Genelli, Hans Christian  
Das Theater zu Athen: hinsichtlich auf Architectur, Scenerie und Darstellungskunst ueberhaupt erläutert — Berlin und Leipzig, 1818

Seite: 159
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fenbaren, so ist dagegen diese Tril<%ie für-nns noch das einzige Beispiel, das uns die-
selbe durch ihre Folge und Verbindung in.weiterem Umfange darbietet.

Unstreitig ist die Qre&tik einmal in ihrem Zusammenhange aufgeführt worden:
die Zeit,'wann dies geschehen!\,ist nicht ausgemacht und kann auch uns hier gleichgül-
tig sein. Immer ist sie ein Werk aus dem reifsten Alter des Dichters, der auch, durch
dieselbe den Preis gewonnen haben soll. Bekanntlich bestehet sie aus den drei tragi-
schen Stücken: Agamemnon; die Choephoren, das heifst Die das Todten-Opfer brin-
gen; und die Eumeniden; und das Drama satyrikon, oder das.Nachspiel, Welches ver*
loren gegangen, führte den Nahieri Proteus, und stellte den Besuch des Mehelaos bei
diesem prophezeienden Meergott vor, von welchem jener Aufschlüis über die feineren
Schicksale seines Hauses erzwang, stand also in gewisser Beziehung mit den vorherge-
henden tragischen Stücken. Diese aber stehen wieder, als Theile eines Ganzen, unter
sich in ähnlicher Beziehung, wie ;jene drei Theile, welche theoretisch Aristoteles auch
in jeder dramatischen Handlung für sich betrachtet verlanget, nehmlich Prologos, Epi-
sodion, Exodos. Jedes Stück'in sich ist so gegliedert; zu einander aber stehen sie wie-
der in dem nehmlichen Verhältnifs. Der Mittelpunct des ganzen Werkes, die Haupt-
that, worauf es angelegt ist, giebt unter den vielen und blutigen Gräueln in dem Hause
der Atreiden jene lezte Bache, die in den Choephoren ausgeführt wird: die Ermordung
Agamemnons, wie sehr sie auch dramatisch als selbständige Handlung aufgestellt ist, ste-
het doch in der Verbindung des Ganzen als Veranlassung zu jener da und knüpfet
diese dramatische Darstellung! an jene frühere grofse National-Begebenheit, den tro'ischen
Krieg an, wie ihre Folge in den Eumeniden den Ausgang giebt, der sie wieder an das
nähere Interesse der Athenäer selbst knüpfet. In Folge dieser gegenseitigen Beziehun-
gen herrscht in den Choephoren auch das innigste Pathos. Das Stück hebt sogleich
mit dem Vorsaz und der Ankündigung der That an, und beschäftiget bis zu Ende sich
allein mit ihr: in jenem dumpfen Brüten und düsteren Verweilen, wie einer schweren
Gewitter-Wolke, findet sich die gröfste innerliche Bewegung und Erschütterung. Auch
herrscht in diesem Stücke eine ganz eigene Heimlichkeit (oder will man es Heber Häus-
lichkeit nennen?) darin, dafs jedes fremde Auge von der Handlung entfernt bleibt, und
selbst der Chor einigermafsen Theilnehmer an der That, und nicht blofser Zeuge ist.
Dagegen behauptet hn Agamemnon das dramatische Spiel mehr den Charakter einer öf-
fentlichen Sache: der äufsere Änlafs selbst, die Rückkunft Agememnons, ist eine allge-
meine Angelegenheit, die daher einen Chor von Bürgern herbei führt, welcher an der
eigentlichen That gar keinen Theil hat,- vielmehr sich als' verdammender Zeuge und
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