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Maximilian <Römisch-Deutsches Reich, Kaiser, I.>  ; Schultz, Alwin   [Hrsg.]; Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien>   [Hrsg.]; Treitzsaurwein, Marx [Bearb.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien): Der Weisskunig — Wien, 6.1888

Seite: 60
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deiner lerung hab ich ain sonder gefallen, und wellest die mit tugent und gueten nutzen werken vol-
pringen.« Darauf gab ime der sun die antwurt: »den gueten samen der tugent und kunst, den ich gesaet
hab mit meinem vleiss, der wird in meinen jaren schöne pluemen tragen, dardurch dein garten vol solle
werden des suessn gesmack, und ich wird meinen gueten samen under dem pösen kraut, das sich selbs
S säet und uberflüssig wachst, nit lassen steen, sonder in aller maß, wie ich meinen gueten samen mit emsigem
vleyss gesaet hab, also wil ich das pöß krawt mit ernst davon auswerfen und vertilgen.« Der alt weiß
kunig verstund die red seins suns gar wol und sprach: »dein gleichnus wird geoffenbart mit deinen
werken.« Wie groß frewd hat der (fol. nib) alt weiß kunig in seinem herzen und allem seinem gemuet
gehabt ab disem seinem sun, der da erzogen ist worden in der gehorsamkait des vaters und in der forcht
10 des allmechtigen gots! Und als er kumen ist zu seinen jaren und in sein regierung, hat er erfult sein red,
dann in allem seinem reiche wurde gesagt von seinen tugenden; das ist der garten mit den schön
pluemen. Er gestattet auch in seinem reich kain rawberey, sonder durch seine reich war ganz sicher zu
ziechen, desgleichen in der weit nit was; das ist die Vertilgung und ausreutung der pösen kreuter.

(fol. 113a) Wie der jung weiß kunig betrachtet das gehaim wissen und erfarung der weit.

barung thun, aus der ursach den sun in seinem verstand zu versuechen und zu (fol. 113 t1) probieren. Der
sun ließ sich nit merken, sonder er betrachtet emsiglichen; er laß auch geschrift, die da saget von den
vergangen geschienten und von der menschen natur und gemuet und von irn Stenden, darynnen er mit
grosser mue das gehaim wissen fand, wie die weit geregirt mueßet werden; das beschach allain aus

25 seinem verstand, sonst het er sölichs aus der schrift allein nit finden mugen. Solt ich dasselb gehaim
wissen hierinnen beschreiben und offenbaren? ist on not, dann es gehört allein den kunigen zu. Nach
sölichem kam der jung weiß kunig zu seinem vater und sprach: »vater, ich hab gedacht an dein väterliche
underweisung mit der erfarung der weit und hab in mir erfunden, das mir sölichs zu wissen not sey, und
mich mit lesung der schrift (fol. 114a) und betrachtung meins gemuets sovil und vleissiglichen geübt, das

30 ich hof, ich hab das gehaim wissen und erfarung der weit begriffen« und hueb dem vater an zu sagen von
der weit, von irer regirung und gemuet, anfenklichen von den Stenden (vom babst auf dem cardinal,
von dem cardinal auf dem bischof, von dem bischof auf die priesterschaft, von der priesterschaft auf die
munich, von den munichen auf die klosterfrawen, darnach von den kunigen auf den erzherzog, von dem
erzherzog auf die fursten, von den fursten auf die grafen, von den grafen auf die herrn, von den herren auf

35 die ritterschaft, von der ritterschaft auf den adl, von dem adl auf die burgerschaft, von der burgerschaft auf
die paurn) und erzelet seinem vater fünf artikl: der erst, von der almechtigkait gots; der ander, von dem
einfluss (fol. 114 b) der planeten; der drit, von der Vernunft des menschn; der viert, von der zu vil senftmuetig-
kait in der regirung; der fünft artikl, zu streng in dem gewalt, und nach disen Worten redt der sun weiter
und sprach: »und darumb wird ich kunftiglichen fueren und in mein herzen haben diese wort: 'halt maß'

n kurzer zeit, als der jung weiß kunig bey seinem vater dem alten weißen kunig was,
da sprach der vater zu dem sun dise wort: »sun hör mir zu: nach meinem tod wirdest
du sein ain besitzer meiner reiche. Wiewol ain jeder kunig ist wie ain ander mensch, so
muessen doch die kunig, die selbs regieren, mer wissen dann die fursten und das volk,
damit das ir regierung bey inen beleih, und mein red, die ich zu dir thue, das ist ain
erfarung der weit.« Der vater wolt dem sun in diser underweisung nit ganze offen-
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