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Dragendorff, Hans [Hrsg.]; Hiller von Gaertringen, Friedrich   [Hrsg.]
Thera: Untersuchungen, Vermessungen und Ausgrabungen in den Jahren 1895 - 1902 (Band 2): Theraeische Gräber — Berlin, 1903

Seite: 127
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Abb. 311. Amphora der Sammlung Delenda in Thera. Höhe 0.40™.

Viertes Kapitel.

Die archaischen Thongefässe von Thera.

1. Einleitendes.

Bei der Durchsicht der Vasen, welche aus den Gräbern auf Thera stammen, wird Mannigfaltig
jedem sofort die große Mannigfaltigkeit der vertretenen Gattungen auffallen. Obgleich es
zeitenweise ein blühendes Töpferhandwerk auf Thera gab, das einen eigenen Stil entwickelt
hat, sind doch in Menge Erzeugnisse anderer griechischer Töpfereien nach Thera eingeführt
worden. Etwa die Hälfte der archaischen Gefäße, die auf Thera gefunden sind, kann man
als Einfuhr betrachten. Manche dieser fremden Vasengattungen treten nur in wenigen Bei-
spielen auf; es sind zufällig in theräischen Besitz geratene vereinzelte Stücke. Andere dagegen
finden sich in solcher Zahl, daß wir eine ausgedehnte und dauernde Einfuhr derselben fest-
stellen können. Analogien dafür sind unschwer zu finden. Auch in Samos, über dessen
archaische Nekropole wir durch Böhlaus vortreffliches Buch belehrt worden sind, haben wir
neben einer blühenden einheimischen Thonindustrie eine ausgedehnte Einfuhr fremder Thonware.
Und eine ähnliche bunte Musterkarte verschiedener Stile und Gattungen bietet noch manche
andere archaische Nekropole.

Im Gegensatz dazu zeigen andere Fundplätze ein auffallend einheitliches Bild, das
einheitlichste bisher wohl die archaische Nekropole von Athen, die durchaus beherrscht ist von
dem Dipylongeschirr. Der Grund dafür ist nicht so sehr in dem blühenden attischen Töpfer-
handwerk zu suchen, das in späterer Zeit freilich die Einfuhr fremder Thonware so gut wie
völlig abgeschnitten hat. Der mangelnden Einfuhr fremder Thongefäße nach Attika entspricht
die fast völlig mangelnde Ausfuhr attischer Thonware in dieser ältesten Zeit. Dipylongefäße
finden sich in größerer Zahl außerhalb Attikas nur in seinen unmittelbaren Grenzgebieten, in
Böotien und Aigina. An weiter entfernt liegenden Fundorten ist kaum ein sicheres attisches
Gefäß gefunden worden. Diese Beobachtungen passen zu der geringen Rolle, die Attika in
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