Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien>   [Hrsg.]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 30.1911-1912

Seite: II
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II

K. k. Statthalterei-Archiv in Prag,

Nachdem wir aus aigner bcwcgnuss vor disem
dem . . . Matthes Krätsch ain khais. und khunigl. offe-
nes patent gnädigst erthailt und aufgetragen haben,
vor uns aller ort und enden in unserm königreich Be-
heimb und desselben incorporirten landen allerhand
underschiedlicher Sorten schöne auserlesene stain, wo
und auf was grund und boden dieselben zu befinden,
nachzusuchen oder sonst zu erlangen sein möchten,
umb einen billichen werth zu handen zu bringen und
uns hernacher zuzustellen und zu überliefern, er Krätsch
auch des gehorsambisten erbietig were, an volziehung
solch unsers angeschafften willens seines theils nichts
erwinden zu lassen, so understünden sich aber jedoch
sowohl die in- als auslender überall an allen orten, be-
melte edelgestein, fürnemblich die granathen, in grosser
anzahl, wo si nur immer dieselben in unsern landen
antreffen und erheben könten, aufzukaufen und dar-
durch uns dasjhenig, was vor uns tauglich, gleichsam!)
zu entziehen und solches under dem schein, samb etz-
liche aus ihnen sowohl als er Krätsch auch hirüber
patenta erlangt hetten, vor unser khais. und khunigl.
person dergleichen Sorten von obbemelten edelgestein
zu erlangen und zuwegzubringen, uns hirauf gehor-
sambist gebeten, weil solches zwar von ihnen vorgeben
aber bisher im wenigisten nicht erfolgt were, sondern
vielmehr durch solchen pranext der gerümbten patenten
die edelgestein uns heimblicherweis wie gleichsamb
entfrembdt und ausser lands verfürt wirden, das wir zue
abstellung dessen und vortsetzung unsers angeschafften
willens, dieweil er sonsten anderer gestalt nit wisste,
ihme ain gnügen zu thun und nachzukhomben, ihme
hirüber auf ein anzahl jähr und under einer gewissen
pöen ein sonderbar Privilegium zu verfertigen und ihne
darmit zu versehen gnädigist geruehen wolten.

Wann wir dan ohnedas nicht gemeint sind, der-
gleichen landstreichern den vorkauf und, dass si, wie
gedacht, under gesuchten behelf und schein die schön-
sten und bösten stuck der granaten heimblich und ver-
borgener weis von den underthanen, durch was mittel
es auch sein khan, abkaufen und an sich bringen sollen,
zu verstatten, derowegen aus disen und andern uns
mit grund zu gemüt gefürten erheblichen Ursachen
mehr so haben wir oftgedachten Krätschen undertheni-
gistes anbringen vor billich und zu volziehung unsers
genedigisten befelchs und ime aufgetragener Verrich-
tung vor notwendig angesehen und in also aus Bchmi-
scher khunigl. macht und gewalt dahin befreiet, in-
massen wir solches auch hiemit diesem unsern kais.
und königl. majestetbrief in böster mass und formb,
wie die sein mag, thun, nemblich in gedachten Krätsch
sambt seinen hiezu abgeordneten auf 15 jar lang in
unserem königreich Bcheimb und desselben incorpo-
rirten landen überal, auf was grund und boden das
immer sein möchte, vielgemelte edelgestein, sonder-
lich aber die granaten, nachzusuchen befuegt wie auch,
do er was dergleichen, so vor uns sein möchte, in er-
fahrung bringen wird, alle und jede unsere under-
thanen unserm zu inen habenden genedigisten unge-
zweifelten vertrauen nach schuldig und verpflicht sein
sollen, ihme Krätschen oder den seinigen gemelte edel-
gestein, von was Sorten dieselben sein, in zimblichen
billigen kauf ohn alle Verhinderung und abgebung eini-
gen zolls, maut und auflag, wie diselbig khan genant
werden, vor allen andern zukommen zu lassen und hie-

