Fliegende Blätter — 74.1881 (Nr. 1849-1874)

Seite: 73
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Preis des Bandes (26 Nummern) Jt. 6.70. Bei direktem
Bezüge per Kreuzband: für Deutschland und Oesterreich , .

* Jt 7.50, für die anderen Länder des Weltpostvereins ^8—. “AaI\. ^ 0.
Einzelne Nummer 30

Der Philosoph im Cigarrenladen

Verk. (legt bic Cigarren auseinander).
Phil.: „Diese Sorte scheint wohl nicht
allzulange am Lager — wie? Aber die
Cigarren müssen, wie die Menschen, erst
trocken geworden sein, um ihren Beruf
erfüllen zu können — die Cigarre in ihren
Poren, der Mensch hinter den Ohren.
Freilich, zu trocken dürfen sic Beide auch

Verkäuferin: „Sie wünschen?" —

Philosoph: „Cigarren." — Verk.:

„Zu welchem Preise?" — Phil.: „Ja,
zu welchem Preise! Das ist nun die
Frage. — Es gibt gewiß preiswürdige
Cigarren, wie es p r e i s w ü r d i g e Menschen
gibt. Die Menge hält Beide dafür, wenn
sie von vornherein einen hohen Werth
für sich in Anspruch nehmen, aber der
Kenner läßt sich hiedurch nicht täuschen.

Demnach..." — Verk. (unterbrechend):

„Wünschen Sie Inländer oder importirte?"

— Phil.: „Cigarren und Menschen
taugen nicht viel, wenn sic nicht weit her
sind. Dennoch! Etwas hint'ansetzen, blos
weil cs heimisches Produkt ist, hieße das
nicht... — Verk. (ungeduldig): „Lichte
oder dunkle?" — Phil.: „Ach, woran
erinnern Sie mich, mein geschätztes Fräu-
lein! Meine erste Liebe war ein hell-
blondes Mädchen, sanft und mild wie
die Güte selbst. Wir liebten uns mit
dem ersten, unentweihten Feuer der Jugend! 5)crf.
(verwundert): „Und Ich hätte Sie daran erinnert?" — Phil.:
„Gewiß! Mit der Liebe ist's wie mit einer Cigarre. Zum
ersten Male entflammt, sollen Beide bis zum Ende glühen. Ein
zweites Mal angefeuert ist's nicht mehr derselbe Genuß!" —
Verk. (legt mißmuthig ein Paquet lichter Cigarren auf den Tisch).

— Phil, (sanft): „Wollen Sie gefälligst das Band ablösen,
mein Kind. Solange die Menschen und die Cigarren ge-
bunden sind, lassen sie sich nicht richtig beurtheilen." —

nicht werden! (Er ergreift prüfend eine
Cigarre; kopfschüttelnd): Die Cigarren und
die Menschen sind nicht zu loben, wenn
sie locke r sind; ein festes Gefüge be-
zeichnet die edlere Sorte." — Verk.
(resignirt): „Vielleicht nähmen Sie doch
von den dunklen?" (Reicht ein anderes
Paquet hin.) — Phil.: „Sic haben

Recht! Nicht, immer entscheidet der äußere
Schein. Ein glänzendes Deckblatt, wie
oft birgt cs innere Hohlheit, ein rauhes
Aeußcre aber innere Güte und Kraft!"
(Er steht unschlüssig). — Verk. (steigt auf
einen Stuhl, um aus dem obersten Fache
Cigarren herab zu nehmen): „Ich werde Ihnen 'was ganz Be-
sonderes vorlegen. Alter Jahrgang." — Phil.: „Alter Jahr-
gang! Gar viele Cigarren bleiben, wie viele Menschen, jahre-
lang an einer einsamen Stelle verloren stehen. Nur die
wenigsten werden dadurch besser." — Verk.: „Nein, es ist
wirklich 'was ganz Exquisites — nur für bevorzugte Kunden."
— Phil. „O, wie sehr sind Sie im Rechte, mein Fräulein,
wenn Sie das wirklich Gute nur dem Kenner aussolgen!
Es gibt leider Menschen und Cigarren, die in Unrechte Hände
Objekt
Titel: Fliegende Blätter
Detail/Element: "Der Philosoph im Zigarrenladen"
Inv.Nr./Signatur: G 5442-2 Folio RES
Aufbewahrungsort: Universitätsbibliothek Heidelberg 
Schlagwort: Karikatur 
Satirische Zeitschrift 
Herstellungsort: München 
Datierung: um 1881
Bildnachweis: Fliegende Blätter, 74.1881, Nr. 1858, S. 73
Aufnahme/Reproduktion
HeidICON-Pool: UB Fliegende Blätter 
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