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Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 19.1906-1907

Seite: 113
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DAS HAMBURGER BISMARCK-DENKMAL.

(TAGEBUCH-BLÄTTER.)

Hamburg ist eine wunderschöne Stadt. Ich
sage mit Absicht das seltene »wunderschön«.
Es ist ein Wunder, daß ein großer moderner
Stadtkomplex so Vieles eint: riesige Häfen, Welt-
schiffahrt, Eisenbahnen, Straßenbahnen, Waren-
lager, Fabriken und Alles, was zum Betrieb einer
so großen Handelsstadt gehört — und doch schön
bleibt. Die Schönheit dankt es zum großen Teil
der Natur, der Elbe. Aber auch dem Natursinn
seiner Bewohner. Das Alsterbassin ist geschaffen.
Und ich sah nie so viele Gärten und Blumen-
anlagen wie dort. Hamburg scheint von allen
deutschen Städten am reichsten zu sein an Wasser,
Bäumen und Blumen. Ich ging durch Straßen,
ich fuhr durch Kanäle, wo Haus an Haus ein
Garten Eden für sich zu sein schien. Man redet

und schreibt so viel von Gartenstädten. Ham-
burg hat das Alles längst in der Praxis, freilich,
dort, wo die reichen Leute wohnen. Die Häuser
zeigen kaum künstlerische Architektonik, aber sie
scheinen ganz ökonomisch für die Raum -Ver-
teilung, ohne Anspruch auf äußere edle Form,
bescheiden und oft gleichsam verschämt gebaut.
Der Hamburger lebt seinem Geschäft und seinem
Heim.

Hier liegen wohl die Wurzeln dafür, daß Ham-
burg sonst so wenig für Kunst übrig hat. Außer
für Musik. Und diese paßt in solchen Rahmen.
Sonst aber — ja, es ist wenig. Das Theater
schwach. Herr von Berger zeigt sich als Drücke-
berger. Malerei kaum vorhanden. Hamburger
Bilder stammen bekanntlich fast nur von Fremden.
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