Fliegende Blätter — 72.1880 (Nr. 1797-1822)

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Dem Andenken Holtei's.

(Schlesisch.)

Biste merklich tudt, hä, mausetudt?

Huste Deine Schläsiug ganz verlusscn?

Ohne Surgen läbste, ohne Ruth,

Und doch thuste üns du diesen Puffen?

Drähst o' Rücken üns und sprichst hadjeh?

Huste nich 'n närr'schen Strcech gemacht,

Doß De iius a' Obschied hust gcgäben?

Bnle ihs de Acrdc usgcwacht.

Und de ganze Welt krigt neues Laben;

Und Du lähst Dich hien und stirbst?

Ooch kce ecnzig Licdcl singst De meh;

Olle, olle Seetcn sein zerrissen.

Und de Fader broach Der mursch atzwee.

Und de Oogen, olle beede mußt' se schlissen;
Gutt'ock, doß ma' nuf ooch plinznig find't.

Und wie wird Der durte lompcr sein,

Wennste, doß De find'st de gudcn Brüder,
Wenn mit Hübel, Reuter, och mein, mein.
Drüben singen Du wirscht neue Lieder.

Jekersch nee, wie doas a' Fest wird sein!

Und de Engerle ward'n bei Euch stiehn.

Und de Uhren ward'n se tüchtig spitzen.

„Nee, Ihr Sänger dürft nich weiter giehn.
Müßt ei Eewigkcct hie bei üns sitzen!"

Und der Härrgott nickt: „Ju, ju."

Ein zerstreuter Richter.

Zeuge (bei einer Verhandlung wegen Ehreukränkung): „Zu-
erst hat der Meier mein Dienstmädchen beschimpft, und als
meine Frau Ruhe stiften wollte, schimpfte er auch gegen diese;
als er aber auch mich zu insultiren anfing, da hatte er dem
Faß den Boden ausgeschlngen, denn ich. . — Richter:

„Wie hoch schätzen Sic das Faß?"

Himmels Segen bei Schnowitzka.

(Schluß.)

Ist gewesen des aanc Experiment mit de Agademiker Kranz.
Der hält gcmaint: Er trink Schampanier und verspeis Anstern !
und hütt er getrunken Essig und Alizarintint' und gegessen zwa
Pfund Steinkohlen — und wie er ist geweckt worden aas, hat
er gehabt kannc Molcstirung im Magen gar nicht! Und hält der
Schnowitzka nehmen wollen vor noch Annen, hob' ich aber ge-
schrieen : Graußestcr Herr Dotter, wos lassen Se sitzen so lang
unfern hanchvcrehrte Fremd Mansch! Jerobenm? Hot gefacht der
Schnowitzka: „Jetzt kommt er an de Rnih." Und hätt gefacht
zu ihm: „Will ich machen mit Ihnen mein graußestes Manever.
Worum? Weil Se m'r haben geholfen aus aanes Tags mit aanem
Darlehen, wos ich Ihnen hob' bezahlt richtig zarück und weil
Se m'r haben gelehnt vor verzehn Tagen wieder Etwas. Hob'
ich Se aber nur gestellt aas de Prob'. Worum? Weil ich
wollt' sehen Ihre Gefälligkeit, und können Se sein sicher, daß
ich Sc wcrd' bezahlen sogleich, wann ist da de Berfallzcit und
Sc m'r präsentiren Ihre Wächsel."

Hätt gesogt der Manschet: „Soll m'r sain sehr lieb.

Himmels Segen bei Schnowitzka.
graußer Herr Dotter, und werd m'r sain auch angenehm,
wenn mich bezahlt der Jtzig." Hütt gesogt der Schnowitzka:
„Hob ich Ihnen versprochen zwaa -Gulden, wann Sc m'r
dienen als „Mädium". — Da sain se! Und will ich

Ihnen geben noch zwaa mehr, wenn Se wollen sain einver-
standen mit Allem, was ich werd' thun jetzt, und ivas Se
dann thun selber".

Hätt gesogt der Manschet: „Geben Se m'r her de zwaa
andern Gulden — können Se dann machen mit Ihrer Mag-
netur und Hipnokotur, was Sc wollen." Und hätt er genommen
de zwaa Gulden mehr ganz vergingt.

Und ist dann eingerickt über ihn der Schnowitzka und ist
ihm gefahren mit der Hand über sänne lange Nos' und Stirn
Objekt
Titel: Fliegende Blätter
Detail/Element: "Himmels Segen bei Schnowitzka"
Künstler/Urheber: Oberländer, Adolf  i
Inv.Nr./Signatur: G 5442-2 Folio RES
Aufbewahrungsort: Universitätsbibliothek Heidelberg  i
Schlagwort: Karikatur  i
Satirische Zeitschrift  i
Herstellungsort: München  i
Bildnachweis: Fliegende Blätter, 72.1880, Nr. 1808, S. 90
Aufnahme/Reproduktion
Urheber: Universitätsbibliothek Heidelberg  i
HeidICON-Pool: UB Fliegende Blätter  i
Copyright: Universitätsbibliothek Heidelberg
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