Hinweis: Ihre bisherige Sitzung ist abgelaufen. Sie arbeiten in einer neuen Sitzung weiter.

Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,3.1916

Seite: 225
DOI Heft: DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/deutscherwille29_3/0282
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
Amerika als Vermittler?

eit dem Ausbruch des Krieges ist es der Glaube der Besten in Ame-
l^^rika, daß die amerikanische Regierung vom Schicksal vorbestimmt
^^sei, dem unseligen Europa Frieden zu bringen. Dieser Glaube
beruht auf einer eigentümlichen Ideologie, die wir bei der Beurteilung
des amerikanischen Verhaltens kaum je in Betracht zu ziehen pflegen und
die es doch erst verftändlich macht. Für den Amerikaner ist Europa ein
Gebiet, das ähnlich wie die Vereinigten Staaten von Amerika ein ein-
ziger großer Bundesstaat sein sollte. Es gibt, aufs große Ganze ge--
sehn, eine einheitliche, wenn auch reich in sich differenzierte „abend-
ländische Kultur", auf deren Grundlage die einzelnen Völker, nach ame-
rikanischer Meinung, friedlich nebeneinander und miteinander verkehren
und eine Linheit bilden könnten. Nun aber kann Europa seine na-
türliche Form nicht finden, wie das glücklichere Amerika die
seinige längst gefunden hat. Das Hindernis liegt, meint man, im Lrbe
der vergangenen Iahrhunderte: im Militarismus, in den Resten des
Absolutismus und im Nationalismus. Diese Mächte verhindern die
„Vereinigten Staaten von Europa", die in einer „rein demokratischen"
Form, wie sie Amerika angeblich besitzt, sehr wohl möglich seien. Es ist
nun Amerikas Sendung, mit seiner modernen demokratischen und pazi-
fistischen Gesinnung dem ruhelosen alten Europa zum endgültigen Frie-
den zu helfen.

Voraussetzung hierfür ist natürlich, daß Amerika seine Hände rein
hält, denn sonst hat es nicht das sittliche Recht und bei den Kämpfenden
nicht das nötige Vertrauen, um den Frieden zu vermitteln. Darum hat

2. Iuniheft (XXIX, ^s)
loading ...