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Deutscher Wille: des Kunstwarts — 29,3.1916

Seite: 263
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Llnscheinbarkeit beim Poli-
tiker

ie diejenige Frau die beste ist,
von der man am wenigsten

spricht, so ist auch derjenige Politiker
der beste, der seine Persönlichkeit
als solche am wenigsten in den Vor-
dergrund drängt. Langbehn

Unsre Bilder und Noten

^W^as vorgehestete Blatt, der Steindrnck von Adolf Schinnerer,
^^^ist wieder einmal ein Kunstblatt in dem besonderen Sinne, den
^^unser Aufsatz „Kunstblatt und Bilderbeilage" im zweiten Dezember-
hest zu beachten bat. Auch der Kunstwart kommt um die Notwendigkeit
nicht herum, gelegentlich Farbenautotypien zu zeigen, wie sie beim großen
Publikum und dort, wo man ihm schmeichelt, als besonders esfektvoll
beliebt sind. Man kann Farbenantotypien anch nachträglich körnen oder
sonstwie mattieren, dann sehen sie nach etwas Besserem aus, aber die
leider in jedem Sinn billige Farbenautotypie bleibt am Raster kennt-
lich. Farbige Steindrucke und ähnliche Techniken, wie wir sie lieber ver-
wenden, sind für häusigen Gebrauch zu teuer, die Schönheit des wirk-
lich edel ausgeführten einfarbigen Blattes aber, besonders des echten
einfachen Druckschnittes macht bei den Vielen eben keinen „Lffekt". „Lsfekt"
macht sicherlich Schinnerers „Heuernte" auch dann nicht, wenn sie in
so guter Lithographie aus so edelm Papier vervielsältigt ist, wie unsre
Beilage. Aber Efsekt soll ja ein Kunstblatt auch gar nicht machen.
Wir wollen nicht wiederholen, was. wir darüber im Dezember geschrieben
haben. Wer den Einzelheiten unsres Blattes nachgeht, wird alle Reize,
alle „Intimitäten" des Originals hier wiederfinden. — Äber Adols Schin-
nerer selbst haben wir einen Aussatz mit vielen Bildern schon l.909
(Kw. XXIII, 2) gebracht.

Mit der Skizze nach Max Reger von Robert Bndzinski
zeigen wir ein „Gelegenheitsbildchen" von der Art jener, die durch ein
Erhaschen von Transitorischem, durch ein Aufsangen von Angenülicks-
eindrücken durchgesührte Bildnisse nur einseitig, aber nach dieser
einen Seite oft auch sehr eindringlich ergänzen. Gerade über Musiker
haben wir solcher Skizzen nicht ganz wenige, beispielsweise von Beet-
hoven, Schubert, Wagner, Brahm. Sie sind sa^st alle entstanden, wie
diese hier: ohne daß der Porträtierte davon wußte. Budzinski hat Reger
noch im Ansange dieses Iahres belauscht und die Skizze ohne sein
Wissen gezeichnet, die Leser dürsten also hier auch das letzte künst-
lerische Bildnis Regers vor sich haben. Ausgesührt ist das Original
in der neuen Technik der Linoleum-Radierung die Budzinski ersunden
und zuerst im Ianuarheft des Kunstwarts (XXIX, 7) beschrieben hat.

Die vier photographischen Kinderbildchen, auch „Erhaschtes", aber
mit der Platte Erhaschtes, gehören zu dem Rundschaubeitrage dieses tzestes
„Abgefangene Kinderbildchen".

Die Abbildung des Iamnitzer-Grabes vom Nürnberger Iohan-
nisfriedhos soll unsern Aufruf („Nürnbergisches und Deutsches") unter-
stützen, die alten Nürnberger Friedhöse aus Begräbnisstätten mit wech-
selnden „Mietern" in den Gräbern der alten Geschlechter nun endlich zu
Nationaldenkmälern umznwandeln. Wer die Inschriften auf dieser Platte
liest, wird unsre Behauptungen bestätigt sinden.
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