Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst u. künstlerisches Frauen-Arbeiten — 38.1916

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DIE DEUTSCHE LANDSCHAFT ALS MALERISCHES SUJET

Satz, daß der Gegenstand der künstle
"sehen Gestaltung eine Eigenbedeutung

en müsse, die ihm ein Interesse an sich
'chert, hat seit der Zeit, da ihn Aristoteles in
einer Poetik wohl zum ersten Mal für die abend-
^dischg KuUur begrifflich formulierte, nicht
r seine Vollwertigkeit, sondern scheinbar jede
fü a-^ u'3ernauPt verloren. Denn während er
linUi . Tragödie einen über die gemeine Wirk-

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■wi uli llinausragenden Stoff verlangte, sehen
bed ■ dieSe höchste Kunstgattung fast un-
c . enklich in den niedersten Lebenslagen ihre
Ujets suchen, freilich am häufigsten auf die Ge- sen für die Tatsache, daß jede Erfahrung, die

fahr hin, daß der Künstler statt eines tragischen
Werkes nur ein trauriges Kunstwerk gebiert.

Den letzten Grund für diese radikale Wand-
lung wird man nicht finden, solange man ihn
in einer augenblicklichen, nur modernen Ge-
schmackskategorie sucht. Er liegt vielmehr in
jener falschen, psychisch-subjektiven Auffassung
der Kantischen Philosophie, die schon zu Kants
Lebzeiten begann — bereits Schiller wandte
sich gegen Fichte — und noch heute ihre Trium-
phe feiert. Die fundamentale Leistung Kants
für alle zukünftige KuUur lag in seinen Bewei-
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