Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien)
1.1883
Seite: 139
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Adrian de Fries.

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Noch eine Figur, deren gegenwärtiger Verbleib sich leider nicht erweisen lässt, kommt anlässlich des
Waldstein'schen Auftrages in Betracht. Schottky in seinem Werke: «Prag wie es war und ist»,1 bemerkt,
dass 1794 in dem Journale: «Böhmen für Böhmen» der Bericht eines schwedischen Reisenden abgedruckt
wurde, welcher 1688 das Waldstein'sche Palais besichtigte und dabei mittheilt, dass in dem Park der bronzene
Herkules gestanden, «welcher nun zu Drottningholm ist». Schottky selbst ergänzt diese Bemerkung
folgendermassen: «Graf Joachim von Sternberg sah diesen Herkules noch im Jahre 1794 daselbst (Drottningholm
). Mit dem Grafen Sternberg war auch der böhmische Gelehrte Dobrowsky in Schweden, und nach
der von ihm publicirten Schrift:,Reise nach Schweden und Russland', Prag 1796, soll auch er den Herkules
in Drottningholm gesehen haben.» Weiters gibt uns das bereits angezogene Inventar vom Jahre 1634 einen
Fingerzeig auf die ursprüngliche Aufstellung der Statue. Es heisst daselbst nach der Beschreibung des
grossen Bassins mit seinem Figurenschmucke:
«Unterhalb diser Röhrkasten:
Eine ganz grosse von Metal von unten biss hinauf gegossene grosse Schalen, in der mitten stehend
ein grosses Bildt von Metal.»

Herr Ermer theilt mir mit, dass der Tradition und schriftlichen Aufzeichnungen zufolge dies ein
Herkules gewesen sei. Die Schale soll bis zur Mitte des XVIII. Jahrhunderts im Parke gestanden sein und
kam dann in das Schloss zu Dux. Eine grössere Schale trägt eine zweite, kleinere, und erhebt sich selbst
auf einem vierseitigen Erzpostament, worauf das Friedländische Wappen und die Inschrift:

i63o
Albertus D. G. Dux Megapol.
Friedl. Et Saga. Princ. Vandal.

Unter dem Wappen steht die höchst interessante Inschrift:

Benedict Wurzelbauer zu Nürnberg goss mich.

Der berühmte Urheber des Brunnens an der Lorenzkirche in Nürnberg war also auch für den kunst-
sinnigen Friedländer thätig.

Wurzelbauer wurde 1600 nach Prag berufen, wo er noch einen anderen Springbrunnen mit einer
Venus, Cupido und Delphin im Gewichte von 5o Centnern gegossen hat und 1620 gestorben sein soll, was
durch dieDatirung unseres Bassins nicht wahrscheinlich wird. Da dieser Künstler nun besonders im Figuralen
an seinen Werken sich tüchtig erweist und ferner die D u d i k 'sehen Angaben von einem Herkules zu Drottningholm
keine Spur finden lassen, endlich 163o für Adrian de Fries ein zu spätes Datum sein dürfte, so glaube
ich nicht, dass hier eine Schöpfung unseres Meisters verstanden sein könnte.

Wir haben im Vorstehenden die rege Schaffenslust des Meisters von 1576 bis 1627, das sind 5i Jahre,
verfolgt. Ein späteres Datum ist mir nicht bekannt. Wenn Fries nach der gewöhnlichen Annahme um
i56o geboren war, erreichte er also ein Alter von gegen 70 Jahren.

Ausser den bereits angeführten Werken, welche datirt sind oder deren Entstehungszeit — wie z. B.
bei dem Relief — sich aus dem Gegenstande bestimmen lässt, haben wir noch von einigen anderen durch
Kupferstiche Kunde, ohne dass über ihre Existenz zur Zeit etwas bekannt wäre. Ich führe dieselben im Folgenden
an:

Der Raub der Sabinerinnen -— wie Bartsch (77—79), Winkler, Füessly die Blätter benennen —
richtiger: Ein Römer mit einem Sabinerweibe ringend, nackte Gestalten, auch das Weib auf dem Boden
stehend, also keine sogenannte Raptus-Darstellung, wie das berühmte gleichinhaltliche Werk des Giovanni
da Bologna, womit diese Arbeit seines Schülers gar keine Verwandtschaft hat. Jan Müller stach die Gruppe
(mit landschaftlichem Hintergrund) in drei Ansichten: der Mann von rückwärts, von vorne, linke Seitenansicht
. Die Disticha haben kunstgeschichtlich keine Bedeutung. Die Inschrift des ersten Blattes lautet:
Has effigies per Adrianum de Fries Haghien . e cacra formatas Joann. Mullerus aeri ineidit . Harmannus
Mullerus exudebat. Amsterodamj. Auf dem zweiten Blatte: Adrianus de vries Hagien. inuentor . Joan. Muller
sculpsit. Auf dem dritten dieselbe Bezeichnung und noch, auf Harmann bezüglich, die Worte: Muller ex.

1 P- 54.

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