Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst   [Hrsg.]
Die Graphischen Künste — 2.1880

Seite: 45
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WENTZEL JAMITZER'S

ENTWÜRFE ZU PRACHTGEFÄSSEN IN SILBER UND GOLD.

In photolithographischen Nachbildungen herausgegeben von R. Bergan.
Berlin, Paul Bette, 1880,

ENTZEL JAMITZER, der hochberühmte Nürnberger Goldschmied, dessen künstlerische
Thätigkeit das halbe Jahrhundert von 1534 —1583 füllt, ist in seinem Fache der erste
deutsche Meister gewesen, der mit den gothischen Kunstformen vollkommen brach und
sich ganz der italienischen Renaissance zuwendete. Viele seiner ungemein zahlreichen
Gefäss-Compositionen hat er sclbst in Edelmetall ausgeführt; ein weit grösserer Theil
blieb bloss auf dem Papiere und ist unserer Kenntniss dadurch erhalten, dass die
Entwürfe als Vorlagen zur Benützung für Zunftgenossen ihres Urhebers durch Kupfer-
stich, Radirung und Holzschnitt vervielfältigt worden sind. R. Bergan hat das Verdienst,
eine grosse Anzahl derartiger Reproduktionen zuerst als Werke Jamitzer's erkannt zu
haben, und er ist wohl am meisten berufen gewesen, eine Publication der äusserst seltenen Blätter, welche bei der
gegenwärtig so stark gestiegenen Nachsrage nach allen sogenannten„Ornamentstichen"für die Liebhaber, geschweige
denn für Kunsttechniker, geradezu unerschwinglich geworden sind, zu veranstalten. Bergan theilt die Entwürfe in drei
Klassen: in die nicht bezeichneten Kupferstiche, 33 an der Zahl, die man bisher dem „Meister vom Jahre 1551" zuzu-
schreiben pssegte und die der Autor zuerst als eigenhändige Arbeiten Jamitzer's nachgewiesen hat; ferner in die von
dem Nürnberger Stecher Virgil Solis (1514—1562) radirten und bloss mit seinem Monogramm bezeichneten Blätter,
welche aber zweifellos Reproduktionen von Entwürfen Jamitzer''s sind und deren Zahl auch Bergan nicht genau fest-
stellen konnte; endlich in 9 Holzschnitte aus der 1547 zu Nürnberg erschienenen „Perspcctiva" des G Rivins, zu
denen Wentzel Jamitzer, zum Theil mit Benützung anderweitiger Vorbilder, die Zeichnungen geliefert hat. Nach
diesen Kategorien hat der Herausgeber die Compositionen, so weit sie bis nun bekannt geworden sind, sehr zweck-
mässig und übersichtlich zusammengestellt.

Mit dieser Publication hat Bergan zunächst den Zweck verfolgt, die Entwürfe des Nürnberger Meisters in
unseren kunstgewerblichen Schulen und Werkstätten als nachzuahmende Vorbilder einzubürgern, wesshalb die
Reproductionen nicht in der Technik der Originale, sondern auf dem weitaus billigeren Wege der Photolithographie
in der Anstalt von Kantenfeter & Haas in Nürnberg hergestellt wurden und behufs Erzielung eines gleichförmigen
Formates zum Theil eine Reduction, zum Theil eine geringe Vergrösserung erfahren haben. Den Sammlern bietet
die Publication, ausser dem interessanten Essay Bergan 's, einen nach dem gegenwärtigen Stande der Forschung als
vollständig zu betrachtenden Katalog der Reproduktionen von Jamitzer's Gefäss-Compositionen, welcher um so
willkommener ist, als ein bloss beschreibender Katalog bei der grossen Ähnlichkeit vieler Objecte unter einander
für die Bestimmung einzelner Blätter keine durchwegs zureichenden Anhaltspunkte gewähren kann. Es unterliegt
keinem Zweifel, dass das besprochene Werk nach beiden Richtungen hin sich der verdienten Aufnahme erfreuen
und seinen doppelten Zweck vollständig ersüllen werde.
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