Innendekoration: mein Heim, mein Stolz ; die gesamte Wohnungskunst in Bild und Wort — 51.1940

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INNEN-DEKO RATION

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WANDMALEREI IM MUSIKSTUDIO DES FUNKHAUSES WIEN

VON PROFESSOR HILDA SCHM1D-JESSER-WIEN

ird dekorative Malerei oder Plastik angewandt,
so darf sie nicht als zufälliges, selbständiges
Schmuckelement erscheinen. Es kommt ihr ein sehr
wesentlicher Anteil an der Gestaltung und Steigerung
des Ausdruckes der Architektur zu. Nicht nur als be-
reicherndes Element, sondern als kompositioneller
Faktor. Ausmaße und Verhältnisse der Ausmaße un-
tereinander, des Wandausschnittes zur Wand sind be-
stimmend für den Ausdruck der Architektur. Maler
oder Bildhauer muß die Intentionen des Architekten
erfassen und mit seiner Arbeit in kompositionellem
Sinne »mitbauen«. Eben dieses »Mitbauen« macht
auch die Wandmalerei weit über die bloße Lösung
des Thematischen hinaus zu einer immer wieder
neuen, fesselnden und zugleich aufregenden Aufgabe.

Diese Aufgabe ist alt, in allen Zeiten da gewesen,
tausendmal gelöst und doch durch neue Gegebenhei-
ten immer wieder neu. Es gilt, Räumen mehr noch

den Ausdruck des von der Umwelt Abgeschlossenen,
der Konzentration, zu geben, um sich in diesen Räu-
men sammeln zu können oder geborgen zu fühlen.
Oder aber es gilt Wände aufzutun, zu durchbrechen,
dem Raum Weite, Leichtigkeit zu geben. Es gilt bei
einer Decke noch mehr den Charakter des Schützen-
den zu betonen, sie optisch herunterzuziehen, oder es
sind die aufstrebenden Elemente eines Raumes zu
unterstreichen. Die Ausdrucksmittel sind sehr man-
nigfaltig, oft erstaunlich einfach und doch für den Be-
schauer nicht immer ablesbar, zumal er sich lediglich
auf die Betrachtung des »Thematischen« verlegt.

Die Architektur des Musikstudios im neuen Funk-
hause des Reichssenders in Wien ist eine Zweckarchi-
tektur, der genaue akustische Messungen und Berech-
nungen zugrunde liegen. Der Saal ist über 18 m lang,
etwa 12m breit und 7m hoch. Die beiden Längswände
verlaufen nicht ganz parallel, sondern die Rückwand,

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