Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 35.1914-1915

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SOMMER AUSSTELLUNG DER MÜNCHENER SECESSION.

Die nächste Frage, mit der man die dies-
jährige Sommerausstellung der Münchner
Secession betritt, wird gemäß den Gesetzen
der menschlichen Neugier sein: merkt man es,
daß eine Abwanderung der Jungen stattgefun-
den hat? Antwort: es fehlen schon einige, die
man regelmäßig hier zu finden gewohnt war.
Aber gerade, daß man sie vermißt, ist ein
Beweis, daß sie eigentlich in den Ausstellungen
der Secession regelmäßig und vernehmbar zu
Wort gekommen sind. Die prominentesten
Persönlichkeiten, die zur neuenSecession über-
gegangen sind, sind nicht trotz, sondern durch
die Secession bekannt geworden, und man
sollte darnach meinen, daß es ihnen hier doch
eigentlich ganz gut gegangen ist. Wenn sie
trotzdem sich veranlaßt gefühlt haben, sich zu
separieren, so muß der Anlaß wohl in neuesten
Wendungen der Kunstentwicklung gegeben sein,

die die Älteren nicht mehr gutheißen wollten.
— Oder doch nicht? Es ist schon eine merk-
würdige Zeit, in der wir leben, und selbst
Habermann, der weltfrohe, malt eine Annun-
ziation. Man weiß nicht, wie religiös die Welt
noch werden mag.....

Da einige Begabteste von den Jüngeren ge-
gangen sind, so bietet diese Ausstellung mehr
noch als andere Sommerausstellungen den Ge-
samteindruck: die Führer unter sich. Ein
Hauptsaal z. B. wird ganz beherrscht von Stuck
mit seiner großen Amazone und fünf Bildern
von Samberger und Zügel. Wir brauchen von
diesen und anderen nicht weiter zu sprechen.
Denn sie brauchen den Chronisten nicht mehr;
sie wissen, daß sie schon in der zeitgenössischen
Kunstgeschichte stehen.

Wenn nun auch die Führer vorherrschen, so
verstehe man das nicht so, als ob etwa infolge

1914/16. L 1.

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