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Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 19.1906-1907

Seite: 229
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leni matthaei—Hannover. Fächer mit Klöppel-Spitze und Stickerei.

NEUE FORMEN FÜR KLÖPPEL-SPITZEN.

Auch in Zukunft wird die Maschinen-Spitje bei
k ihrem niedrigen Herstellungspreise den Haupt-
bedarf decken, wenngleich die handgearbeiteten
Spieen seit einiger Zeit wieder mehr geschäht und
verwendet werden. Unter diesen letjteren hat die
Klöppelspit3e als wirkungsvolle und weniger kostbare
Spitje sich ganz besonders viele Freunde zurück-
erobert. Die eigenartigen Verschlingungen und Ver-
knotungen ihrer Fäden, die mit blofjem Auge zu-
meist deutlich verfolgt werden können, geben ihr
etwas ungemein frisches und reizvolles, das sie
weit über die ähnlichen Maschinenspi^en erhebt.

Jahrelang war die Klöppelspit3en-Industrie durch
die Maschinenspirje zurückgedrängt worden, es war
selbst zu befürchten, daß diese einst so blühende
Industrie ganz zugrunde gehen würde. Die Ver-
hältnisse haben sich zwar wesentlich gebessert, doch
ist, wenn ein weiterer Erfolg erzielt werden soll,
eine Auffrischung und Bereicherung des Motiven-
schatjes der Klöppelspirje unbedingt erforderlich. So
ist auch die Handelskammer in Plauen wiederholt
bei dem sächsischen Ministerium darum vorstellig
geworden, dafj der sächsischen Klöppel-Industrie mit
Unterstütjung des Staates von berufener Hand ent-
worfene Muster vermittelt werden. Die Kammer
hob in ihrer Eingabe hervor, dafj ein Erfolg in den
Bestrebungen auf Hebung der Klöppel-Industrie nur

dann erwartet werden könne, wenn der Hebel bei
der Verbesserung der Muster eingesetjt werde und
zwar bei der Musterarbeit der Faktore, denen fast
allein die Musterung obliege. Dieser Ansicht sei
auch der Beirat der Spitjenklöppel-Musterschule und
der Qewerbe-Zeichenschule zu Schneeberg ohne
Einschränkung beigetreten.

Leider sind die nicht berufsmäßig für die Spitjen-
industrie tätigen Künstler, von denen wohl in erster
Linie Anregungen zur weiteren Ausgestaltung der
Klöppelspit3en zu erwarten wären, jedenfalls aus
Scheu vor der schwierigen Technik, noch wenig an
dieses Gebiet herangetreten. Auf dem Papier allein
sind allerdings neue Möglichkeiten nicht zu erproben,
doch die Technik ist nicht so ungeheuer kompliziert
wie sie auf den ersten Blick erscheint, ihre Grund-
begriffe sind sogar sehr leicht zu erlernen. Es gehört
hauptsächlich viel Handfertigkeit dazu, die zwar nur
durch langjährige Übung zu erreichen ist, die aber
für den Entwerfenden, der doch keineswegs schnell
zu arbeiten braucht, nicht unbedingt erforderlich ist.

Die hier abgebildeten von Fräulein Leni Matthaei
geklöppelten Muster sind erfreuliche Beispiele neuer
Möglichkeiten. Vielleicht sind die meisten Muster
etwas gar zu kompliziert und zu wenig stofflich,
doch dürften sie mancherlei brauchbare Anregungen
zu weiterer Betätigung geben. D. R.

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