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Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 19.1906-1907

Seite: 46
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REALISMUS UND NATURALISMUS.

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Scharfen Begriffsausprägungen sind die
gegenwärtigen Zeitläufe entschieden
nicht günstig. Dem Worte, das zu allen
früheren Zeiten in so hohen Ehren stand,
sind heute allerorten erbitterte Gegner
entstanden. Sie haben die Eindeutigkeit
und Armut des Wortes am Reichtum
der Wirklichkeit gemessen und dabei
gefunden, daß das Wort nur als ein sehr
oberflächliches, abkürzendes Zeichen des
Gegenstandes gelten kann, den es er-
schöpfend zu benennen unternimmt. Über
Wort-Aberglaube, Wort-Fetischismus ist
wohl nie so leidenschaftlich geklagt worden,
wie heute, da beispielsweise Fritz Mauthner
seine Einwände gegen die Sprache in
einer dreibändigen »Kritik der Sprache«

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nieder gelegt hat. Das Mittelalter mußte
sich jahrhundertelang wegen der Frage
streiten, ob die Gattungsbegriffe (Univer-
salia) ante rem, in re oder post rem
existieren, ehe Abälard die Gegensätze
zwischen diesen drei Standpunkten entfernte
und damit aussprach: Ihr habt euch um
Worte gestritten. Wir Heutigen sind mit
dem gleichmütigen Urteil: Ein Streit
um Worte! zweifellos viel rascher bei
der Hand.

Diese Abneigung gegen scharfe Be-
griffsausprägungen ist historisch zweifellos
berechtigt, da sie aus einer verschärften
Auffassung des objektiv Wirklichen ent-
sprang. Aber sie hat auch Nachteile im
Gefolge gehabt. Man mutet dem Worte

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