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Maximilian <Römisch-Deutsches Reich, Kaiser, I.>  ; Schultz, Alwin   [Hrsg.]; Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien>   [Hrsg.]; Treitzsaurwein, Marx [Bearb.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien): Der Weisskunig — Wien, 6.1888

Seite: 39
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gesalbt, also werdest du durch die unsichtperlichen gotes genad gesalbet, das du vermeidest alle un-
zimliche ding und die fliechen und versmahen mugest, und allezeit begeren und betrachten zu wurken
nutze werk, zu hail deiner seel, (fol. 76a) mit hilf unsers herrn Jesu Cristi.« Darnach setzet der babst der
kunigin aine schöne krön auf ir haupt, gar kostlichen gemacht, die ir in sonderhait mit grosser zier was
zuberait, und der babst sprach dise wort: »durch das ampt unser wirdigkait bist du erweit und gesegent zu 5
ainer kunigin und nym hin die cron, die dir mit unsern unwirdigen bapstlichen henden ist aufgesetzt, und
als du auswendig bist gezieret mit gold und vein perlin, also geruech und vleyss dich, inwendig geziert
zu werden mit gold gütlicher weishait und mit vein perl der tugend, das du nach disem leben dem
ewigen preutigam mitsampt den weisen junkfrawen ain wirdige kunigin entgegen komest.« Und also
ward sy frölichen gewirdiget zu ainer mächtigen kunigin aller weit und also gekrönt gefuert wider in iren 10
köstlichen stuel. Darnach laß der (fol. 76 b) babst die secret und verpracht das ampt und wandlet got. Da
nun unser heiliger vater der pabst das heilig sacrament niessen solt, gieng er vom altar hinauf in seinen
stuel, der was hoch, das ine meniglichen sehen mocht. Da pracht man ime gar ain kostliche paten,
darauf lag der wirdigst fronleichnam Cristi, als er in vor het consecrirt, und waren von ime drey tail
daraus getailt. Also auf beruefen des babsts gieng der alt weiß kunig und die kunigin auf den stuel zum 15
babst, und unser heiliger vater der babst emphieng das ain tail des wirdigen sacraments gar andächtiglichn
aus seinen aigen henden. Indem knyelet der kunig und die kunigin vor dem babst nider und emphiengen
die andern zway tail des wirdigen sacraments von dem babst, auch gar wirdiglichen und mit sonder grosser
andacht und (fol. 77") diemuetigkait. Es ist nach sölicher emphahung mit grossen frewden gesungen
worden: »Te deum laudamus, wir loben dich got«, und man hat auch alle glocken geleit, und der babst 20
hat das gütlich ampt mit grosser zier und andacht verpracht, und jederman, die gegenwurtig waren, seinen
segen mit nachlassung irer sund gegeben. Wer hat je gehört und gelesen desgleichen, das ain junkfraw
vor der leiplichen verainigung, ee sy von irem gemahl beschlafen ist, mit der höchsten kuniglichen cron
zu Rom also gütlichen und wirdiglichen sey gekrönt, gesalbt, geweicht und gesegent worden? Davon noch
mer zu schreiben were, aber ain jeder, der die geschrift gelesen und ainen verstand hat, der wird die 25
schrift, die ich von kurz wegen erlassen hab, selbs ermessen.

Wie unser heiliger vater der babst, der alt weiß kunig und die kunigin aus dem (fol. 78a)
münster giengen, und was eer und frewd weiter gehalten ward.

ls die götlich eer und das wirdig ampt ganz verpracht was, da gab unser heiliger
vater der babst dem alten weißn kunig die schon guldin rosen von Jericho, die der 30
babst alle jar ausgibt an dem tag, daran man singt: »frew dich Jerusalem.« Der babst
gieng auch mit allen seinen cardinalen und bischofen zu dem kunig und kunigin und
fueret sy under iren krönen aus dem munster. Nemlichen vor dem babst trueg man
das creuz und vor dem alten weißen kunig den apfl, das zepter und das swert. Es gieng
auch zu nagst vor dem alten weißn (fol. 78b) kunig der schön kunig Lasla, trueg ainen guldin leichter, 35
darynnen ain kerz von weißm wax, die da pran, zu ainem zaichen der eer, so die kunig haben sullen,
und zu ainer bedeutung, das die kunig leben sollen in dem götlichen Hecht der gereebtigkait, wahrhait
und eer. So was auch mit den trumeten, pusaunen und anderm saytenspil ain sölicher schal, dardurch
alle herz, die sölichs höreten und Sachen, erfrewt waren. Die kunigin ward gefuert in iren palast, und der
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