Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien)
14.1893
Seite: 130
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Dr. Fr. Kenner.

früher für die Leiche seiner ersten Gemahlin, Maria von Burgund, beobachtet worden. (Siehe unten
S. i3i). Dadurch ist ferner erwiesen, dass die um 1570 und 1580 vorbereitete Ueberführung der Leiche
in das Mausoleum der Hofkirche zu Innsbruck nicht stattgefunden hat.1 — Seine Kinder s. unter Nr.
141—146.

Unter den älteren Historikern schrieben Cuspinian,2 sein Biograph, und Heuterus3 über die mittlere
, etwas gedrungene Gestalt (statura quadrata), die vorragende Stirne, Adlernase, den schönen Mund
und die zwischen dem lichten nordischen und dem dunklen portugiesischen Incarnate die Mitte haltende
Hautfarbe (color e Germanico Lusitanicoque mixtus); nur der Letztgenannte erwähnt der mittelgrossen
grauen Augen. Unser Bildniss gibt ihm braune. Solche zeigen auch die in der Gemäldesammlung
des Allerhöchsten Kaiserhauses befindlichen Porträte des Kaisers von Lucas Leyden (Nr. 723),4
Albrecht Dürer (Nr. 1511)5 und Hans Grunewald (Nr. 1429).6

MAXIMILIANVS • I • ROMAN : IMPERATOR. Brustbild mit zweibügeliger, reichgezierter Krone, auf deren
Reif die Feuereisen des Vliessordens in Relief erscheinen, mit braunen Augen und Haar, das tief in die
Stirne gekämmt ist und schlicht an den Wangen herabhängt, unbärtig, im Harnisch mit hohen, goldgeränderten
Achseln (auf der rechten ein gelber Dorn), um die Brust der Vliessorden an breiter Collane.

Roo, Seite 36g (jugendlich), ganz verschieden. Ebenso Seite 436. — Schrenckh von Notzingen
1601, Taf. 4. Deutsche Ausgabe von J. D. Köhler, Ambrasische Heldenrüstkammer, Nürnberg 1735,
Taf.4, S. :3. — Katalog Nr. 129. — Primisser,Tafel 50. — Das Gesicht nicht unähnlich dem Glasgemälde
in der St. Georgskirche der Burg zu Wiener-Neustadt, welches den König Maximilian, seine Frauen,
Sohn und Tochter darstellt; vgl. Karl Lind in Berichten und Mittheilungen des Alterthumsvereines zu
Wien IX (1866), S. 21 f., Taf. III (Farbendruck) und W. Boeheim in Mittheilungen der k. k. Central-
Commission für Kunst- und historische Denkmale N. F. VII (1888), S. 21 f. und 77 f., welch'Letzterer
die Herstellung im Jahre 1492, den Künstler des Cartons als jüngeren Vertreter der van Eyck'schen
Schule und den Joris van Delft als Glasmaler nachweist.

134. Dessen erste Gemahlin Maria, Erbtochter des Herzogs Karl des Kühnen von Burgund und
der Isabella von Bourbon, geboren i3. Februar 1457, verlobt am 28. Mai 1475 in dem Friedensschlüsse
zwischen ihrem Vater und Kaiser Friedrich III.,7 vermählt 20. August 1477, »ein schöns froms tugen-
haftigs weib, dasz ich mich begnuegen lasz und dankh gott«, (dies Maximilians eigene Schilderung),8
»schneeweiss, ein prauns haar, ein kleins nassl, ein kleins heuptel und antlitz, praun und grabe äugen
gemischt (braungraue Augen), schön und lauter, dann daz unter heutel9 an äugen ist etwas herdann
gesenkt, gleich als sie geschlaffen hiet; doch es ist nit wol zu merkhen; der mund ist etwas hoch, doch
rein und rot . . . mein gemahl ist eine ganze waidmännin mit valken und hunden«.10 Doch las sie

1 A. a. O. I, p. 267; vgl. die auf die geplante, insbesondere von Erzherzog Ferdinand von Tirol betriebene Ueberführung
nach Innsbruck bezüglichen Schriften bei Gerbert, a. a. O., II, p. i33 f., Nr. XXXIX—XUI; in der letztgenannten
Nummer findet man sogar einen genauen Voranschlag der Kosten des Transportes der Leiche. — Ein Programm der
Ueberführung von Khuen-Belasy, datirt vom l3. März 1570, s. in diesem Bande, Regesten des k. k. Statthaltereiarchivs in
Innsbruck.

2 De Caesaribus (Maximiiianus), p. 485 sqq. (Ausgabe von 1601).

3 Rer. Belgic. VII, p. m., Nr. 340.

4 E. v. Engerth, Gemäldegallerie II, S. 241, Nr. 972.

5 Ebenda III, S. 94, Nr. 1529.

6 Ebenda III, S. 114, Nr. 1551. Da in diesem Werke die Farbe der Augen nicht hervorgehoben ist, habe ich die
Originale selbst verglichen und konnte übereinstimmend in allen braune Augenfarbe constatirt werden, wahrscheinlich ein
Erbtheil, den der Kaiser von seiner Mutter überkam.

7 Vgl. darüber unten Nr. 222 und 223.

8 Victor v. Kraus, Maximilians I. vertraulicher Briefwechsel mit Sigmund Prüschenk Freiherrn zu Stettenberg, Innsbruck
1875, S. 27 f.

9 Die unteren Augenlider.

10 Als solche stellt sie eine trefflich modellirte grosse einseitige Gussmedaille (ohne Aufschrift) in der Medaillensammlung
des Allerhöchsten Kaiserhauses dar (ausgestellt im Saale XV, Schautisch 9, Tafel 6, Nr. 1). Sie zeigt die Erzherzogin
hoch zu Ross, einen Falken auf der linken Hand; unten läuft ein Jagdhund; im Felde ist das Andreaskreuz von Burgund
angebracht. Der prächtige Faltenwurf an Kleid und Pferddecke fällt besonders auf; der Charakter der Arbeit deutet auf die
Zeit um 1480 hin.


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