Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Hrsg.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien)
15.1894
Seite: 61
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Paulus van Vianen. Ol

Monate lang gefangen gelegen aber darauf wieder herausgelassen worden mit Reversirung, nimmermehr
von Rom wegzureisen.1 Durch Vermittlung aber des kaiserlichen Abgesandten ist er alsbald nach Prag
in Kaisers Rudolfi Dienste gekommen, allwo er auch seine fürtrefflichste Werke, die alle unschätzbar
gehalten und viel gutes Nachsinnen den Lehr-« (wohl: Lern-) »begierigen verursacht, gemacht. Er
starb ledigen Standes, als er eben wieder in sein Vaterland nach Utrecht gewollt.«

In den Biographien Kaspar Lehmann's und Zacharias Belzer's erwähnt Sandra«, dass diese
Künstler »mit Hans von Achen und Paul van Vianen vertraute Freunde gewesen und meistentheils zu
Hof in einerlei Zimmer beisammen logirt gewesen«; in der Biographie Georg Schwanhardt's des Aelteren,
dass Schwanhardt von Paul van Vianen sehr geliebt worden und dass dieser »dem Schwanhardt
unterschiedliche Visierungen fürgezeichnet«, ein bemerkenswerther Umstand, auf den noch
zurückzukommen ist. Sandrart ist Über die Künstler und Kunsthandwerker am Hofe Rudolf II. offenbar
durch mündliche Mittheilungen eines überlebenden Künstlergenossen gut unterrichtet; war er doch 1622
als 16 jähriger Junge nach Prag zu Egydius Sadeler in die Lehre gekommen, welcher seit 1. September
1597 kaiserlicher Kupferstecher war und bis zu seinem Tode (1629) als solcher angeführt erscheint;2
auch im späteren Leben scheint Sandrart wieder nach Prag gekommen zu sein; er schildert ziemlich eingehend
die Arbeiten des Dionysius Miseroni, insbesondere die berühmte Krystallpyramide desselben, die
noch heute die kaiserlichen Sammlungen ziert,3 und erwähnt in der Biographie des Ferdinand Eusebius
Miseroni, dass dieser als Schatzmeister »die fremd ankommenden und die kaiserlichen Schätze und
Kunststücke zu besichtigen verlangenden Personen geduldig und freundlich anhört und alles von dem
Höchsten bis zu dem Geringsten willig zeiget«, eine Bemerkung, die wohl eigener Erfahrung entsprang
und wie die pflichtgemässe Danksagung eines reisenden Kunstforschers an den bereitwilligen Custoden
klingt. Thatsächlich werden wir die meisten Angaben Sandrart's bezüglich Paul Vianen's bestätigen
und insbesondere die von ihm angeführten Werke desselben fast ausnahmslos nachweisen können.

Geburts- und Todesjahr Vianen's waren bisher unbekannt; für ersteres wird in der Regel die
zweite Hälfte des XVI. Jahrhunderts angegeben. Mit grosser Wahrscheinlichkeit kann nunmehr seine
Geburt in das erste Jahrzehnt der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts verlegt werden. In der Ra-
dirung des Jacobus Lutma erscheint Paulus van Vianen ziemlich gleichen Alters mit dem auf demselben
Blatte dargestellten Hans von Achen (geb. 1552). Sicher ist, dass er aus Utrecht stammt; nennt
er sich doch auf der Prachtschale des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig »S. Caes. Mtis. Aur.
Paulus de Viana Ultrajectensis«.

Die Utrechter Familie der Vianen war eine weitverzweigte Künstlerfamilie; Baumeister, Maler, Glasmaler
, Gold- und Silberarbeiter, Kupferstecher und Graveure waren im XVI. und XVII. Jahrhundert
aus ihr hervorgegangen; insbesondere kann Willem Eernstensz van Vianen als Stammvater mehrerer
Künstlergenerationen bezeichnet werden. Er war der Vater unseres Paulus sowie des Adam van Vianen.

Ueber Willem Eernstensz van Vianen ist wenig bekannt; dass er Gold- und Silberarbeiter gewesen
und seine Söhne Paulus und Adam in seiner Kunst unterrichtet habe, wird uns von Sandrart
berichtet, stimmt auch mit der durch Christian Kramm* überlieferten Localtradition, kann aber
urkundlich nicht nachgewiesen werden. Dagegen wissen wir aus dem Zunftbuche der Münchener
Goldschmiede, dass des Paulus van Vianen zünftiger Meister nicht sein Vater sondern Cornelius Flertz
oder Elertz gewesen ist. Urkundlich steht fest, dass Willem Eernstensz van Vianen um 1604 gestorben

^^l^Tverändert dies in der zweiten Auflage der deutschen Academie« dahin, dass Vianen sich verpflichten
musste, Rom auf Lebenslang zu meiden; diese Abänderung ist ebenso unmotivirt als unglaubwürdig wenn man d.e Kampfe
im Auge behält, die die Fürsten damaliger Zeit um tüchtige Künstler führten, und berücksichtigt, dass dieses Ereignissen
die Regierungszeit des gelehrten und kunstsinnigen Papstes Clemens VIII. aus dem Florentiner Hause Aldobrandin. (1592 bis
1605) fallen muss.

» Vgl. Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses, Bd. X, Regg. 5566, 5668, 5673,
5684, und Bd. VII, Reg. 4706. ....... . ,

3 Saal XIX, Vitrine 2, Nr. 121 und Vitrine VII, Nr. 28; leider musste d.eser ungewöhnlich hohe Aufsatz m zwei getrennten
Stücken aufgestellt werden.

4 De Levens en werken der Hollaendschen en vlaemschen Kunstschilders, Beeldhouwers, graveurs en Bouwmesters,

Amsterdam, Diederichs, 1857—1864.


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