Falk, Valentin Alois Franz
Geschichte des ehemaligen Klosters Lorsch an der Bergstraße: nach den Quellen und mit besonderer Hervorhebung der Thätigkeit des Klosters auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft dargestellt — Mainz, 1866

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Gundcland 766—778.

Sohn Heinrich, außerdem der Bischof Automad von Trier und die
Bischöfe Alberich und Johannes.

Welch wohlthncnde Glaubenslebendigkeit, welch große nnd zugleich
freudige Opserwilligkeit gibt sich in den Worten dieses Stiftungsbrieses
zu erkennen! Es war immerhin ein großes Unternehmen, ein Kloster zn
gründen mit Kirche und Zellen für die Mönche, dabei zu sorgen für
die feierliche Abhaltung des Gottesdienstes und den Unterhnlt der Möuchc,
aus daß das Werk wnhrhaft Gott zu Ehren nnd den Menschen zn Nutz
und Frommen gereiche. Die edlen Stifter waren reich, aber ihren
trotz des Reichthnms stets anfs Himmlische gerichteten Herzen siel es
nicht schwer, einen Theil ihres bedeutenden Vermögens in der angegc-
bencn Art zu verwenden. Zudem stand zil hoffen, daß Andere in from-
mcr Absicht gleichfalls reichlich beisteuerten und den Gründern in der
Vollendung des Unternehmens Hilfe leisteten, was auch in der That
geschah.

Chrodegang konnte jedoch die fernere Leitung des Klosters wegcn
seiner vielen Geschäfte im Bisthum Metz, wie als Vertranter des KönigS
Pipin, nicht behalten; er begab sich deßhnlb wiedcr nach Lothringen H
und schickte von da im Jahre 766 seinen ihm in Allem ähnlichen,
vortrefflichcn Bruder Gundeland, einen überaus frommen und klugen
Mann, nach Lorsch. Gundeland brachte aus dem vier Meilen von Metz
entfernten Kloster Gorz, welches Chrodegang gegrttndet hntte, 14 Bene-
dictincrmönchc mit, wovon zwei mit Namen genannt werden, Reginfrid
und Willuin. Gundeland wirkte ganz im Geiste seines Bruders; die
Zahl der Mönche nahm zu; die Opfergaben der Gläubigen hnnftcn
sich; aber anch dcr Eifer im Dicnste Gottes nnd dic Strenge in Bcob-
achtung dcr Ordcnsregel war kein geringer nnd verdient noch eine be-
sondere, später solgende Beachtnng.

II.

Die Gebeine des heiligen Nazarius kommen von Rom ins Kloster.

Mochte nun auch das Kloster, someit es jetzt nöthig war, in sei-
nem äußern nnd innern Bestande vollendet sein, Etwas fehlte noch,
was dcm Ganzen gleichsam znm Abschlusse dienen sollte.

Jn jencn Zeiten des Glaubens war eine tiefe Verehrung und Licbe
zu den Gebeinen der Heiligen, wie auch zn anderen Heiligthümern er-
wacht. Jede Kirche setzte ihrcn Nuhm in den Besitz irgend eincs hci-
ligen Leibes. So hatte König Karl selbst, Pipins Sohn, die von
ihm so sehr bcvorzugte Stadt Aachen mit seltcnen und überans kostlun
ren Heiligthümcrn, welchc ihm von den Fürsten des Morgenlandes aus
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