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Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,3.1916

Seite: 216
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Hälfte kam aus der Agitation gegen zu herrliche Geschäfte macht, lag ja
uns, von der ich eigentlich in diesem zu klar. Und da und dort versäumt
Hest sprechen wollte. Ich verschiebe man es auch nicht, des großen Pa--
das, weil es nns die Pfingststim- zifisten und Philanthropen Onkel
mung doch gar zn sehr stören würde. Sam geschästliches Gedeihen wäh-
Und nun: „im Unterbewußtsein rend des Kriegs auch im Witzbilde
der Nation" scheint auch während recht anschaulich hinzustellen.
dieser kritischen Zeiten doch etwas Von den eigentlichen Hetzbil--
wie ein leiser Zweifel an der Lau- dern der amerikanischen Presse also
terkeit des eignen Denkens geblie- in anderm Zusammenhange dem-
ben zu sein. Daß Amerika jetzt gar nächst. sms A

Unsre Bilder und Noten

rnst Kreidols wird seit seinem ersten Kinderbuche, den Blumen-
F^märchen, nun doch wohl allgemein als der beste deutsche Märchen-
^^maler für Kinder, ja, als der deutsche Kindermärchenmaler anerkannt.
Auf die ganze Gattung des künstlerischen Kindermärchenbuchs hat sein
Beispiel eingewirkt, und keiner seiner Nachahmer und Schüler hat ihn
erreicht. Von Kreidolfs Bildern „sür Große" dagegen wissen nicht einmal
viele. Es gibt ihrer auch gar nicht viel, und durch die meisten, welche auf
Ausstellungen vor die Leute gekommen sind, weht auch etwas wie ein
Hauch aus Kinderland, nur: aus dem Lande der großen Kinder. Krei-
dolf kann ein vortrefflicher Wiedergeber der Wirklichkeit sein, in Form
wie Farbe, aber das bleibt meist in seinen Studien. Wird ihm das Bild,
so wird es, indem eine poetische Stimmung, meist eine Naturstimmung,
in die ersehene Wirklichkeit einfließt und sie nun von innen heraus ge-
mächlich umwandelt, bis etwa aus dem Buben Soundso ein Märchenbub
und aus der Alp bei Rdorf eine Traumalp wird. Das Himmelskind, dem
aus unserm Blatte Zwerge Enzian und derlei gute Sachen bringen, ist
auch aus einer Wiese eingekehrt, die nirgendwo liegt und die wir alle
kennen. Wir alle, die wir das Wunder der Bergschönheit an uns erlebt
haben. —

Die amerikanischen Karikaturen in diesem tzest gehören zu
dem Rundschauaufsatze über diesen Gegenstand.

Die Kopfleiste mit der Taube ist der Ausschnitt aus einem Holzschnitt
von Dürer.

«Hit unsrer Notenbeilage möchten wir wieder einmal ausmerksam machen
^^auf einen Tonkünstler, dessen stilles Schaffen trotz des Erfolges einiger
seiner Orchesterstücke noch nicht genügend bekannt ist. Bernhard Sek-
les' „Vier Lieder aus Gedichte von Fr. Rückert", dem Andenken Arnold
Böcklins gewidmet*, verlangen mehr als eine Viertelstunde flüchtigen tzin-
hörens. Schon das rein Gegenständliche ist nicht von dieser Welt. Ein
Stück Phantasiewelt, ganz in sich beruhend, nur dem willigen Nachempfin-
den offen. In Meeres Mitten ein Altar, an dem Meerbräute und Meer-
bräutigame vereint werden, „wozu im Windzug Meeresorgeln hallen" —
das ist das erste „Bild". Sekles führt es mit einer Musik vor, die Größe,
Abseitigkeit, den tiefen Klang einsamen Schauens hat. Schwere, lang-
same Akkorde — „Maestoso" — deuten auf die Unendlichkeit des Wasser-
raums; langsam klären sie sich, während das seltsame, menschelnde Spiel

* Op. ts. Verlag R. Forberg, Leipzig; je ß50 M.
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