz geredet und geschrie-
ben wird.

Die dabei sind, spüren es nicht
in dem Maße, in ihnen schwingt

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