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Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 19.1906-1907

Seite: 432
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ETWAS ÜBER BILDER-RAHMEN.

(Fortsetzung aus dem Dezember-Heft 1906.

Ii.

Wir haben gesehen, daß der Rahmen
mehr ist als ein bloßer Abschluß des
Bildes gegenüber der Umwelt. Ja, wenn
man der Sache auf den Grund geht, ergibt
sich, daß schlechthin alle Modalitäten des
Rahmens, also Farbe, geometrische Grund-
form und Profil, ihre Bestimmungen vom
Bilde empfangen. Der Rahmen ist vom
Bilde abhängig wie das Kleid von dem
Körper, den es schmücken soll. Nur in-
soweit alle Dinge der Entwicklung unter-
worfen sind, steht natürlich auch der Rah-
men unter den Mächten der Historie. Aber
dieser Wandel des Geschmackes erscheint
nur beim Uberblicken verschiedener Zeit-
epochen als eine Schranke. Außerdem be-
steht auch eine gewisse Abhängigkeit von
dem besonderen stilistischen Charakter der
näheren Umgebung des Bildes. Allein auch
diese Grenze ist sehr weit gezogen und läßt
Raum genug, um in ihrem Bereiche den
Ansprüchen des Bildes Rechnung zu tragen.

Der Begriff Bild umfaßt so Vieles, daß
hier zunächst eine Aussonderung vorge-
nommen werden muß. Werke der Graphik,
Reproduktionen und Photographien bedürfen
des Rahmens nur in bedingter Weise. An
und für sich ist der weiße oder getönte
Papierrand, der Karton, für diese Kunstwerke
Rahmen genug. Nur bei farbigen Holz-
schnitten pflegt man in der Regel um die
Darstellung eine starke Randlinie zu ziehen,
die in der Farbe dem tiefsten, an den Rand
herangehenden Tone entspricht. Bekannt
ist die Tatsache, daß Gemälde, die man in
Wirklichkeit nicht ohne Rahmen sehen
möchte, stets ohne denselben reproduziert
werden. Der Grund dafür ist eben der, daß
der Papierrand die Funktion des Rahmens
sattsam erfüllt und daß man daher die
Wiedergabe des wirklichen Rahmens nur
als Störung empfindet.

Soll jedoch ein Werk der Graphik oder
der Photographie als Wandschmuck dienen,
so bedarf es des Rahmens, hauptsächlich

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aus Gründen der Schicklichkeit und Dauer-
haftigkeit. Der Papierrand bleibt auch hier-
bei am besten immer sichtbar. Es ist zwar
neuerdings Mode geworden, graphische Ar-
beiten und Reproduktionen ohne Passepartout
zu rahmen. Aber das Redlichkeitsgefühl
des Menschen scheint doch zu verlangen,
daß durch den weißen Papierrand der eigent-
liche Charakter des Bildwerkes klargestellt
werde. Außerdem wird dadurch der störende
Schatten der Rahmenleiste von der Bild-
fläche ferngehalten. In allen diesen Fällen
wird der Rahmen weder sehr breit noch
sehr reich profiliert sein dürfen. Sein Auf-
wand an Masse und Formen muß stets in
einem wohlabgemessenen Verhältnis zur
Lebensfülle und darstellerischen Energie des
Bildes stehen. Und da diese bei graphischen
Arbeiten niemals so groß sind wie bei Ge-
mälden, so ergibt sich hinsichtlich des Rah-
mens die Forderung möglichster Einfachheit.

Bei der hier besprochenen Klasse von
Bildwerken liegt also die Rahmenfrage ziem-
lich einfach. Sie dürfen aus der Erörterung
ausscheiden. Nur beim Gemälde spielt der
Rahmen eine wirklich lebenswichtige Rolle.
Wo im weiteren Verlauf dieser Erörterungen
vom Bilde die Rede ist, soll immer ein
Gemälde darunter verstanden werden.

Die hauptsächlichsten Bestimmtheiten des
Rahmens sind, wie gesagt, die geometrische
Gesamtform, das Profil und die Farbe.

Am leichtesten wird die Frage nach der
Grundform erledigt werden können. Die
Geschichte des Rahmens, die Natur unserer
zur Aufnahme der Bilder bestimmten Innen-
räume, ferner technische und ästhetische
Gründe scheinen das einfache Viereck zu
erfordern. Denn historisch betrachtet ent-
wickelt sich der Rahmen bekanntlich aus
Architektur-Bestandteilen, in denen der
rechte Winkel ständig wiederkehrt. Ebenso
sind unsere Innenräume samt Türen und
Möbel durchgehends vom rechten Winkel
beherrscht. Daher ist es billig, daß sich
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