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Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 19.1906-1907

Seite: 363
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OTTO SCHNARTZ.

» Gedächtnis-Halle «.

HÄUSER OHNE FASSADEN.

Der Streit unserer Tage auf dem Gebiet
der Bau- und Hauskunst erscheint
wohl soweit geklärt, daß allgemein der Un-
wert des Aufputzes sogenannter Fassaden
erkannt ist, mag letzterer nur früheren Bau-
werken entnommen sein oder als lächerliche
Zutat in sogenannter moderner Auffassung
auftreten. Häuserbauen ist nicht eine Tätig-
keit des Aufputzens, so wie etwa durch die
Garnierung einer Fasson mit Bändern und
Schleifen ein Damenhut entsteht. Gestal-
tung aus dem Wesen der Sache heraus und
nicht nur Verzierung ist Erfordernis.

Baulicher Gedanke und Organismus soll
als künstlerische Idee zu uns sprechen und
zwar eine Sprache wirklichen, eigenen leben-
digen Lebens muß aus baulicher Schöpfung
zu uns reden, nicht das Geschwätz eines
Phonographen, der Aufgegriffenes und An-
genommenes wiedergibt. Hinweg mit Phrase
und Pose, es ist wohl besser, weniger zu
sagen als zu lügen und zu schwätzen. Zu

1907. IV. 3.

guterletzt entscheidet doch die einfache
Sprache von Länge, Breite, Höhe und auch
das mit großem Geschick Angeeignete ist
nicht Eigenes.

Häuserbauen heißt ein Raumbedürfnis
befriedigen und ist zugleich wirtschaftlicher
Vorgang und ein Akt der Kunstübung. Die
Forderungen eines Raumbedürfnisses vollauf
zu befriedigen, heißt eigentlich nur, sie zu
künstlerischem Adel erheben, sowie ein guter
Aufbau überhaupt nur auf einem guten
Grundriß möglich ist.

Als Baukunst könnte man überhaupt die
in das Künstlerische gesteigerte Bautechnik
erkennen. So wie etwa die Statue schon im
Stein steckt, so existiert für jede bauliche
Aufgabe eine Lösung von wirtschaftlicher
und künstlerischer Vollendung. Es gilt nur
sie zu fassen oder ihr möglichst nahe zu
kommen; wenig hat aber Dekorierung und
Verzierung damit zu tun. Den architek-
tonisch-künstlerischen Organismus, der in

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