Fliegende Blätter — 62.1875 (Nr. 1537-1562)

Seite: 193
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(fin qrmüthlichcs Zwiegespräch auf dem Birnbaum.

, m»ann. Denn daß er
^ Baumeister Hcenlsch >»ir ein g" - w -cu sjjamcn

: dttntsch dafür konnte er nicht, ^ ererbt,

feinem Vater und Großvater, nc c|ncn gehabt

i “nb hätte auch seinen Sohn so genau» , 1 «reiU^ seine

j Daß er aber Baumeister gcwordc, .- ^ ^stimmt,

! schuld. Sein Vater selig hatte 'h'' . ll, will ich

! *r «bcr sagte sich, wenn einmal gcbau ' ^ Mensch-

| 'ebcr anständige Häuser nnd dergleichc l Pj^h.

^ ^it bauen, als Rüben und Kartoffeln snr 13

hatte er sich denn von der Schule aus dem Baufach gewidmet,
frühzeitig zeichnen nnd Risse machen gelernt, später eine renommirte
Bauschule besucht, auf der er sich bald die Gesetze der Symmetrie
und der Perspektive, sowie Sin» und Geschmack für schöne und
ansprechende Formen angeeignet und einen tiefen Blick in die
Geheimnisse der Bogen- und Wellenlinie gethan hatte, und dann
nach ivohlbestandcncr Prüfung längere Zeit als Bauführer unter
dem damals berühmten Baurath Zwicker gearbeitet und mit
großem Geschick, Eifer und Umsicht Kirchen und Paläste, Villen
und schlichte Bürgerhäuser bauen geholfen.

Baumeister Hccntsch war, wie gesagt, ein guter Mann,
hatte aber in seinen jüngeren Jahren ein zu dankbares Gemüth ge-
habt. Denn als er selbständiger Baumeister geworden, hatte
er aus purer Dankbarkeit des Bauraths Tochter Eulalia gehei-
ratet. Eulalia Zwicker war zwar nur sieben Jahre älter als
er, aber doch ein ganz geschmackloses dürres Gebäude, aus lauter
Winkeln und Ecken, Spitzen und Kanten zusammengesetzt, ohne
alle Spur schöner Wellenlinien und Bogcnformcn, an deren
süßen Geheimnissen er doch sonst als Baumeister seine Freude
hatte. Nebenbei war sic zänkisch, mißtrauisch, und gar eifer-
süchtig, ivcnn er einmal freundlich that mit der Dienstmagd,
was bei seiner angcborncn Hcrzensgütc lvohl einmal vorkam.
Er war aber ei» guter Mann und hatte keine Freude an ärger-
liche» häuslichen Scene» und Auftritten, wie solche ihm seine Eulalia
nicht selten bereitete. Dann wußte er mit Glück und Erfolg den
kleinen Schalk zu spielen, that, als ob cs ihm vor die Ohren
getreten und er schivcrhörig geworden wäre, hielt mitten in der
Gardinenpredigt, in der manch' unsäuberliches Wort ihren Lippen
entfuhr, seine Hände hinter die Ohren, als wolle er die Ohr-
muschel» vergrößern und sagte feierlich: „Liebe Eulalia, ich muß
Dich bitten, etwas lauter zu sprechen; mir ist es heut' so vor
die Ohren getreten, daß ich kein Wort verstehe." Oder er
wußte das nnfstcigendc Geivittcr frühzeitig genug zu erkennen.

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Objekt
Titel: Fliegende Blätter
Detail/Element: "Ein gemüthliches Zwiegespräch auf dem Birnbaum"
Künstler/Urheber: Spitzer, Emanuel 
Inv.Nr./Signatur: G 5442-2 Folio RES
Aufbewahrungsort: Universitätsbibliothek Heidelberg 
Schlagwort: Zylinder <Kopfbedeckung> 
Freude <Motiv> 
Alkoholkonsum <Motiv> 
Karikatur 
Ehemann <Motiv> 
Umarmung <Motiv> 
Handgeste 
Moralisches Handeln <Motiv> 
Satirische Zeitschrift 
Dienstmädchen <Motiv> 
Herstellungsort: München 
Bildnachweis: Fliegende Blätter, 62.1875, Nr. 1561, S. 193
Aufnahme/Reproduktion
HeidICON-Pool: UB Fliegende Blätter 
Copyright: Universitätsbibliothek Heidelberg Die Nutzung dieses Werkes ist gemäß den Bedingungen der Creative Commons-Lizenz CC-BY-SA erlaubt (Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen).
Bild-ID HeidIcon: 179330
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