Hinweis: Ihre bisherige Sitzung ist abgelaufen. Sie arbeiten in einer neuen Sitzung weiter.

Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 19.1906-1907

Seite: 399
DOI Artikel: DOI Seite: Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dkd1906_1907/0304
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
facsimile
VERLAG SCHUSTER
& LÖFFLER-BERLIN.

HEINRICH VOGELER-WORPSWEDE

ALS BUCH-ILLUSTRATOR.

Das Kennzeichnende an Heinrich Vogelers
zarter Linienkunst ist technisch das
Malerische seiner Arabeske, was, mensch-
lich-seelisch ausgedrückt, das Musikalische
seines Künstlertums bedeutet. Heinrich
Vogeler, so möge die das Ergebnis meiner
Untersuchung kurz vorwegnehmende Formel
lauten, ist ein deutscher Musiker in male-
rischen Lineamenten.

Vogelers Kunst hat Stil, das heißt sie
drückt sein Ganzes restlos aus. Stil heißt
restloses Aufgehen; im Gebiete des Bild-
nerischen: in seinem Mittel aufgehen.
Vogelers Kunst ist deutsch, rassenhaft, natio-
nal deutsch, sie hat das eminent Deutsche:
deutsche Romantik. Sie ist musikalisch,
denn sie ist völlig adaequater Ausdruck der
Welt, die Welt aber ist — Hermann Keyser-
ling hat's wieder einmal und wundervoll ver-
kündet — ein musikalisches Problem, ein
Problem des Rhythmus, ihre Einheit nur
im Rhythmus seelisch erlebbar. Vogelers
Linienkunst ist malerisch, das heißt nicht
episch-graphisch, nicht beschreibend, nicht
1907. v. a.

erzählend, auch nicht umschreibend, sondern

— ohne Farbe — farbig.

Im eigentlich (technisch) Malerischen —
nicht in der kolorierten Zeichnung — ver-
sagt er manchmal. Das macht: er ist kein
Maler mit Farben. Sein Gegenstück ist
Schwind. Auch Schwind war ein Roman-
tiker, ein Musiker. Aber sein Mittel war
nicht die Linie und ihr musikalisches Ge-
setz. Er zeichnete »Bilder«, Vogeler malt
Zeichnungen. Vogeler ist, wie Schwind ein
zeichnerischer Maler, ein malerischer Zeich-
ner. Schwind fabuliert: das ist das Zeich-
nerische. Vogeler läßt tönen, das ist das
Malerische. Schwinds romantisch - poetische
Weltanschauung ist vom Kompromiß an-
gekränkelt: Er pointiert gern, liebt das Genre
und vereinfacht Märchen auf den Aktschluß,
das lebende Bild. Es ist eine »literarische«
Romantik, die im Begriff gefangene Alle-
gorie. Vogeler hat das Symbolische, das ist

— lest es bei Rudolf Kaßner, wenn ihr das
Tempo seines nicht am Wort verweilenden
Stils vertragt — das Musikalische, das

399
loading ...