Die Gartenkunst — 15.1913

Seite: 185
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DIE GARTENKUNST.

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E. Barth: Gustav-Adolfplatz zu Charlottenburg. Modell aus der Vogelschau.

Charlottenburger neue Stadtplätze,

in der Ausführung begriffen im Jahre 1913, nebst kurzen allgemeinen Betrachtungen über städtische Gartenverwaltungen.

Von Erwin Barth, Charlottenburg.

Wohl kaum ist die Entwickelung einer Stadt in
den letzten Jahrhunderten mit einer solchen Geschwin-
digkeit vorwärts gegangen, wie in der königlichen
Residenzstadt Charlottenburg. Noch schneller wie das
Anwachsen der Stadt war die Entwickelung der städti-
schen Gartenanlagen. Bis zum Jahre 1885 wurden die
Gartenanlagen von Straßenreinigern unterhalten. Vor
25 Jahren bestand das ganze Personal nur aus zwei
Gärtnern, der Etat für die Unterhaltung einschl. Löhne
betrug damals 4900 Mk.; vor 10 Jahren war der Etat
bereits auf 85000 Mk. angewachsen und augenblicklich
beträgt er rund eine halbe Million, ohne die für Neu-
anlagen aufgewendeten Mittel. Der Garteninspektor
Neßler, welcher am 23. April sein 25 jähriges Dienst-
jubiläum in Charlottenburg feierte, hat mit rastlosem
Eifer in aufreibender Arbeit während dieser langen Zeit
die Parkverwaltung geleitet. Das ist eine große Lei-
stung, wenn man bedenkt, mit welchen Kämpfen, oft
mit Intriguen verbunden, die Leitung eines solchen
Amtes verknüpft ist in einer Stadt mit einem fast
ungesund schnellen Wachstum.

Im Jahre 1908 wurde die Gartendirektorstelle
geschaffen, sie wurde aber erst im Jahre 1912 be-
setzt. Bis zur Besetzung der Gartendirektorstelle
wurden viele Arbeiten aufgeschoben, und daher
kommt es, daß jetzt eine so große Anzahl von
Neuanlagen auf einmal zu entwerfen und auszuführen
ist. Die Bebauungspläne wurden in früherer Zeit von
Verkehrsingenieuren allein aufgestellt; der Garten-
künstler, welcher sich mit Städtebau beschäftigt hat,
kann das aus dem Stadtplan von Charlottenburg so-
fort erkennen. Die Verkehrsfragen sind dabei in vor-
züglicher, großzügiger Weise gelöst, es sei hierbei

auf die 60 m breite Döberitzer Heerstraße, den Kaiser-
damm und die Bismarckstraße hingewiesen. Daß für
die künstlerische Seite des Städtebaues und der städt.
Gartenkunst eine solche teilweise von einseitigem Ge-
sichtspunkt aus betrachtete Aufstellung von Bebau-
ungsplänen nicht von Vorteil ist, braucht in heutiger
Zeit nicht mehr auseinandergesetzt zu werden. Jetzt
werden die Pläne unter Zusammenwirkung von In-
genieur, Baukünstler und Gartengestalter aufgestellt.

Diese Einrichtung sowie den schnellen Aufschwung
des städt. Gartenwesens verdankt Charlottenburg nicht
zuletzt dem leider am 27. März dieses Jahres verstor-
benen Oberbürgermeister Schustehrus, einem groß-
zügig veranlagten Manne, der ein volles Verständnis
für die soziale Bedeutung der Gartenkunst hatte, der
mit starkem Rückgrat das freie Wort gelten ließ und
welcher mit warmem Herzen stets mit ganzer Energie für
die wahrhaft sozialen Interessen der Bevölkerung eintrat.

In Städten mit einem Bürgermeister, welchem
diese Erkenntnisse und Eigenschaften fehlen, der ein
peinlich gewissenhafter Bürokrat ist, der dem Garten-
direktor nicht genügend freie Hand läßt und seine
Arbeitskraft in Kleinlichkeiten zersplittert, wird die
Gartenkunst sich nur selten voll entwickeln können.
Manche Stadt in Deutschland gibt trotz tüchtiger
Gartenbeamten ein bedauerliches Beispiel davon; mit
der fortschreitenden Erkenntnis der sozialen Bedeutung
städtischer Gartenkunst werden aber auch diese Fälle
seltener werden. Auch auf die Tätigkeit der Garten-
direktoren der Großtädte soll hier, eingegangen werden.
Die Stellung dieser Beamten ist in den letzten Jahren
eine andere geworden, wie vorher, sie hat sich bedeu-
tend gehoben. Auch hier muß man manchem den Vor-
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