Falk, Valentin Alois Franz
Geschichte des ehemaligen Klosters Lorsch an der Bergstraße: nach den Quellen und mit besonderer Hervorhebung der Thätigkeit des Klosters auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft dargestellt — Mainz, 1866

Seite: 39
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Babo 875—8S1,

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XI.

Hrrdo, r!er neunte Adt 875 -881.

Die Könige Ludwig dcr Deutsche und Ludwig der Jüngere, so-
wic des Lctztern Sohn Hugo werdcn in Lorsch begraben. — Die
„bnnte" Kirchc. — Die St. Michaelskapclle und andere Alter-

thümcr zu Lorsch.

Fast Nichts meldet die.Chronik von der Person und der Thätig-
keit dcs Abts Babo; er starb am 29. Mai 881 ^). Mehrere Güter,
an der hessischen und badischcn Bergstratze gelegen, kamen 877 unter ihm
durch Schenkung König Ludwigs des Jüngern, eines Sohns Ludwigs des
Deutscheu, und eines gewissen Liuther, eiues frommen und angesehencn
Mannes, an das Kloster. Wichtige Dinge berichten die Geschichtschrei-
ber von dem Kloster selbst.

Seit Gründung des Klosters hatte das mächtige, in Karl dem
Großen am glanzvoltsten dastehende Herrschergeschlccht der Karolinge/'
in der großartigsten Weise seine Liebe zu Cancors Stiftung bekun-
det. Ludwigs des Dcutschen Liebe zu Lorsch war besouders betont wor-
den; hören wir, wie cr sie am thatsächlichsten zu erkennen gab. Es
war im Jahre 876, als sich Ludwig, von Mainz kommend, nach Frank-
fnrt begab, wo ermit den Großcn des ReichS über eiuen neuen Feldzug gcgeu
Karl den Kahlen Kricgsrath hielt. Schmerzlich berührte ihn die von
Negensburg cintreffende Nachricht vondcm Tode seiner dasclbst am 22. Angust
verstorbeuen Gattin Emma, dcren Namen sich auch im Lorscher Todteu-
buche eingetragen sindet. Er sollte sie nicht lange überlcbcn. Ludwig
siel glcich darauf in eine schwere Krankheit, wclche ihn schon am 28. August
876 dahinraffte. Stcrbend äußerte er den Umstehcnden seincn Wuusch,
in dem Klostcr, wclchem er so viele Schenkungen zugewiesen, begraben
zu werden. Sein Sohn, Ludwig der Jüngere, führte scines Vaters
letzten Willcn aufs ehrenvollste ans und ließ seinen Vater am fol-
genden Tage nach Lorsch bringen. Jn feierlichem Zuge gingen die
Mönche dem längs der Bergstraße herkommenden Tranerwagen entge-
gen; ihneu schloffcn sich zahllose Schaarcn Volks an, das dem Fürsten
die letzte Ehre erweisen wollte; dcnn die Kunde von des Fürsten
ganz unerwartetem Hingange war schnell durch allc Gaue ge-
drungen. Die Mönche hatten nun die für sie so ehrenvolle Pflicht, das sürst-
liche Grab zu bcwachen und au demiclben für die Scclenrnhe dcs da-
hingeschicdenen Gönners und Wohlthüters die Opfer dcs Gebets, der
heiligen Messe uud der Almosen darzubringen, auch alljährlich zu ivie-
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