Hinweis: Ihre bisherige Sitzung ist abgelaufen. Sie arbeiten in einer neuen Sitzung weiter.

Gerhard, Eduard
Auserlesene Griechische Vasenbilder, hauptsächlich Etruskischen Fundorts (Band 2): Heroenbilder — Berlin, 1843

Seite: 161
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/gerhard1843bd2/0165
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
161

TAFEL CXXXV —CXLH.

GEHEIMDIENST DES HERAKLES.

Unter der allgemeinen Bezeichnung herakleischer Mysterienbilder verei-
nigen wir hienächst mehrere, sämintlich archaische, Darstellungen, welche
uns theils auf Läuterung (CXXXV) und Opfer (CXXXVI) unsres Helden,
theils auf dessen schon vorher berührte Unterweltsfahrt (CXXXV1I—CXL),
theils auf sein im Verfolg bacchischer Weihe begründetes (CXLI) Liebes-
verhältnifs zu Pallas Athenen (CXLII) bezüglich scheinen.

CXXXV, Herakles am Brunnen; bacchische Amphora des Prinzen
von Canino (*), gegenwärtig im brittischen Museum. — Wie das unmit-
telbar vorher betrachtete Bild, scheint auch das vorliegende Gebräuchen
zu gelten, die Herakles als Götterdiener erfüllt. Wir erblicken ihn im
Vordergrund einer reich strömenden Quelle; Keule, Köcher und Bogen
sind nebenan zu bemerken. Der Held ist entkleidet und schaudert zu-
rück vor dem auf ihn ergossenen Wasserstrahl. Dieser kommt von der
Höhe eines Felsblocks, aus einem Löwengesicht, wie es bei Brunnen
üblich ist, ihm entgegen. Über die Fülle des Wassers erstaunt, jauchzt
hinterwärts eine Figur, die man nach Reisehut und Beschuhung für Her-
mes (2), allenfalls auch für Hephästos (3) halten möchte, wegen ihrer un-
tergeordneten Gröfse jedoch vermuthlich auf Iolaos zu deuten hat.

Mehr denn eine Erklärung wird durch dies merkwürdige Bild uns her-
vorgerufen. Der Möglichkeit zu geschweigen, dafs eine Quelle den örtlichen
Hintergrund irgend einer herakleischen Heldenthat bilden könne (4), bieten

(*) De Witte Cabinet etrusque no. 82.

(2) So auch De Witte a. a. 0.

(s) Der Gedanke an Hephästos wird nahe ge-
legt durch dessen Antheil an derWohlthat warmer
Quellen.

Gerhard Vasenbilder. II.

(*) So im räthselhaften Durand’schen Pracht-
gefäfs, welches auf die Erlegung einer (obwohl
einköpfigen) Hydra gedeutet wird (De Witte Cab.
Durand no. 270). Vgl. Über die Metallspiegel
Anm. 104 b.

21
loading ...