Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien>   [Hrsg.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 3.1885

Seite: CLXIII
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URKUNDEN UND REGESTEN

AUS DER

NIEDERÖSTERREICHISCHEN LANDES-BIBLIOTHEK UND ARCHIV

ZU WIEN.

HERAUSGEGEBEN VON

DK- HEINRICH ZIMERMAN.

3038 Auszüge aus dem Arlberger Bruderschaftsbuche.

Der in Pergament gebundene Papiercodex Nr.328
der niederösterreichischen Landes-Bibliothek mit den
Aufschriften: «.Arlberg» und «Findelkind auf dem Arl-
berg ißgo» ist eine Copie des Arlberger Bruderschafts-
buches aus dem 16. Jahrhundert, deren Vorhandensein
als um so erwünschter erscheinen muss, als das Ori-
ginal, wie bereits oben bei Besprechung des im k. u. k.
Haus-, Hof- und Staats-Archive befindlichen Exem-
plars des Näheren ausgeführt wurde, keineswegs in sei-
nem ursprünglichen, sondern nur in unvollständigem,
verstümmelten Zustande auf uns gekommen ist und in
Folge dessen die Copie vielfache Ergänzungen bietet.
Dieselbe ist durchgehends von einer und derselben Hand
geschrieben und besteht aus 300 Folien, die eine Höhe
von 33 und eine Breite von 23 Cm. haben. F. 1—3 ist
ohne Foliennummern und erst auf f. 4 beginnt die offen-
bar gleichzeitige Foliirung mit arabischen Ziffern mit
f. 1; es wiederholen sich dann f. 108—110, indem auf
f. 110 abermals f. 108—110 mit anderen Wappen und
Texten folgt und die Foliirung erst dann wieder von
f. in an fortläuft. Dagegen wurden die Foliennum-
mern i56, i5j, i58, i5g und 244 wahrscheinlich durch
ein Versehen schon bei der Foliirung übersprungen; denn
für ein nachträgliches Ausfallen dieser Blätter bietet der
Augenschein keinerlei Anhaltspunkt. Dagegen scheinen
allerdings vor dem ersten foliirten Blatte ein oder meh-
rere Blätter ausgefallen zu sein; denn die auf der Rück-
seite des letzten nicht foliirten Blattes stehende Copie
der Gründungsurkunde des Heinrich Findelkind, welche
im Original vollständig erhalten ist, bricht hier am Ende
einer Zeile mitten im Texte mit den Worten: und fienge
an mit den 15 guldin, die ich plötzlich ab. Auf der
Vorderseite des zweiten unfoliirten Blattes findet sich
dann noch von einer etwas unbeholfenen Hand, die wohl
erst dem vorigen Jahrhundert angehört, die Eintragung:
Wappen aller fürsten und herrn des heiligen Römischen
reichs und was sie jährlich zahlen müssen 1579 zur
brüderschaft zu ehren des heiligen Christoph und der
heiligenKatherine auf demArlberg, angefangen 1396 (!).

Ein Vergleich der erwähnten Abschrift der Grün-
dungsurkunde mit der Copie, welche im Originalcodex
eingetragen ist, ergibt für die Genauigkeit unseres Copisten

kein besonders günstiges Resultat; denn abgesehen von
rein orthographischen Varianten fehlt es auch nicht an
Missverständnissen und hie und da auch an Auslassungen,
welche, wäre uns nicht jene ältere bessere Copie erhalten,
das Verständniss des Textes wesentlich erschweren wür-
den. Allerdings scheint schon zur Zeit, als unser Codex
angelegt wurde, das Original nicht mehr in gutem Zu-
stande gewesen zu sein, so dass dem Copisten Vieles
schon damals als nicht mehr leserlich erschien. So ist
auf einem ^wischen f. 117 und f. 118 eingeklebten Zettel
von der Hand des Codex ausdrücklich bemerkt: Die
schrift bei disen wappen hau im original niemand
sehen und lesen mügen, dan es gar abgethan ist. So
findet sich denn auch im Codex eine grosse Anzahl von
Wappenzeichnungen ohne Hinzufügung eines Textes,
was freilich namentlich am Schlüsse von f. 2go bis 2g5
auch damit erklärt werden kann, dass man zuerst die
Wappen malen Hess in der Absicht, den Text später
einzuschreiben oder einschreiben zu lassen, was aber
nachträglich versäumt wurde.

Die Frage, ob dem Schreiber unserer Copie un-
mittelbar der Codex des Staats-Archives, ein zweites
Exemplar oder auch nur eine Copie desselben als Vor-
lage diente, lässt sich bei der Ungenauigkeit des Erstem,
der vollkommen geänderten Reihenfolge der Wappen
und dem verstümmelten Zustande, in welchem uns das
Original erhalten ist, wohl kaum mehr mit Bestimmt-
heit entscheiden.

Noch eines bei genauerer Durchsicht unserer Copie
auffallenden Umstandes muss hier gedacht werden. In
zahlreichen Fällen sind nämlich ein und dasselbe Wappen
oder ganze Reihen von Wappen, manchmal mit ganz
gleichem, manchmal mit nur wenig geändertem oder ge-
kürztem Texte, wiederholt eingetragen. So kehren
fünf Wappen von f.'2g' und das erste von f. 30 wieder
f. 285', 286, die Wappen f. 76"—79 mehrfach wieder
f. 282'—284', drei Wappen von f. j6 wieder f. 282, das
auf f. 16 stehende Wappen des Ritters Georgvon Zwingen-
stein, von dem auch hier bemerkt wird, dass er der Erste
war, welcher sein Wappen einzeichnen Hess, wieder f. 252
und ein drittes Mal f. 26g. Diese Fälle mögen nur als
Proben für zahlreiche andere dienen; auf einzelne weitere
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