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Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,3.1916

Seite: 175
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LutherüberPreistreibereien

^vlso sol es allen andern gelingen,
^i-so aus dem offenen freyen marckt,
nichts denn ein schindeleich (Schind-
anger) vnd raubhaus machen, da
man teglich die armen vbersetzet
(übervorteilt), newe beschwerung vnd
teurung macht, vnd iglicher des
Marckts braucht nach seinem mut--
willen, trotzet vnd stoltzet dazu, als
habe er gut fug vnd recht, das seine
so tewer zugeben als yhn gelüstet,
vnd sol yhm niemand drein reden.
Denen wollen wir zuwarten (zwar
wahrlich) zusehen, schinden, zwacken
vnd geitzen lassen, aber Gott ver-
trawen, der es doch on das thuen
wird, das er wenn du lang geschun-
den vnd geschreppelt hast, ein segen
drüber spreche, das dir dein korn
auff dem boden, dein bier ym keller,
dein viehe ym stall verderbe, Ia wo
du ymand vmb ein gulden teuschest

vnd verforteylest, sol dirs den gant-
zen hauffen, weg rüsten (wegrosten)
vnd fressen, das du sein nymmer fro
werdest. —

Aber da hüte dich fur, wenn das
liebe armut (welchs itzt viel ist)
kompt, so vmb den teglichen pfennig
keuffen vnd zeeren mus, vnd du
zuferest (dazufährst), als müst yder-
man deiner gnaden leben, schindest
vnd schabst bis auff den grat (Kno-
chen), dazu mit stoltz vnd vbermut
abeweisest, dem du solltest geben vnd
schencken. So gehet es dahin elend
vnd betrübt, vnd weil es niemand
klagen kann, schreit vnd rüffet es
gen himel, Da huete dich (sage ich
abermal) als fur dem Teuffel selbs,
Denn solch seufstzen vnd ruffen wird
nicht schertzen, sondern ein nachdruck
haben, der dir vnd aller welt zu
schwer werden wird.

Aus dem großen Katechismus

Ansere Bilder

^ nsre Bilder begleiten die Gedenkworte über Rethel.

AZDer Entwurf zum Kopfe des toten Karl in den Aachener Rathaus-
^^sresken, ein Wasserfarbenblatt, welches das Dresdner Kupferstich-
kabinett aufbewahrt, laßt keine Ausnahme von der Regel erkennen, daß
Rethelsche Werke vom Entwurf zur Ausführung innerlich wachsen, denn
der Kopf auf dem Fresko selber ist noch gewaltiger. Schade, daß wir
keine ausreichend große Photographie von ihm haben, um beide neben-
einander zu stellen! Immerhin verdient auch der Entwurf seine Berühmt-
heit vollauf. Schon dieser Gedanke, einen Schleier so zu verwenden, der
uns jetzt, nach Rethel, so nahe zu liegen scheint, ist wohl genial — wie
kam' es sonst, daß er — hier zum ersten Male verwirklicht ist? Eine
unantastbare Größe, eine unnahbare Lrhabenheit, eine unfaßbare Äber-
legenheit in diesem Haupte dessen, der, ob gestorben, doch thront und herrscht.

Dann geben wir drei Ausschnitte aus den Todesbildern in Original-
größe. Rethels Blätter dürfen nicht verkleinert werden, sonst verlieren
sie sehr. Zwei Stücke aus dem Totentanz von (8V: der Sieger Tod
auf dem dämonischen Roß, und der Tod auf der Barrikade, der
sich höhnend enthüllt. Zuletzt den fiedelnden Tod als Würger aus
dem Cholera-Maskenball. Iedes Wort über diese Stücke des Grauens
und zugleich der Größe wäre zuviel. Doch beachte man auch, wie meister-
lich die Platten geschnitten sind. Mit einem Nachfühlen, daß man
noch heute spürt, wie sehr die Holzschneider in Bürckners Werkstatt vor
Rethels Blättern der ganz ungewöhnlich großen Aufgabe sich bewußt waren.
Ansre Bilder sind von Galvanos der Kunstwart-Ausgaben gedruckt. Ins-

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