zu alle guete beförderung zu erzeugen, doch mit dieser
austrucklichen condition und beding, dass er Krätsch
oder die seinigen uns die bösten edelgestein und be-
sonders die granaten, so uns gefallen werden, in dem
werth, wie er's aufgebracht und dabei bestehen khann,
zu handen liefere, vor uns halte, die übrigen aber hin-
widerumb andern in billichen khauf und, wie er's mit
inen wird khönnen abfinden, hinlasse und verkaufe, in-
massen wir dann in sein person genedigist khaine
zweifei setzen, er werde sich unserm in ihne habenden
allergenedigisten vertrauen nach hirin allerdings ge-
bührlich und aufrichtig zu verhalten wissen.

Gebieten hirauf allen und jeden unsern under-
thanen, was hohen oder niedern würden, Stands, ambts
oder wesens die in unserer cron Beheimb und des-
selben incorporirten landen wohn- oder sesshaft sein,
ernstlich und vestiglich und wellen, das si vielgcmelten
Krätsch und die seinigen berürte zeit über bei dieser
unserer keis. und königl. begnadung, privilegio und
freiheit des edelgesteinnachsuchens nachmals auch in
erkaufung derselben ungeirret und geruehiglich ver-
bleiben lassen, darwider nicht thuen, noch dasselbe
jemanden andern zu thun gestatten in keinerlei weis
noch weg, als lieb einem jeden sei unsere schwere straf
und ungnad und darzu zwainzig mark lötiges golds zu
vermeiden, die ein jeder, so oft er frevenlich darwider
thete, halb in unser Cammer und den andern halben
theil obbemelten Krätschen unnach^läss)lich zu be-
zahlen verfallen sein soll.

Damit aber hirin oftgemeltem Krätschen khain
eintrag geschehe auch umb soviel besser und füglicher
unser genedigister intent erfüllet werde, so wollen wir
kraft dis privilegii alle vor diesem gewissen personen
ertheilte patenten, aldieweilen uns dadurch das peste
und tauglichiste von granaten entzogen und anderer
ort verschleift wird, gänzlich cassirt und aufge-
hoben und bemclten khauf nuhr ermeltem Krätschen
allein und seinen mitverordneten allegenedigist ver-
statten und vergünstigt haben.

. . . Geben Prag den 10. julii anno 1601.

Concept, C 65135 alt. — Ebenda das Concept des böhmischen
Wortlautes dieses Privilegiums, dessen erster, vom 24. Juni 1601
datierter Entwurf nahezu gan; durchstrichen und durch einen neuen,
dem obigen Text entsprechenden ersetzt ist. Das so abgeänderte
Concept trägt das Datum: Schloss Prag am Samstag nach Sanct
Margarieth (= 14. Juli) 1601. — Vgl. Reg. 8270.

20143 1601 Juli 26, Prag.

Kaiser Rudolf II. stellt dem Büchsengießer Martin
Hilger folgenden Bestallungsbrief aus:

Als unser sondere notturft erfordert, nach ab-
leiben weiland Hannss Cristofen Lötflers, unsers ge-
wesenen püxengiessers, widerumben ain andere taug-
liche person, so dieser khunst des püxengiessens wol
erfahren und geübt, in unsern khünigreichen und landen
zu dem ende zu bestellen, damit wir jeeztund inkhünf-
tig, zumal bei noch werendem offenen Türkhenkrieg
sowol zu denen veldexpeditionen und unsern Hungeri-
schen graniezen und andern orten und vestungen mit
grossem und klainem geschücz von ainer zeit zur an-
dern versehen sein als auch bei unseren numehr zimb-
lich entblöstcn haubtzeügheüsern widerumben zu ainem
vorrath gelangen mögen, und wir dann nun gnedig war-
genommen, das der ernvest Martin Hilger berürte
khunst des giessens neben seinem vattern allerdings zur
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