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Furtwängler, Adolf   [Hrsg.]
Aegina: Das Heiligtum der Aphaia (Text) — München, 1906

Seite: 116
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DRITTER ABSCHNITT

DIE RESTE ÄLTERER DEM TEMPEL
VORANGEHENDER BAUTEN

i. DER ÄLTERE TEMPEL

In der ersten Frühjährskampägne 1901 wurden im Schutte der Ostterrasse verschiedene
Architekturfragmente mit wohlerhaltenen Farben gefunden. Man erkannte in ihnen Reste
eines älteren dorischen Gebäudes, vermutlich eines früheren Tempels,* Es waren Bruch-
stücke von Kapitellen, Säulenschäften, Triglyphen, Kymatien und Mutulen. Auch ausserhalb
dieser Tiefgrabung fanden sich auf der Ostterrasse farbige Bruchstücke von Architektur-
teilen. Man glaubte zunächst alle als Überbleibsel älterer Bauten ansehen zu dürfen. Maass-
stabverschiedenheiten zeigten aber schon damals, dass nicht alle einem einzigen Bau zuge-
wiesen werden durften. Die genauere Untersuchung ergab weiter, dass 32 kleinere und
grössere Stücke durchaus mit den Formen des neuen Tempels identische Bildung zeigen,
und dass auch ihre Maasse mit den entsprechenden Abmessungen des neuen Baues genau
übereinstimmen. Sie gehören auch in der Tat diesem an. Wir scheiden also diese Gruppe
aus der folgenden Betrachtung aus. Das Ergebnis ihrer Untersuchung ist bereits im
I. Abschnitt, S. 47 bei der Beschreibung der Polychromie des neuen Tempels verwertet.

Dagegen ist die andere Gruppe von Architekturresten, die aus der Tiefgrabung
entlang der Ostmauer hervorgeholt wurde, der wahrhaftige Zeuge eines älteren Baues mit
reicher Farbengebung. Andere alte Bausteine haben wir schon bei der Beschreibung des
Südbaues (S. 102 f.) erwähnt. Es sind grosse Platten mit altertümlichen Klammerlöchern,
mit Risslinien für Wandfluchten und Säulenschäfte und ein grosses Kapitellfragment, das
als Baustein zugehauen daselbst mit den Platten zusammen verbaut war.

Auch die moderne kleine Terrassenmauer unterhalb des Südbaues enthielt antike
Bausteine. Ihr wurde ein Geisonblock, fünf andere Quadern und ein kleineres Kapitell-
fragment, das mit dem eben erwähnten zusammengehört, entnommen. Endlich lieferte
jene kleine Winkelmauer nahe am Tempel, unter der antiken Aufschüttung der Südterrasse
(vgl. Tafel 10, 2 und 19, 4), einen wertvollen Beitrag; nämlich: ein zweites Geisonstück, in den
wichtigsten Maassen mit dem vorhin genannten übereinstimmend; ferner zwei Giebelsteine
und einige andere Baureste. Ein dritter Geisonblock, der wahrscheinlich aus dem Schutt

* Vul. Fuktwanglek, Berliner pldt. IVerficiisc/iriß 1901. S. 700.
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